Stadtentwicklung.
53
(St. Stephan.)
Abb. 7b. Wien im 16. Jahrhundert. Nach H. S. Lautensack.
(Rechte Hälfte.)
(Stubenbrücke.)
gasse bis zum Graben und zur Freiung), eine Judenstadt (Umgebung des Judenplatzes) und
eine Bürgerstadt (alle übrigen Teile) zerfällt. Die Schaffung des Hof- und Adelsviertels vollzog
sich im 14., die Vollendung des Werkes in der um die Judenstadt vergrößerten Bürgerstadt
im 15. Jahrhunderte. Dadurch erhielten die Straßen und Plätze der Innern Stadt jenes
charakteristische Gepräge, das, trotzdem seither fast alle ihre Häuser zum Umbau gelangten
und auch in den Baufluchten vieles verändert wurde, größtenteils heute noch erkennbar ist.
Die Stadtbefestigung bestand zuerst „aus der der Hauptsache nach von Leopold VI.
angelegten und von Ottokar instand gesetzten, ziemlich kreisrunden Ringmauer mit vorliegendem
Graben, welche sich eng an das Stadtgebiet anschloß, und in welche als Stützpunkte der
Verteidigung eine Anzahl von die Mauern überhöhenden Türmen (19) eingefügt waren, die sich
insbesondere an der Nordseite — an der Donau — enger aneinanderreihten, während sie
an den übrigen Teilen verhältnismäßig weit voneinander abstanden (siehe Abb. 6, S. 50). Die Vervollkommnung
der Feuerwaffen veranlaßte sodann, daß an einzelnen wichtigen Punkten starke
Mauerwerksbauten aufgeführt wurden, welche, mit Geschützen armiert, das anschließende
Gebiet beschützten“ (A. Kutzlnigg).
Außerhalb der Stadt, die nur durch sechs „Burgtore“ (Burg = befestigter Ort) zugänglich
war, erlangten im Laufe des 15. Jahrhunderts die Vorstädte eine immer steigende Bedeutung.
Sie schlossen sich unmittelbar an die Stadtbefestigung an und erstreckten sich, nur teilweise in
das Terrain jener Stadtbezirke eingreifend, die heute die Innere Stadt umgeben, im allgemeinen
auf das Gelände, auf welchem die Stadterweiterung in der zweiten Hälfte des verflossenen
Jahrhunderts angelegt wurde. Diese alten Vorstädte waren mit Gräben und lebenden Zäunen
eingefaßt, die nur an einigen, fortifikatorisch besonders wichtigen Punkten durch feste Bastionen
mit Verteidigungstürmen geschützt waren. Keine dieser Bastionen erhielt sich über die Zeit der
ersten Türkenbelagerung (1529); sie wurden ohne Schwertstreich geräumt und gingen gleichzeitig
mit den Vorstädten zugrunde.
Von architektonischen Denkmalen aus der Frühzeit des Mittelalters haben sich in
Wien nur spärliche Reste erhalten, ja, der eigentliche romanische Stil ist hier gar nicht
vertreten. Die ältesten erhaltenen Teile der Stephanskirche, ihre Hauptfassade mit dem „Riesentor“
und den „Heidentürmen“, gehören bereits dem Übergangsstile von der romanischen
zur gotischen Bauweise an, demselben Stil, den auch Teile des Innern und der Querschifffassaden
der Michaelerkirchc aufweisen. Reicher ist die Stadt an gotischen Bauten. Hierher
gehört der Chor der Stephanskirche, ihr großartiges Langhaus und der herrliche „Stephansturm“,
das Wahrzeichen Wiens; die Kirche Maria am Gestade, diese Perle phantasievoller Spätgotik;
ferner die nachher mehr oder minder veränderten Kirchen: die Michaeler-, Augustiner- und
Ruprechtskirche, die Kirche der Neun Chöre der Engel am Hof, die Salvatorkapelle im Alten