Gebäude der Reichsverwaltung.
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Das Ministerium für Kultus und Unterricht, I., Minoritenplatz 7 (Abb. 210),
ist in dem ehemals Fürst Starhembergschen Palais untergebracht, welches 1683 im Barockstil
erbaut wurde.
Handels-Ministerium (Barbarastift), I., Postgasse 8.
Dieses Gebäude war ursprünglich ein Konvikt des Jesuitenordens und wurde bereits
im Jahre 1554 dem Orden zu Studienzwecken übergeben. 1580 war das Konvikt auch Sitz
der Bruderschaft zur heiligen Barbara. Im Jahre 1572 wurde die noch heute bestehende
hübsche Kirche St. Barbara erbaut; das Konvikt wurde im Jahre 1773 aufgehoben und die
nun verwaiste Kirche im Jahre 1775 den unierten (katholischen) Griechen, denen schon
Leopold I. seinen Schutz angedeihen ließ, zum Gottesdienste überlassen. 1 )
ln den Jahren 1784—1797 war das ehemalige Konvikt Sitz der Theresianischen
Akademie, worauf dieselbe in das von ihr noch heute benützte Gebäude auf der Wieden
übersiedelte. In späterer Zeit Sitz der obersten Hofpostverwaltung wurde das Gebäude im
Jahre 1852 nach den Plänen des Hofbaurates Sprenger umgebaut; gegenwärtig wird dasselbe
vom k. k. Handels-Ministerium als Amtsgebäude benützt. Die Fassaden und Innenräume bieten
nichts Bemerkenswertes. Josef Meixner.
Ackerbau-Ministerium, I., Liebiggasse 5.
Dieses in den Jahren 1882—1883 nach den Plänen des k. k. Oberbaurates Emanuel
von Trojan in Bauformen der Renaissance, ohne dekorative Überladung errichtete Gebäude
ist bisher das einzige für ein k. k. Ministerium eigens erbaute , neuere Amtsgebäude
in Wien. 2 ) Das Haus, aus Souterrain, Hochparterre und drei Stockwerken bestehend, mit
drei Gassenfronten, bedeckt eine Fläche von etwa 1758 m 2 . Das benachbarte Gebäude
1., Ebendorferstraße Nr. 7 wurde in denselben Jahren wie das vorige von den Architekten
Ferstel und Köchlin für einen Privaten als Zinshaus im Renaissancestil gebaut und im Jahre
1894 seitens des Ärars vorwiegend für Zwecke des Ackerbau-Ministeriums angekauft; es
befindet sich darin neben Bureauräumen dieses Ministeriums die Amtswohnung des Ackerbau-Ministers.
Das Haus besitzt eine Fläche von etwa 994 m 2 . Mit dem Hause 1., Liebiggasse 5
wurde es seither in jedem Geschosse in Verbindung gebracht. Karl Wopelka.
Das Parlamentsgebäude (Abb. 211 bis 213 und Tafel X).
Nachdem Theophil von Hansen als Sieger aus dem Wettbewerb für die Erbauung eines
neuen Parlamentsgebäudes hervorgegangen war, wurde demselben von dem Ministerium des
Innern die Bauausführung übertragen und der Bau im Juni 1874 begonnen. Das Gebäude bedeckt
eine Fläche von 162 m Länge und 140 m Tiefe, dessen längere Front gegen die Ringstraße gerichtet
ist. Der im Geiste und in den Formen der griechischen Antike erbaute Palast ist außen in
harmonischer Weise mit Plastiken und Malereien geschmückt und zeigt insbesondere gegen
die Ringstraße eine reichhaltige Gliederung. Der in der Mitte hoch aufstrebende gewaltige
Portikus ist rechts und links von Flügelbauten von klassischer Einfachheit flankiert, welche
mit vorspringenden Eckpavillons abschließen.
Vor der Rampe inmitten einer Blumenanlage befindet sich der herrliche Monumentalbrunnen
mit der Pallas Athene als Hauptfigur. Links und rechts von dem Brunnen erheben
sich aus reichen Bronzesockeln, welche mit den Wappen der Kronländer geschmückt sind,
zwei mit Doppeladler gekrönte Flaggenmaste aus Stahlblech von 22 m Höhe. Die Rampenflügel
gegen die Ringstraße sind mit vier auf hohen Granitpostamenten stehenden Pferdebändigern
aus Bronzeguß geziert, während die Rampenmauer mit acht Statuen von Geschichtschreibern
geschmückt ist, und zwar: rechts vorne Titus Livius und Sallustius, dann Julius
Cäsar und Tacitus, links vorne Thukydides und Polybius, dann Xenophon und Herodot.
ln der Gruppe des Giebels des Mittelbaues, ebenfalls aus Laaser Marmor ausgeführt, ist
dargestellt, wie Seine Majestät der Kaiser auf Grund der von ihm verliehenen Verfassung die
17 Kronländer zur Gesetzgebung und Beratung um sich versammelt. Der kleine Giebel links
enthält die Gruppe „Justiz“ und der rechts „Innere Verwaltung“. An den vier Ecken der
! ) Siehe Kirchenbauten.
*) Allgemeine Bauzeitung. 1886.
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