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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

Trinkwasserleitungen.

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Aufnahme  der  Höllentalquelle  mit  der  Seekote  541'82m  möglich  wurde  und  daß  anderseits
der  Leitungsstollen  überall  tunlichst  hoch  über  dem  Flußwasserspiegel  zu  liegen  kam.  Das  Stollengcfälle
  wechselt  zwischen  l°/on  un d  25 0 / m i,  doch  kommen  auch  kurze  Abstürze  mit  dem  Gefälle
von  150"/oo  vor.  Bei  den  Zuleitungen  der  kleinen  Quellen  konnten  Rohrgefälle  bis  zu  500 o / on
nicht  umgangen  werden;  in  solchen  Fällen  stehen  die  Rohre  nicht  unter  Druck,  sondern  laufen
nur  teilweise  gefüllt.
Die  Gefälle  in  der  Strecke  des  Stammaquäduktes  sind  dem  Terrain  möglichst  angepaßt;
dieselben  wechseln  zwischen  5% 0  im  oberen  Teile  und  0'435%o  i |T1  dem  unteren  Teile  zwischen
Mödling  und  Wien.  In  der  Zweigleitung  der  Stixensteiner  Quelle  kommen  auch  Gefälle  von
10°/ on  vor.  Da  jedoch  in  der  Strecke  zwischen  Hirschwang  und  Pottschach  sowie  zwischen
Ternitz  und  Neunkirchen  die  Beibehaltung  des  natürlichen  Terraingefälles  ein  zu  starkes  Leitungsgefälle ­
  ergeben  hätte,  welches  von  ungünstigem  Einfluß  auf  die  Wandungen  des  Aquäduktes
gewesen  wäre,  wurden  daselbst  kürzere  Abstürze  in  größerer  Anzahl  eingeschaltet,  welche  das
Gefälle  von  200 0 / c , )  erhielten  und  ganz  aus  Quadern  hergestellt  wurden.

Die  Quellenfassungen. 1 )

Diese  bilden  den  interessantesten  Teil  der  gesamten  Bauanlagen  der  Hochqucllenleitung,
da  die  einzelnen  in  Betracht  kommenden  Quellen  in  sehr  mannigfacher  Weise  zutage  treten
und  die  Art  der  Quellenfassung  diesem  Auftreten  angepaßt  werden  mußte.
Der  „Kaiserbrunnen“  und  die  „Stixensteiner  Quelle“,  welche  beide  aus  großen
Felsenspalten  entsprangen,  wurden  in  Wasserschlössern  gefaßt,  die  vor  die  Quellenspalten
gesetzt  wurden.  Diese  Wasserschlösser  sind  in  Quadern  hergestellte,  gewölbte  Räume,  welche
die  Quellen  âufnehmen,  mit  selbsttätigen  Überfällen  versehen  sind  und  gegen  den  Aquädukt
mittels  eines  Schiebers  abgeschlossen  werden  können.  Durch  diesen  Schieber  erfolgt  auch  die
Regulierung  des  Wasserabflusses  in  den  Aquädukt.

Wftfstprhrurt'n.

100

0

70

50

fallt  T3S%.  YlVloo  üfalltm*/..  I32‘4."y
J-X,  Stollen

fällt  0  59%.  0^°/..

fällt  4-0%.  -  3

Fivellette

Höhen:  1  •  16000 ;  •  Lä.ncjen:  1  •  625.000.
Abb.  194.  Längenprofil  des  Stammaquäduktes.

Die  Wasserschlösser  der  neuen  Leitung  unterscheiden  sich  von  den  vorbeschriebenen
dadurch,  daß  sie  außer  einem  selbsttätigen  Überfall  und  einem  Leitungsschieber  auch  noch
einen  Entleerungsschieber  haben,  welcher  für  den  Fall,  als  der  Lcitungsschieber  geschlossen
werden  sollte,  geöffnet  wird  und  das  Wasser  dem  nächsten  offenen  Wasserlauf  zuführt,  wodurch ­
  dem  Übelstand  gesteuert  wird,  daß  in  solchen  Fällen  eine  jedesmalige  Stauung  des
Wassers  im  Wasserschloß  bis  zu  der  Höhe  des  selbsttätigen  Überfalles  eintreten  müßte.  Außerdem ­
  ist  bei  dieser  neueren  Type  der  Wasserschlösser  die  Anordnung  getroffen,  daß  die  beiden
obgenannten  Schieber  (Leitungs-  und  Entleerungsschieber)  in  einer  besonderen  Schieberkammer
im  Trockenen  untergebracht  und  vollkommen  frei  zugänglich  sind.  Als  Beispiel  für  die  erstere
Type  kann  das  Wasserschloß  des  Kaiserbrunnens  dienen  (siehe  Abb.  195  und  196),  als  jenes
der  zweiten  Type  das  Wasserschloß  der  Wasseralmquelle  (siehe  Abb.  197).
Die  Leitungsanlagen.
Auch  hinsichtlich  der  speziellen  Leitungsanlagen  weisen  die  beiden  Teile  der  Hochqu  ellenleitung
  charakteristische  Unterschiede  auf.  Der  Stammaquädukt  besteht  in  seiner  überwiegenden

lueisiei»  i_/i.  Luegti  vtiiawi.i.
bei  M.  Gerlach  &  Co.,  Wien.
            
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