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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

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Verwaltungsgebäude. 
von Questenberg an Stelle dreier älterer Häuser, 
von denen zwei schon im Jahre 1684 dessen 
Vorfahre Johann Anton Freiherr von Questen 
berg besessen hatte, nach 1690 erbaut. 1 ) Im 
Jahre 1775 kaufte es Dominik Graf von Kaunitz, 
worauf es irn Jahre 1810 in den Besitz des 
Staates überging. Ursprünglich Amtsgebäude 
der k. k. allgemeinen Hofkammer ist es heute 
hauptsächlich Sitz des k. u. k. Reichsfinanz-Mini 
steriums (zugleich Zentralstelle der Verwaltung 
von Bosnien und Herzegowina) und einiger 
Abteilungen der Zentralleitung des k. k. Finanz- 
Ministeriums. 
Der Erbauer des Palastes ist nicht bekannt, 
doch weisen einzelne Eigentümlichkeiten in der 
Abb. 200. Gemeinsanier oberster Rechnungshof. Hof, Durchbildung der Fassade auf Verwandtschaft mit 
I., Herrengasse 23. , „ • • • i-. ^ 
den Prinzipien Fischers von Erlach hin. Die 
Einfahrtshallen sind durch geschmackvolle Bild 
hauerarbeiten geziert. Die Hauptstiege ist künstlerisch ausgestaltet und ruht auf Steinsäulen mit 
Schwanenhalsbögen, die Stiegenarme besitzen reich verzierte, steinerne Geländer und Unter 
wölbungen, welche in der Untersicht mit Bildhauerarbeit bedeckt sind. 2 ) 
Im Inneren des Palastes sind die im zweiten 
Stocke gelegenen, vornehm ausgestatteten Reprä 
sentationsräume hervorzuheben, welche mit vor 
züglichen Gemälden (im Geschmacke der italieni 
schen Schule am Ende des 17. Jahrhunderts) ge 
schmückte Stukkodecken besitzen. Die reichste 
Ausstattung unter diesen Räumen weist der ehe 
malige Bibliotheks- und gegenwärtige Speisesaal 
auf, dessen al fresco (vermutlich von Chiarini) 
gemalte Decke mit allegorischen Figuren geziert 
ist. Die Wände dieses Saales besitzen Felder 
mit freskoartig gemalter Marmorimitation, außer 
dem fünf mit Spiegelglastüren versehene Nischen, 
wodurch beim Beschauer die optische Täuschung 
einer Verbreiterung des nicht sehr breiten Saales 
hervorgerufen wird. Die Decke eines Zimmers 
ist mit wertvollen Kartons von Kuppelwieser 
geschmückt. Im Jahre 1891 wurde die schad 
hafte Decke des zweiten Stockes in den gassen 
seitig gelegenen Räumen durch Einfügung einer 
Eisenkonstruktion mit Wellblechen entlastet, so 
daß die Auswechslung der Dippelbäume, durch 
welche Arbeit die kostbaren Deckengemälde 
sehr gefährdet worden wären, vermieden werden 
konnte. Meixner u. Ander!e. 
Gemeinsamer Oberster Rechnungshof, 
I., Herrengasse 23 (Abb. 200, 201). 
Das Gebäude wurde im Jahre 1750 seitens 
der Regierung von den Erben der Fürsten von 
Portia angekauft, sodann umgebaut und diente 
seither zu verschiedenen amtlichen Zwecken. Im 
Abb. 201. Gemeinsamer Oberster Rechnungshof. Portal, 
I., Herrengasse 23. 
J ) Siehe: Schimmers Häuserchronik, Nr. 971. 
' l ) Eine Abbildung des Palastes von dem berühmten Zeichner 
der Denkmäler des Wiener Barockstiles J. Kleiner, gestochen von 
A. Corvinus, wurde in dem Werke Pfeffels und eine weitere 
Aufnahme in den Prospekten des J. B. Fischer von Erlach, ge 
zeichnet von dessen Sohn, veröffentlicht.
	        
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