Trinkwasserleitungen.
219
Aufnahme der Höllentalquelle mit der Seekote 541'82m möglich wurde und daß anderseits
der Leitungsstollen überall tunlichst hoch über dem Flußwasserspiegel zu liegen kam. Das Stollengcfälle
wechselt zwischen l°/on un d 25 0 / m i, doch kommen auch kurze Abstürze mit dem Gefälle
von 150"/oo vor. Bei den Zuleitungen der kleinen Quellen konnten Rohrgefälle bis zu 500 o / on
nicht umgangen werden; in solchen Fällen stehen die Rohre nicht unter Druck, sondern laufen
nur teilweise gefüllt.
Die Gefälle in der Strecke des Stammaquäduktes sind dem Terrain möglichst angepaßt;
dieselben wechseln zwischen 5% 0 im oberen Teile und 0'435%o i |T1 dem unteren Teile zwischen
Mödling und Wien. In der Zweigleitung der Stixensteiner Quelle kommen auch Gefälle von
10°/ on vor. Da jedoch in der Strecke zwischen Hirschwang und Pottschach sowie zwischen
Ternitz und Neunkirchen die Beibehaltung des natürlichen Terraingefälles ein zu starkes Leitungsgefälle
ergeben hätte, welches von ungünstigem Einfluß auf die Wandungen des Aquäduktes
gewesen wäre, wurden daselbst kürzere Abstürze in größerer Anzahl eingeschaltet, welche das
Gefälle von 200 0 / c , ) erhielten und ganz aus Quadern hergestellt wurden.
Die Quellenfassungen. 1 )
Diese bilden den interessantesten Teil der gesamten Bauanlagen der Hochqucllenleitung,
da die einzelnen in Betracht kommenden Quellen in sehr mannigfacher Weise zutage treten
und die Art der Quellenfassung diesem Auftreten angepaßt werden mußte.
Der „Kaiserbrunnen“ und die „Stixensteiner Quelle“, welche beide aus großen
Felsenspalten entsprangen, wurden in Wasserschlössern gefaßt, die vor die Quellenspalten
gesetzt wurden. Diese Wasserschlösser sind in Quadern hergestellte, gewölbte Räume, welche
die Quellen âufnehmen, mit selbsttätigen Überfällen versehen sind und gegen den Aquädukt
mittels eines Schiebers abgeschlossen werden können. Durch diesen Schieber erfolgt auch die
Regulierung des Wasserabflusses in den Aquädukt.
Wftfstprhrurt'n.
100
0
70
50
fallt T3S%. YlVloo üfalltm*/.. I32‘4."y
J-X, Stollen
fällt 0 59%. 0^°/..
fällt 4-0%. - 3
Fivellette
Höhen: 1 • 16000 ; • Lä.ncjen: 1 • 625.000.
Abb. 194. Längenprofil des Stammaquäduktes.
Die Wasserschlösser der neuen Leitung unterscheiden sich von den vorbeschriebenen
dadurch, daß sie außer einem selbsttätigen Überfall und einem Leitungsschieber auch noch
einen Entleerungsschieber haben, welcher für den Fall, als der Lcitungsschieber geschlossen
werden sollte, geöffnet wird und das Wasser dem nächsten offenen Wasserlauf zuführt, wodurch
dem Übelstand gesteuert wird, daß in solchen Fällen eine jedesmalige Stauung des
Wassers im Wasserschloß bis zu der Höhe des selbsttätigen Überfalles eintreten müßte. Außerdem
ist bei dieser neueren Type der Wasserschlösser die Anordnung getroffen, daß die beiden
obgenannten Schieber (Leitungs- und Entleerungsschieber) in einer besonderen Schieberkammer
im Trockenen untergebracht und vollkommen frei zugänglich sind. Als Beispiel für die erstere
Type kann das Wasserschloß des Kaiserbrunnens dienen (siehe Abb. 195 und 196), als jenes
der zweiten Type das Wasserschloß der Wasseralmquelle (siehe Abb. 197).
Die Leitungsanlagen.
Auch hinsichtlich der speziellen Leitungsanlagen weisen die beiden Teile der Hochqu ellenleitung
charakteristische Unterschiede auf. Der Stammaquädukt besteht in seiner überwiegenden
lueisiei» i_/i. Luegti vtiiawi.i.
bei M. Gerlach & Co., Wien.