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Die Wasserversorgung.
Die übrigen vier Brunnen sind später errichtet worden und liegen in Entfernungen von
400 bis 800 m flußaufwärts vom Maschinenbaus. Der Tiefbrunnen E, der einzige auf dem linken
Flußufer gelegene, ist jedoch nicht kreisrund angelegt, sondern hat einen elliptischen Quer-
Âbb. 198. Aquädukt in Mödling.
schnitt, so daß der große Durchmesser an der Schneide des Brunnenkranzes 8 m, der kleinere
6 m beträgt. Diese Form wurde gewählt, um dem hier in namhaft größerer Menge auftretenden
Grundwasser an dem größeren Umfang des Brunnens leichteren Zutritt zum Brunnen zu gestatten.
Die Tiefe beträgt bei dem Brunnen E zirka 14 m und bei dem Brunnen F 13 m. Die Brunnen
G und H sind nur „Hilfsbrunnen“ für den Brunnen F, welcher für sie als Sammelbrunnen
fungiert. Die sämtlichen Brunnen haben schmiedeeiserne Brunnenkränze, auf welchen das 1 m
starke, in Portlandzementmörtel ausgeführte Brunnenmauerwerk ruht, und sind oben durch ein
Kuppelgewölbe abgeschlossen, welches den Einsteigschacht trägt. In den unteren Partien des
Brunnenmauerwerkes sind in mehreren Lagen strahlenförmig Sickerrohre eingemauert, durch
welche das Grundwasser auch seitlichen Zutritt zu den Brunnen erhält (siehe Abb. 202). Mit
dem Maschinenbaus sind die sechs Brunnen A, B, C, D, E und F durch Saugleitungen
verbunden, welche sämtlich die Weite von 600 mm haben und gegen die Brunnen hin ein
konstantes Gefälle besitzen. Die maschinelle Anlage besteht aus drei Cornwall-Dampfkesseln
mit je 60 m 2 Heizfläche und drei liegenden Woolfschen Dampfmaschinen von je 50 PS. mit
je zwei Paar doppeltwirkenden Saug- und Druckpumpen, welche mit einer normalen
Tourenzahl von nur 18 pro Minute arbeiten. Von den Pumpen gelangt das Wasser durch
eine doppelte gußeiserne Druckleitung von gleichfalls 600 mm lichter Weite und 1240 m
Länge in eine Überfallkammer, welche unmittelbar an den Aquädukt der Hochquellenleitung
angebaut ist.
Die Druckhöhe der Leitung beträgt 411m, die Saughöhe im Maximum 7'0 m, so daß die
gesamte Förderhöhe im Maximum ITllm, im Mittel aber nur zirka 9 m beträgt. Wie aus
seiner Eigenschaft als Auxiliarwerk hervorgeht, ist das Werk nur zeitweise in unregelmäßigen
Zwischenräumen in Betrieb; im Frühjahr tritt oft mehrmonatlicher Stillstand ein, im Winter
tritt auch mehrmonatlicher Betrieb ein. Um nun während der längeren Betriebspausen das
Wasser in den Brunnen öfter zu erneuern, wird zu diesen Zeiten wenigstens allmonatlich ein
„Probepumpen“ vorgenommen. Das hierbei geförderte Wasser wird unmittelbar nach Pas-
sierung des Maschinenhauses in die Schwarza abgelassen. Ein solches „Probepumpen“ findet
auch regelmäßig vor jeder Inbetriebsetzung des Werkes statt, wobei auch die Druckleitung
einer vorherigen Durchspülung unterworfen wird.