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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Katholische Kirchen des 19. und 20. Jahrhunderts. 
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in Venedig und St. Antonius in Padua anknüpfend. Die Hauptfront zeigt 
eine große, zweigeschossige, offene Vorhalle und zwei kampanileartige 
Flankierungstürme. Neben dem Presbyterium liegt einerseits die Trau- und 
Taufkapelle, anderseits die Sakristei. Ziegelfugenbau mit sparsamer Werk 
steingliederung; die außen 52-5 m hohe Vierungskuppel und die Türme sind 
mit Kupfer eingedeckt. Der Innenraum ist stark farbig gehalten, Wände 
und Pfeiler mit Stucco lustro überzogen, die Gewölbeflächen mit Malereien 
auf Goldgrund geschmückt. Größte Länge 64 - 9 m, größte Breite 42'3 m. 
Auch die im Bau begriffene 
Pfarrkirche in Floridsdorf 
wird nach den Entwürfen des kürzlich verstorbenen Baurates Franz 
von Neumann ausgeführt. Eine dreischiffige, querschifflose Hallenkirche mit 
sehr tiefem, 6 /i 0 geschlossenem Chor, Sakristei und Taufkapelle zu beiden 
Seiten desselben und mächtigem Frontalturm über einer offenen Vorhalle 
der Hauptfassade. 
Von dem jüngeren Bruder des Vorgenannten, dem Architekten Gustav 
von Neumann, gleichfalls einem Schüler Schmidts, wurde die 
Canisiuskirche (Abb. 115, 132) 
(IX., Lustkandlgasse) 1899—1903 erbaut. Einschiffige Gewölbkirche mit 
schmäleren, halbrund geschlossenen, kurzen Kreuzarmen, tiefem, ins Kirchen 
innere einbezogenem, beiderseits je drei Kapellen bildendem Strebesystem, 
halbkreisförmiger Apsis und Chorumgang; dreitürige Vorhalle zwischen 
zwei 85 m hohen Frontaltürmen. Unter dem Chor und Kreuzschiff eine sehr 
große Unterkirche. Das Kreuzmittel wird durch einen dachreiterartigen 
Vierungsturm markiert. Das Äußere ist reich silhouettiert und gruppiert, 
Steinbau mit bunten Ziegeldächern in den Formen des rheinischen Übergangsstiles. Größte 
Länge 60 m, größte Breite 22 m. Baukosten 800.000 K. 
Von demselben Künstler rührt auch der Entwurf zur Allerseelenkapelle in Währing 
(Hauskapelle der Soeurs Auxiliatrices der armen Seelen, XVIII., Martinstraße 81) und zu der 
noch im Bau befindlichen Herz Jesu-Kirche mit Nonnenkloster im III. Bezirke her. 
Außerhalb dieser von Schmidt und seinen Schülern erbauten Gruppe von Kirchen 
steht die 
Elisabethkirche (Abb. 133) 1 ), 
am Karolinenplatz im IV. Bezirke, 1860—1866 vom Oberbaurate im Ministerium des Innern 
J. Bergmann erbaut, eine dreischiffige, kreuzförmige Hallenkirche mit überhöhtem Mittel- und 
Querschiff, polygonal geschlossenem Chor und einem massigen, 66’3 m hohen Frontalturm 
auf quadratischer Basis. Ziegelfugenbau mit teilweiser Verwendung von Haustein. Größte 
Länge 64'5 m, größte Breite 28'9 m, Mittelschiffhöhe 19 m. Baukosten 800.000 K. 
Von demselben Architekten wurde auch die ältere 
Pfarrkirche in Favoriten, 
Keplerplatz, erbaut. Dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit gewölbten Kreuzflügeln und 
Seitenschiffen, gerader Decke im Mittelschiff und zwei Türmen zu beiden Seiten des Presby 
teriums. Putzbau in einfachen, etwas trockenen Renaissanceformen, mit allen Merkmalen einer 
allzuweit getriebenen Bauökonomie. 
J ) K. Weiß, Alt- und Neu-Wien. E. Winkler, Technischer Führer durch Wien. 
f 
Abb. 133. Elisabethkirche. 
Max von Ferstel.
	        
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