MAK

Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

112 
Gebäude für den kaiserlichen Hof. 
notwendig wurde. Dies ausnützend, wurden doppelte Kelleranlagen ausgeführt und der zweite 
Keller insbesondere für die ausgedehnte Heizungs- und Ventilationsanlage in Anspruch ge 
nommen, während der erste Keller durch seine günstigen Beleuchtungsverhältnisse zu Nutz 
räumen verschiedener Art bestimmt wurde. 
Der beigegebene Plan des ersten Stockwerkes zeigt die Anordnung der Räumlichkeiten, wie 
sie bei Beginn des Baues vorgesehen war. Der an die alte Burg anschließende Teil sollte den 
Speisesaal mit ausgedehnten Neben 
räumlichkeiten sowie die Audienzsäle 
Sr. Majestät enthalten. — Daran an 
schließend, reihen sich, dem Kaiser 
garten zugewendet, die Wohn- und 
Schlafräume Sr. Majestät des Kaisers 
und vermitteln einige gemeinsame 
Salons die Verbindung mit den Wohn- 
und Schlafräumen Ihrer Majestät der 
Kaiserin, ln den durch den Korridor 
getrennten rückwärtigen Räumen die 
ses Traktes befinden sich die erfor 
derlichen Diensträume. Daran fügt 
sich der quadratische Anbau gegen 
die Ringstraße (Corps de logis ge 
nannt), in welchem sich kleinere und größere Festsäle für Zwecke von Empfängen und 
intimen Festen respektive Bällen befinden. Der mit Glas überdeckte Arkadenhof mit einer 
offenen Stiegenanlage, um den sich die vorbeschriebenen Räume gruppieren, und der durch 
alle Stockwerke reicht, wird ein mannigfaches und reiches Architekturbild bieten. 
Gegen den Kaisergarten projektierte Hasenauer in Mitte des Gebäudes die Anlage einer 
großen Freitreppe, welche vom ersten Stockwerke in den Garten führen sollte; von dieser wurde 
jedoch später wegen der großen Niveaudifferenzen abgesehen. Als Hasenauer am 4. Jänner 
1894 starb, war der Bau so weit gediehen, daß er bis auf den Mittelbau unter Dach gebracht 
war, auch ’die figurale Ausstattung der Fassaden war bestimmt und konnte sonach fertig 
gestellt werden. Durch den Hingang des leitenden Architekten trat in der Fortführung der 
Arbeiten keine Stockung ein. Es wurde im Sinne Hasenauers weitergearbeitet, jedoch konnten 
über die innere Einteilung des im Rohen fertiggestellten Baues keine definitiven Beschlüsse 
gefaßt werden, da neue Bedürfnisse sich geltend machten. Das Hauptaugenmerk wurde 
der völligen Herstellung der Außenerscheinung zugewendet. Der figuralen Ausschmückung 
Abb. 182. Zierbassin im Belvederegarten. 
der Fassaden lag ein reiches Programm zugrunde, nach welchem teils die Herrscher- und 
Bürgertugenden versinnbildlicht, teils die Entwicklungsgeschichte der Monarchie, sowie die 
Hauptstämme ihrer Bewohner zur Darstellung gebracht werden. 
An der Herstellung der zahlreichen Standbilder waren die folgenden Bildhauer tätig: 
Benk, Tilgner, Weyr, Scherpe, Hellmer, Lax, Kundmann, A. Wagner, von Hofmann, Bitterlich, 
Swoboda,* Schimkowitz, Heyda, Härdtl, Schmiedgruber, Silbernagel, Kalmsteiner, Düll, Sterrer,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.