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Geologisch« Beschaffenheit des Bodens.
Die Tegel dieser Stufe sind in den Inzersdorfer Ziegeleien in außerordentlicher Ausdehnung
aufgeschlossen. Wir treffen somit in den Ziegeleien der Umgebung Wiens drei verschiedenalterige
Tegel an: 1. mediterran: Tegel von Baden, Soos, Vöslau; 2. sarmatisch:
Nußdorf, Heiligenstadt, Hernals; 3. pontisch: Laa, Inzersdorf.
Die pontische Stufe gehört bereits dem Pliozän an.
Auf diese Ablagerungen folgen rostgelbe Quarzschotter, welche in früherer Zeit in zahlreichen
Gruben nächst dem Arsenal und Belvedere aufgeschlossen waren und darum den
Namen Belvedereschotter erhalten haben; es sind die Schotter eines mächtigen Flusses,
welcher in der Pliozänzeit das Wiener Becken durchzog.
Dr. F. X. Schaffer hat vor kurzem mitgeteilt, daß der Belvedereschotter zwei verschiedenartige
Schotterbildungen umfaßt, den Arsenalschotter und den Laaerbergschotter;
alle in den dem Belvedereschotter untergeordneten Sanden aufgefundenen Säugetierreste sollen
den Kongerienschichten angehören, welche sowohl vom Arsenalschotter wie vom Laaerbergschotter
durch eine Diskordanz getrennt sind. 1 )
Während sich die Meeresfauna der sarmatischen Stufe von der mediterranen in der
oben geschilderten Weise unterscheidet, vollzieht sich die Veränderung der Säugetierwelt, die
an den Ufern dieser Wasserbecken lebte, in ganz verschiedener Weise. Die Säugetiere der
mediterranen und sarmatischen Stufe sind dieselben und erst in der pontischen Stufe, sowohl
in den Kongerienschichten wie im hangenden rostgelben Quarzschotter des Marchfeldes, sind
die Reste einer neuen Fauna begraben.
Ein reiches Tierleben herrschte zur Zeit der ersten Säugetierfauna an den Ufern des
Wiener Beckens. Menschenaffen (Dryopithecus Darwini und Griphopithecus Suessi), große Dickhäuter
(Mastodon angustidens, M. tapiroides, Dinotherium Cuvieri), Nashörner (Rhinoceros
austriacus, Rh. sansaniensis), Pferde (Anchitherium aurelianense), Schvceine, Hirsche und Zibetkatzen
bevölkerten die Ufer, während sich im Meere Bartenwale, Delphine (Acrodelphis
Letochae, Cyrtodelphis sulcatus), Seehunde (Phoca vindobonensis) und Seekühe (Metaxytherium
Petersi) tummelten; häufig finden sich die Panzer großer Schildkröten.
Der zweiten Säugetierfauna aus den Kongerienschichten und den Belvedereschottern
gehören ebenfalls große Dickhäuter an (Mastodon arvernensis, M. longirostris, M. Borsoni,
M. Pentelici, Dinotherium laevius, D. giganteum), es tritt das Teleoceras Goldfussi und Aceratherium
incisivum auf, es erscheint das zierliche Hipparion gracile; daneben finden sich die
Reste von Stachelschweinen, Tapiren, Tigern, Hyänen, Bibern, Schweinen und Reste eines
giraffenähnlichen Säugetieres.
Die nächstfolgenden jüngeren Bildungen gehören bereits der Eiszeit oder dem Pleistozän
an. Sie bestehen aus Schottern oder in Sümpfen abgelagerten Tonen mit Sumpfmoosen (Ziegelei
von Heiligenstadt), vor allem aber aus dem bezeichnendsten Gestein dieser Periode, dem
Löß. Der Löß oder der „leichte Grund“ ist ein braungelber, ungeschichteter Lehm, welcher die
Eigentümlichkeit besitzt, sich nicht sanft abzuböschen, sondern in steilen Wänden stehen
zu bleiben. Die auf Löß stehenden Weingärten der Gegend von Krems und am Wagram
bilden typische Beispiele für eine Lößlandschaft, eine Wiederholung der großartigen Lößgegenden
Chinas in kleinem Maßstabe.
Zu dieser Zeit lebte im Gebiete von Wien eine Säugetierfauna, welche vor allem durch
das Mammut (Elephas primigenius), das wollhaarige Nashorn (Rhinoceros tichorhinus), den
Höhlenbär (Ursus spelaeus), die Höhlenhyäne (Hyaena crocuta), einen Wolf (Lupus Suessi),
den Riesenhirsch, das Ren u. s. w. charakterisiert ist. Dem Funde eines Mammutknochens,
welche sich neben Zähnen dieses Tieres im Lößboden der Stadt nicht selten finden, verdankt
auch wahrscheinlich das Riesentor der Stephanskirche seinen Namen; das geologische Institut
der Universität bewahrt einen Oberschenkelknochen des Mammut 2 ), auf dessen einer Fläche
der Wahlspruch Kaiser Friedrichs III. (A. E. I. O. V.) in einem Schriftbande aufgemalt ist,
während die andere Seite die Jahreszahl 1443 trägt. Im nachfolgenden Jahre wurde der erste
Grund zu dem unausgebauten Turm der Stephanskirche gelegt, und es ist wahrscheinlich, daß
’) F. X. Schaffer, Die alten Flußterrassen im Gemeindegebiete der Stadt Wien. Mitteilungen der k. k. Geographischen Gesellschaft.
Wien 1902. — Derselbe, Geologie von Wien. I. Teil (mit geologischer Karte). Wien 1904. — R. Hoernes, Bau und
Bild der Ebenen Österreichs. Wien und Leipzig 1903, S. 992ff. — Derselbe, Belvederefauna und Arsenalterrasse. Verhandlungen
der k. k. Geologischen Reichsanstalt. 1904, Nr. 4. — F. X. Schaffer, Zur Frage der alten Flußterrassen in Wien. Mitteilungen der
k. k. Geographischen Gesellschaft. Wien 1904, S. 91.
2 ) E. Suess, Der Boden der Stadt Wien nach seiner Bildungsweise, Beschaffenheit und seinen Beziehungen zum bürgerlichen
Leben. Wien 1862, S. 138, Abb. 18. — Derselbe, Der Boden der Stadt und sein Relief. Geschichte der Stadt Wien. Herausgegeben
vom Altertumsvereine zu Wien. 1897, Bd. I, S. 13, Abb. 9 und 10.