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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Abb. 194. Giebelverzierung des Laurenzergebäudes, I., Fleischmarkt. 
C. VERWALTUNGSGEBÄUDE. 
I. GEBÄUDE DER R E 1 C H S V E R WA L T U N G. 
K. u. k. Ministerium des Äußern, I., Ballplatz. 
Das Gebäude des heutigen auswärtigen Amtes wurde für die bis dahin in einem Hof 
burgtrakte untergebrachte „Geheimbe Hofkanzlei“ im Jahre 1716 angefangen und im Jahre 
1721 zur Vollendung gebracht. Der Bau dürfte jedoch seinem Zwecke nicht entsprochen 
haben, da man schon in verhältnismäßig kurzer Zeit, um das Jahr 1766, wieder daran ging, 
unter der Leitung des Hofarchitekten Paccassi bedeutende Erweiterungen vorzunehmen, wie 
die über dem Haupttor angebrachte Inschrift nachweist. 
Als im Jahre 1749 die Kaiserin Maria Theresia die bisherige österreichische und böhmische 
Hofkanzlei aufhob und zu einem Direktorium als oberster Verwaltungsbehörde für die beiden 
Ländergruppen vereinigte, wurde dieses Direktorium in dem Gebäude der bisherigen böhmischen 
Hofkanzlei am Judenplatze (dem heutigen Ministerium des Innern) untergebracht, während das 
Haus auf dem Ballplatze der Staatskanzlei (nachher Auswärtiges Amt) zu alleiniger Benützung 
verblieb. Das Gebäude erwies sich für die Bedürfnisse des Auswärtigen Amtes immer mehr und 
mehr ungeeignet; es wurde deshalb in den Jahren 1881/82 an Stelle des angrenzenden 
Landesgerichtsgebäudes ein Zubau an der Ecke der Löwelstraße und Metastasiogasse aufgeführt. 
Durch den Neubau des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchives, welches dem Gebäude 
des Auswärtigen Amtes angegliedert wurde, und durch umfangreiche Adaptierungen in seinen 
alten Teilen hat das Gebäude nunmehr seinen einheitlichen Charakter gewonnen und bildet 
heute einen mächtigen geschlossenen Komplex, welcher vom Ballplatze, der Löwelstraße, der 
Metastasiogasse und dem Minoritenplatze begrenzt wird. 
Das k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv, I., Minoritenplatz (Abb. 195 bis 197), 
welches dem Ministerium des Äußern untersteht und auch räumlich mit demselben in Zu 
sammenhang steht, ist in dem in den Jahren 1900—1902 errichteten Neubau untergebracht. 
Die Anfertigung des Detailprojektes — auf Grund des vom Baurate Pokorny ausge 
arbeiteten Programmes — und die Bauleitung war ursprünglich dem Architekten und k. k. Bau 
rate Otto Hofer anvertraut und nach dem frühzeitigen Tode desselben wurde Oberingenieur 
Holzeland mit der Vollendung des Baues betraut. Das Archivgebäude erhebt sich auf einem 
trapezförmigen Grundstück von 61 m verglichener Länge und bildet mit dem Ministerium des 
Äußern ein geschlossenes Ganzes. Die Gebäudehöhe beträgt verglichen 2L50m bis zur Haupt 
gesimskante und 28'80 m bis zum First. An der Hauptfront gegenüber der Minoritenkirche besitzt
	        
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