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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Wasserbauten. 
Erscheinungen bei den Hochwässern der Jahre 1897 und 1899 gezeigt, daß beim Zusammen 
treffen ungünstiger Umstände im Niederschlag und Abfluß der atmosphärischen Wässer Kata 
strophen immerhin noch nicht als völlig ausgeschlossen zu betrachten sind und die völlige 
Sicherheit der Stadt Wien noch weitere Schutzmaßnahmen dringend erforderlich macht. Fehlten 
doch beim Hochwasser im September 1899 nur mehr wenige Dezimeter und dasselbe hätte 
die Krone des Marchfeldschutzdammes erreicht. Zahlreich sind die zur Verbesserung der 
Hochwasserabflußverhältnisse vorgeschlagenen Mittel ;\ auch anläßlich des Baues der in Wien 
einmündenden Schiffahrtskanäle ist diese Frage in Verbindung mit der Anlage von Häfen 
für diese Kanäle neuerdings aufgerollt worden. Da diese Hafenanlagen in das alte Donaubett 
verlegt werden sollen, wird durch dieselben die Frage der Ableitung eines Hochwasser 
quantums von 1000 bis 1500 m 3 in der Richtung des alten Donaubettes innig berührt. Die 
Fösung dieser Frage ist derzeit Gegenstand des Studiums der berufenen Ämter; es 
würde jedoch den uns gesetzten Rahmen überschreiten, wenn wir hier die bisher gemachten 
Vorschläge für diese Lösung — darunter die des Hafenbaudirektors Taussig, der Strombau 
behörde, der Direktion für den Bau der Wasserstraßen u. s. w. — näher besprechen wollten. 
Die Hafenanlagen. 
Schon bald nach Eröffnung des Donaudurchstiches hat sich das Bedürfnis herausgestellt, 
für Hafenanlagen am Strome selbst und am rechten Donauufer vorzusorgen, um den Handels 
und Umschlagsverkehr auf dem Wasserwege der Donau bei Wien zu fördern. War doch bis 
gegen Ende des eben verflossenen Jahrhunderts das rechte Ufer des Wiener Durchstiches der 
einzige Platz, wo ein Warenumschlag stattfand, und befand sich in der Wiener Stromstrecke 
auch nicht ein Schutzhafen. 
Das Gesetz für die Wiener Verkehrsanlagen brachte da zuerst Wandel, indem danach 
der Wiener Donaukanal vollkommen hochwassersicher in einen Handels-und Winterhafen um 
gewandelt werden sollte. Dieser gesetzgeberischen Schöpfung folgte im Jahre 1899 das Gesetz 
für die Vollendung und Ergänzung der Donauregulierung in Niederösterreich, wonach unter 
anderem für die Anlage eines Winterhafens in der Freudenau und eines Vorhafens in der 
Kuchelau Mittel bewilligt wurden. Alle diese genannten Schöpfungen sind nun teils bereits 
vollendet und ihrer Aufgabe zugeführt, teils steht ihre Vollendung in Bälde zu erwarten. 
a) Der Freudenauer Hafen 
liegt in dem Dreiecke zwischen dem Donaustrome, dem untersten Teile des Wiener Donau 
kanales und dem Freudenauer Wettrennplatze, und wurde hierzu ein Altarm der Donau verwendet. 
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Bereits bei der Ausführung des Donaudurchstiches in den Jahren 1870—1875 war da 
selbst die Anlage eines Hafens beabsichtigt und von dem damaligen Sektionsingenieur und 
jetzigen Hafenbaudirektor Hofrat S. Taussig eine Reihe von Projekten hierfür ausgearbeitet 
worden. Aber erst an der Wende dieses Jahrhunderts kam die Donauregulierungskommission in 
den Besitz der Mittel zur Durchführung dieses Werkes. Für die Anlage des Hafens in der 
Freudenau als eines den modernen Anforderungen entsprechenden Schutz- und Winterhafens 
waren 4 Millionen Kronen vorgesehen, und sollte dieser Hafen nach Maßgabe der Bedürfnisse 
aus den Einkünften des Donauregulierungsfonds sukzessive zu einem Handelshafen ausgestaltet 
werden (siehe Abb. 312 und 313).
	        
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