Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

332

Wasserbauten.

dieselbe.  Dazu  kam  noch  eine  beständige  Verunreinigung  des  Wienflusses  durch  die  vielen
Wäschereien,  Färbereien,  Gerbereien  und  anderen  Industrien  im  unteren  Teile  des  Flusses,
durch  die  Abwässer  der  Gasanstalt  in  Gaudenzdorf,  durch  die  vielen  unmittelbar  in  den  Fluß
einmündenden  Hauskanäle  in  den  ehemaligen  Vororten  und  endlich  durch  das  Einwerfen  von
Schutt  und  Abfällen.  Es  war  eine  allgemeine  Klage,  das  Wasser  des  Wienflusses  sei  im  unteren
Teile  des  letzteren  nicht  mehr  Flußwasser,  sondern  eine  von  animalischen  und  vegetabilischen
Abfällen  starrende  Jauche.  Diese  Übelstände  gaben  daher  schon  früh  Anlaß  zu  Entwürfen  für
ihre  Abstellung.
Der  erste  bekannte  Regulierungsentwurf  für  den  Wienfluß,  der  von  dem  Architekten  und
Statuarius  Wilhelm  Bayer  herrührt,  stammt  aus  dem  Jahre  1781.  Nachdem  der  „Magistrats-Sanitatis“
  Bock  das  Wohnen  am  Wienflusse  als  schädlich  erklärt  und  den  Ausdünstungen  des
Wassers  an  den  häufig  auftretenden  Fäulungsfiebern  und  epidemischen  Krankheiten  nicht  geringen ­
  Anteil  zugeschrieben  hatte,  strebte  Bayer  die  Verbesserung  dieser  Verhältnisse  durch
die  Erhaltung  einer  genügenden  gleichmäßigen  Wassermenge  im  Flusse  an;  zu  diesem  Zwecke
sollten  vier  Fischteiche  im  Kloster  Mauerbach  herangezogen  werden,  welche  nach  Bayers
Ansicht  hätten  hinreichen  sollen,  den  Fluß  mit  Wasser  zu  versehen;  um  das  Versickern  des
Wassers  im  Flußbette  zu  verhindern,  sollten  die  öden  Gründe,  welche  infolge  des  Umhauens
der  Auen  entstanden  waren,  wieder  angepflanzt,  sollte  die  Sandgewinnung  geregelt,  die  Schwellung
des  Flusses  durch  die  Fischer  vermieden,  auch  sollten  weiter  flußaufwärts  noch  Sammelbecken
angelegt  und  alle  Quellen  und  Gewässer  zusammengezogen  werden.  Aber  der  Entwurf  gelangte ­
  ebensowenig  zur  Ausführung  als
seine  zahlreichen  späteren  Nachfolger.
Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  diese  vielfach
hochinteressanten  Entwürfe  einzeln  vorzuführen ­
  und  zu  kennzeichnen,  und  so
sei  denn  nur  erwähnt,  daß  sie  von  verschiedenen ­
  Gesichtspunkten  ausgehen
und  danach  etwa  in  sechs  Gruppen
sich  gliedern  lassen,  von  denen  die  erste
alle  jene  Pläne  umfaßt,  welche  eine  vollständige ­
  Ableitung  des  Wienflusses  entweder ­
  gegen  Hetzendorf  in  den  Liesingbach ­
  oder,  gegen  Simmering  in  den
Donaukanal,  die  Verschüttung  oder  Überwölbung ­
  des  alten  Flußbettes  und  die
Benützung  des  dadurch  gewonnenen
Raumes  für  Straßen  und  Lokalbahnen
in  Aussicht  nehmen;  eine  zweite  Gruppe
von  Vorschlägen  betrifft  die  Einwölbung

GCrAUC  5-43  V..~

Abb.  333.  Längenprofil  der  Wasserhaltungen  am  Wienflusse.

oder  Überdeckung  des  Wienflusses
und  die  Benützung  des  so  gewonnenen ­
  oberen  Raumes  für
Bahnen,  Straßen  u.  dgl.  m.,  während ­
  sich  in  eine  weitere  Gruppe
die  Entwürfe  für  die  Anlage  von
Wientalbahnen  an  den  Böschungen
und  Ufern  unter  gleichzeitiger  Regulierung ­
  der  letzteren  vereinigen
lassen;  zur  vierten  Gruppe  können
jene  Entwürfe  gezählt  werden,
welche  die  Ansammlung  der  Niederschläge ­
  im  Wienflußgebiete  in  großen  Sammelbecken  und  die  Zuleitung  einer  gleichmäßigen
Wassermenge  zur  Bewässerung  des  Flusses  und  als  Nutzwasser  in  Vorschlag  bringen,  wobei
einige  dieser  Entwürfe  auch  die  Benützung  des  Flußbettes  für  Lokalbahnen  beabsichtigen;  eine
fünfte  Gruppe  beschränkt  sich  auf  die  bloße  Verbesserung  der  im  Wienflusse  herrschenden
Verhältnisse,  während  die  Entwürfe  der  sechsten  Gruppe  die  Einbeziehung  des  Wienflusses
in  die  Anlage  von  Schiffahrtskanälen  in  Aussicht  nehmen.  Ebensowenig  wie  in  eine  Beschreibung

rH'<i  I  i  i
Abb.  334.

4-fr

Umlaufgraben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.