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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

Kanalprofile. 
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Lage und Profile der Kanäle. 
Die Kanäle liegen in Wien in der Regel in der Straßenmitte. Die normale Tiefcnlage 
der Zweigkanäle beträgt von 3'80 bis 4-50 m unter der Straßenoberfläche. Im felsigen Unter 
gründe begnügt man sich mit einer Tiefenlage von 3 m und bei flacher Bodengestaltung, 
namentlichem Alluvialgebiete, kommen behufs Erzielung ausreichender Gefälle in vereinzelten 
Fällen die oberen Enden der Zweigkanäle 2 80 m unter dem Terrain zu liegen. Die Sammel 
kanäle besitzen meist eine größere Tiefe als 5'00 m, deren Sohle liegt auf lange Strecken 
8 bis 14 m unter der Straßenfahrbahn. 
Die Gefälle der Kanäle sind im allgemeinen sehr günstig. Mit Ausnahme der Haupt 
sammler beiderseits des Donaukanales, die auf längere Strecken nur einen Fall von 0-4% () 
besitzen, beträgt das Gefälle der Kanäle im Alluvialgebiete 1'2 bis 57 00 und in den oberhalb 
des Steilrandes gelegenen Stadtteilen 3 bis 190% 0 . Der größere Teil der Kanäle hat Gefälle 
von 10 bis 307 on , so daß der Brauchwasserabfluß in der Regel Geschwindigkeiten von über 
0’6 m in der Sekunde ausweist. 
Eine Folge des allmählichen Entstehens des Wiener Kanalnetzes sind auch die verschieden 
artigen Profilformen, die in den einander folgenden Zeitabschnitten zur Anwendung gelangten 
und die das Bestreben nach fortschreitender Vervollkommnung deutlich zum Ausdrucke 
bringen. Die Abb. 163—170 zeigen die jeweilig angewendete kleinste Type der Zweigkanalc. 
Dezimen. 
Abb. 163—170. Entwicklung der Kanalprofile. 1:100. 
Bemerkenswert erscheint, daß für die älteren Wiener Kanalbauten, mit kaum nennenswerten 
Ausnahmen, nur Ziegelmateriale von sehr guter Beschaffenheit Verwendung fand. Für die Her 
stellung der Zweigkanäle wurde bis zum Jahre 1859 ausschließlich Weißkalkmörtel verwendet. 
Bei größeren Kanalbauten erfolgte aber seit dem Jahre 1843 die Mörtelbereitung mit hydrau 
lischen Bindemitteln. . ,,, 
Die vielen Nachteile, die die muldenförmige Sohle der Kanalprofile im Gefolge hatte, 
waren die Ursache, daß im Jahre 1859 zu Profilen mit halbkreisförmiger Sohle (siehe Abb. 166 
und 167) übergegangen wurde. Diese Querschnittsform wurde 1873 durch eiförmige Ziege - 
profile ersetzt. * Im gleichen Jahre wurde mit der Verwendung von Beton für die Kanal- 
herstellungcn begonnen, und die damit gemachten Erfahrungen waren 
derart günstige, daß im Jahre 1880 17'37 0 , im Jahre 1882 bereits 67 6 / 0 
und 1884 schon 95'57 0 aller Kanalbauten in Beton ausgeführt wurden 
Abb. 172. 
Beton 1879—1901. 
Abb. 174. 
Steinzeugschale von 1901 an. 
1: 20. 
Abb. 171—174. Entwicklung der Sohlenstücke. Abb. 171 173 1:50. 
(siehe Abb 169) Seit dem Jahre 1901 wird von der Verwendung von Romanzement Umgang 
genommen und für den Beton nur mehr Portland- oder Schlackenzement im Mischungs 
verhältnisse von 1:2:4 verwendet (siehe Abb. 170). . „ ,. ... 
Um die Kanalsohle vor starker Abnützung zu schützen, werden in den Sammelkanalen 
seit dem Jahre 1875 für die Sohlcnherstellung Steinzeugklinker mit gutem Erfolge verwendet 
(siehe Abb. 178—180). Bei den eiförmigen Betonkanälen wurden in den Jahren 1877 —18/y 
zur Herstellung der Sohle Steinzeugstücke nach Abb. 171 benützt, die sich bis heute in 
einem ernten Zustande erhalten haben. Gleichzeitig erfolgte auch die probeweise Verlegung von
	        
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