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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

Stadtentwicklung.

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(St.  Stephan.)

Abb.  7b.  Wien  im  16.  Jahrhundert.  Nach  H.  S.  Lautensack.
(Rechte  Hälfte.)

(Stubenbrücke.)

gasse  bis  zum  Graben  und  zur  Freiung),  eine  Judenstadt  (Umgebung  des  Judenplatzes)  und
eine  Bürgerstadt  (alle  übrigen  Teile)  zerfällt.  Die  Schaffung  des  Hof-  und  Adelsviertels  vollzog
sich  im  14.,  die  Vollendung  des  Werkes  in  der  um  die  Judenstadt  vergrößerten  Bürgerstadt
im  15.  Jahrhunderte.  Dadurch  erhielten  die  Straßen  und  Plätze  der  Innern  Stadt  jenes
charakteristische  Gepräge,  das,  trotzdem  seither  fast  alle  ihre  Häuser  zum  Umbau  gelangten
und  auch  in  den  Baufluchten  vieles  verändert  wurde,  größtenteils  heute  noch  erkennbar  ist.
Die  Stadtbefestigung  bestand  zuerst  „aus  der  der  Hauptsache  nach  von  Leopold  VI.
angelegten  und  von  Ottokar  instand  gesetzten,  ziemlich  kreisrunden  Ringmauer  mit  vorliegendem ­
  Graben,  welche  sich  eng  an  das  Stadtgebiet  anschloß,  und  in  welche  als  Stützpunkte  der
Verteidigung  eine  Anzahl  von  die  Mauern  überhöhenden  Türmen  (19)  eingefügt  waren,  die  sich
insbesondere  an  der  Nordseite  —  an  der  Donau  —  enger  aneinanderreihten,  während  sie
an  den  übrigen  Teilen  verhältnismäßig  weit  voneinander  abstanden  (siehe  Abb.  6,  S.  50).  Die  Vervollkommnung ­
  der  Feuerwaffen  veranlaßte  sodann,  daß  an  einzelnen  wichtigen  Punkten  starke
Mauerwerksbauten  aufgeführt  wurden,  welche,  mit  Geschützen  armiert,  das  anschließende
Gebiet  beschützten“  (A.  Kutzlnigg).
Außerhalb  der  Stadt,  die  nur  durch  sechs  „Burgtore“  (Burg  =  befestigter  Ort)  zugänglich
war,  erlangten  im  Laufe  des  15.  Jahrhunderts  die  Vorstädte  eine  immer  steigende  Bedeutung.
Sie  schlossen  sich  unmittelbar  an  die  Stadtbefestigung  an  und  erstreckten  sich,  nur  teilweise  in
das  Terrain  jener  Stadtbezirke  eingreifend,  die  heute  die  Innere  Stadt  umgeben,  im  allgemeinen ­
  auf  das  Gelände,  auf  welchem  die  Stadterweiterung  in  der  zweiten  Hälfte  des  verflossenen
Jahrhunderts  angelegt  wurde.  Diese  alten  Vorstädte  waren  mit  Gräben  und  lebenden  Zäunen
eingefaßt,  die  nur  an  einigen,  fortifikatorisch  besonders  wichtigen  Punkten  durch  feste  Bastionen
mit  Verteidigungstürmen  geschützt  waren.  Keine  dieser  Bastionen  erhielt  sich  über  die  Zeit  der
ersten  Türkenbelagerung  (1529);  sie  wurden  ohne  Schwertstreich  geräumt  und  gingen  gleichzeitig ­
  mit  den  Vorstädten  zugrunde.

Von  architektonischen  Denkmalen  aus  der  Frühzeit  des  Mittelalters  haben  sich  in
Wien  nur  spärliche  Reste  erhalten,  ja,  der  eigentliche  romanische  Stil  ist  hier  gar  nicht
vertreten.  Die  ältesten  erhaltenen  Teile  der  Stephanskirche,  ihre  Hauptfassade  mit  dem  „Riesentor“ ­
  und  den  „Heidentürmen“,  gehören  bereits  dem  Übergangsstile  von  der  romanischen
zur  gotischen  Bauweise  an,  demselben  Stil,  den  auch  Teile  des  Innern  und  der  Querschifffassaden ­
  der  Michaelerkirchc  aufweisen.  Reicher  ist  die  Stadt  an  gotischen  Bauten.  Hierher
gehört  der  Chor  der  Stephanskirche,  ihr  großartiges  Langhaus  und  der  herrliche  „Stephansturm“,
das  Wahrzeichen  Wiens;  die  Kirche  Maria  am  Gestade,  diese  Perle  phantasievoller  Spätgotik;
ferner  die  nachher  mehr  oder  minder  veränderten  Kirchen:  die  Michaeler-,  Augustiner-  und
Ruprechtskirche,  die  Kirche  der  Neun  Chöre  der  Engel  am  Hof,  die  Salvatorkapelle  im  Alten
            
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