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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Beleuchtungswesen. 
Bisher wurden fünf Unterstationen errichtet, welche die Namen der Bezirke, in welchen 
sie liegen, tragen. Den Zentralen zunächst liegt die Unterstation „Landstraße“, hauptsächlich 
für den Verkehr nach dem Zentralfriedhofe erbaut. Die größte Unterstation liegt im Bezirke 
„Mariahilf“ (Rahlgasse); sie versorgt den größten Teil des Straßenbahnnetzes, die südliche 
Hälfte der Innern Stadt und die südwestlichen Vorstadtbezirke. Die nördliche Hälfte der Innern 
Stadt und die alten nordwestlichen Bezirke erhalten Strom von der Unterstation „Leopoldstadt“ 
(Augartenstraße). Endlich bestehen zur Versorgung der Außenbezirke noch die Unterstationen 
„Rudolfsheim“ und „Währing“. 
Diese Unterstationen sind, soweit es die Betriebsverhältnisse und die Größe und Figur 
der Baustellen gestatteten, nach einheitlicher Type gebaut. Die Lichtweite der Maschinenhäuser 
beträgt 17'2m, die Höhe 10 m (bis Dachfirst 15 m). Ein Laufkran von 12 t Tragfähigkeit be 
streicht die ganze Halle. 
Die Akkumulatorenhäuser besitzen drei bis sechs Geschosse von durchschnittlich 3'6 m 
Höhe. Die Deckenkonstruktionen bestehen aus Ziegelgewölben zwischen Doppel-T-Trägern. 
Sie wurden für Nutzlasten von 600 bis 1250 kg pro Quadratmeter ausgeführt. 
Die Maschinenanlage einer Unterstation umfaßt 4 bis 12 Motordynamos von etwa 550 Kilo 
watt Normalleistung. Die Drehstrommaschinen sind nach demselben Prinzip gebaut wie jene 
der Zentralen. Die Maschinen sämtlicher Unterstationen leisten zusammen 16.000 Kilowatt. Es 
ist somit dieselbe Leistung in den Maschinen der Unterstationen verkörpert wie in den Ma 
schinen der beiden Zentralen. 
Zur Aufspeicherung des in den Unterstationen erzeugten Gleichstromes und zur Aus 
gleichung der Stöße, die namentlich der Straßenbahnbetrieb verursacht, dienen Akkumulatoren 
batterien, welche in den vorbeschriebenen Akkumulatorenhäusern untergebracht sind. In jeder 
Unterstation befindet sich eine Batterie für den Bahnbetrieb (Pufferbatterie) und eine Batterie 
für Beleuchtung und Kraftübertragung; nur in der Unterstation „Mariahilf“, von welcher aus 
die sogenannten „Unterleitungsstrecken“ der Straßenbahnen versorgt werden, besteht noch eine 
besondere Batterie für diese Unterleitungsstrecken. Die größte von allen Batterien ist die „Licht 
batterie“ der Unterstation „Mariahilf“, welche imstande ist, 8000 Glühlampen zu 16 Kerzen 
durch mehr als drei Stunden selbständig zu speisen. Sämtliche Batterien sind nach System 
„Tudor“ ausgeführt. Sie bestehen aus je 274 bis 276 Elementen und besitzen eine Gesamtleistungs 
fähigkeit von 3800 Kilowatt. 
Bei Anlage der Schalträume und deren Einrichtung wurde von denselben Grundsätzen 
ausgegangen wie in den Zentralen. Hinreichende Raumentwicklung wegen persönlicher Sicher 
heit, Vermeidung jedes brennbaren Materiales, Disponierung aller Hochspannung führenden 
Teile in unzugänglicher Höhe oder in Verkastelung beziehungsweise Abschrankung, Ausschluß 
der Hochspannung von allen Meßinstrumenten, insbesondere von jenen der vorderen Schaltwand. 
Auf der Baustelle der Unterstation „Mariahilf“, und zwar in der Front der Rahlgasse erhebt 
sich das achtgeschossige Verwaltungsgebäude, welches die Zentralstelle der technischen, 
kommerziellen und administrativen Tätigkeit beherbergt. 
Das Kabelnetz. 
Das Kabelnetz gliedert sich hinsichtlich der Zwecke, die es zu erfüllen hat, in ein Fern- 
leitungs- oder Hochspannungsnetz, in die Bahnspeiseleitungen und in das Lichtnetz. Das Fern- 
leitungs- oder Hochspannungsnetz hat vornehmlich den Zweck, die beiden Zentralen mit den 
fünf Unterstationen zu verbinden und letzteren den hochgespannten Strom zuzuführen. 
Die Hochspannungsleitungen wurden als dreifach verseilte, eisenbandbewehrte Dreh 
stromkabel von 100 bis 150 mm' 2 für 5500 Volt Spannung ausgeführt. Diese Kabel wurden einer 
Spannungsprobe von 10.000 Volt Wechselstrom unterworfen. Die Kabel wurden nebeneinander 
in trockenen Sand gelegt und mit gut gebrannten Gesimsziegeln abgedeckt. Ein stehender 
Ziegel wurde als Trennungswand gegen die Telephonleitung verwendet. 
Die Bahnspeiseleitungen bilden fünf selbständige Gruppen mit je einer Unterstation als 
Mittelpunkt. Sie haben die Bestimmung, den in der Unterstation erzeugten Gleichstrom von 
etwa 550 Volt nach den Speisepunkten des Straßenbahnnetzes zu führen. Je nach der Größe 
und Bedeutung der Unterstationen laufen von dieser 10 bis 20 solcher Speiseleitungen aus. Im 
ganzen bestehen für das gesamte Straßenbahnnetz etwa 70 Speiseleitungen. 
Um die Gefahr des Entstehens vagabundierender Ströme, welche eine zerstörende Wir 
kung auf Gas-, Wasserleitungsrohre etc. ausüben, hintanzuhalten, wurde fast zu jeder Speise-
	        
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