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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Hydrographie. 
Die Wasserstandsverhältnisse sind naturgemäß jenen der Donau analog, doch wird bei 
Wasserständen von mehr als 80 cm über theoretisch Null das Ansteigen des Kanalwasserstandes 
über diese Höhe durch entsprechende Manöver am Sperrwerk in Nußdorf verhindert. Hiermit 
ist gleichzeitig eine Charakteristik des Verlaufes der Hochwässer im Wiener Donaukanal ge 
geben. Das vor der Herstellung des genannten Sperrwerkes beobachtete Wasserstandsmaximum 
war fast 400 cm über dem theoretischen Nullwasser. Die Konsumtionsverhältnisse sind aus der 
folgenden Tabelle und aus der der Beschreibung der Konsumtionsverhältnisse des Hauptstromes 
beigegebenen Abb. 1 auf S. 8 ersichtlich. 
Beim Maximalstand des Stromes im Jahre 1897 führte der Kanal 940 Sekundenkubik 
meter, bei jenem im Jahre 1899 konnte die Wasserführung im Kanal auf 380 m 3 erhalten 
werden. Die bisher beobachtete Minimalwassermenge war etwa 45 m 3 pro Sekunde. Die Eis 
verhältnisse des Hauptstromes werden vom Kanal mit Hilfe der Absperrvorrichtungen in Nuß 
dorf vollkommen ferngehalten; sie sind in demselben nur durch den Rückstau des hierbei oft 
hoch angeschwollenen Stromes fühlbar. 
Der Wienfluß.') 
Der Wienfluß entspringt oberhalb Preßbaum in den Ausläufen der Alpen, durchzieht die 
westlichen Vororte und Bezirke von Wien und mündet unterhalb der Aspernbrücke in den 
Donaukanal. Sein Ursprung beziehungsweise seine Wasserscheide hat eine Meereshöhe von 
620 m, während seine Mündung 156 m über dem Meeresspiegel liegt. Innerhalb des Stadt 
gebietes beträgt das ausgeglichene Gefälle etwas mehr als 4 0 /o 0 , es ist jedoch an vielen Stellen 
durch Grundwehren gebrochen. Die Gesamtlänge beträgt 34 km, das Niederschlagsgebiet hat 
eine Fläche von 224'2 km-. Die Wassermengen des Wienflusses schwanken innerhalb sehr 
weiter Grenzen. Die intensivsten Regengüsse (mittlere Niederschlagshöhe etwa 140 mm) ergeben 
nach den Berechnungen (Messungen liegen nicht vor) der Sachverständigen 2 ) im unteren Lauf 
des Wienflusses eine sekundliche Wassermenge von 500—600 m 3 , während zur Zeit der größten 
Trockenheit die zum Abfluß gelangende Wassermenge 0'2—0‘3 Sekundenkubikmeter beträgt. 
Die erstgenannte Menge ist also rund das 2000fache der letzteren. Der Wienfluß besitzt sonach 
sowohl wegen seiner Gefällsverhältnisse als auch wegen der großen Verschiedenheit seiner Wasser 
mengen ganz den Charakter eines Gebirgsbaches. In den letzten Jahren wurde der Wienfluß 
in der unteren Hälfte seines Laufes einer durchgreifenden Regulierung unterzogen. (Näheres 
hierüber siehe im Abschnitt über die Wienflußregulierung.) 
Das regulierte Gerinne des Wienflusses, welches ein geradezu ideales hydrometrisches 
Versuchs- und Beobachtungsobjekt darstellt, wird nunmehr mit jenen Erfordernissen ausgerüstet, 
welche alle wünschenswerten hydrotechnischen Erhebungen ermöglichen sollen. Zahlreiche 
Pegel lassen schon jetzt eine verhältnismäßig genaue Ermittlung der Wasserstände zu; in den 
eingewölbten Strecken, welche keine Pegelablesungen von außen gestatten, sind zwölf Pegel 
mit Schwimmern errichtet worden, die das Maximum der Wasseranschwellung festhalten. Durch 
oberhalb angeordnete Schwimmer mit Kontaktvorrichtung wird die Meldung vom Steigen des 
Wassers automatisch in das Aufsichtsgebäude gegeben, worauf sofort der Beobachtungsdienst 
aufgenommen wird. In Weidlingau sind drei Limnigraphen aufgestellt, durch welche die 
’) Paul Kortz in Dr. Th. Weyls „Die Assanierung von Wien“. Leipzig 1902, Verlag von Wilhelm Engelmann. — Dr. Martin 
Paul, Die Regulierung und Einwölbung des Wienflusses. Separatabdruck aus der Deutschen Bauzeitung. Berlin 1903, Wilhelm Oreves 
Hofbuchdruckerei. „ j »r * ,. ... 
2 ) Bericht über die Ermittlung der Größe und Form der Profile. Stadtbauamt 1885. Bericht der Experten hierüber 
1382 und 1886.
	        
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