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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

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Gebäude  für  Bildung  und  Unterricht.

Heinr.  von  Ferstel  begonnen  und  im  Oktober  1877  der  Benützung  übergeben.  Der  gesamte
Kostenaufwand  belief  sich  auf  927.000  K.
Das  Gebäude  steht  mit  seiner  Fassade  in  der  Flucht  des  Museums  und  wird  mit  demselben ­
  durch  einen  23  m  langen  Gang  verbunden.  Diesen  schmückt  gegen  die  Ringstraße  zu
ein  Zierbrunnen  mit  darüber  befindlichem  Mosaikgemälde  von  Salviatti  in  Venedig  nach  einem
Karton  von  F.  Laufberger,  das  ursprünglich  für  die  Wiener  Weltausstellung  1873  hergestellt
worden  war.  Die  Tiefe  des  Schulgebäudes  beträgt  40  m,  die  Länge  65  m.  Ftierdurch  war  die
Anlage  zweier  Höfe  bedingt,  zwischen  welchen  die  Treppe  liegt.  An  der  Nordseite  befinden
sich  nach  der  ursprünglichen  Anordnung  die  Malschulen,  dem  Modellsaal  wurde  ein  Oberlichtraum ­
  angewiesen,  die  Bildhauerschulen  und  Verwandtes  sowie  der  Vortragssaal  im  Parterre ­
  untergebracht.  Die  Ateliers  der  Professoren  und  Lehrer  sind  stets  mit  den  betreffenden
Schulen  verbunden.  So  wie  das  Museum  ist  auch  die  Kunstgewerbeschule  mit  Zugrundelegung
der  architektonischen  und  ornamentalen  Motive  der  italienischen  Renaissance  durchgeführt.  Der
Bau  ist  durchwegs  dreigeschossig  mit  schwach  hervortretendem  Mittelrisalit.  Die  Höhe  des
Hauptgesimses  korrespondiert  mit  der  des  Museums.  Die  Profilierungen  sind  jedoch  durchwegs ­
  zarter  und  schwächer.  Mit  Ausnahme  des  Steinsockels  ist  das  Äußere  ganz  in  Ziegelrohbau
unter  Mitverwendung  von  Reliefverzierungen  und  Majolikaplatten  im  Friese  und  bei  den  Fensterumrahmungen ­
  aus  der  Wienerberger  Tonwarenfabrik  ausgeführt.  Überdies  kamen  im  Hauptgeschosse ­
  des  Mittelbaues  vier  Fayencemedaillons  mit  weiblichen  Idealköpfen  von  F.  Laufberger
in  kartuschenartiger  Umrahmung  zur  Verwendung.
Literatur.
Förster,  Allgemeine  Bauzeitung.  Jahrgänge  1871  und  1881.  Das  k.  k.  österreichische  Museum  und  die  Kunstgewerbeschule.
Festschrift  bei  Gelegenheit  der  Weltausstellung  in  Wien  im  Mai  1873.  Wien  1873,  Verlag  des  österreichischen  Museums.  Prof.  Dr.  E.
Winkler,  Technischer  Führer  durch  Wien.  Eitelberger  Ritter  von  Edelberg,  Gesammelte  kunsthistorische  Schriften.  Wien,
Wilh.  Braumüller,  1879,  II.  Zentralblatt  für  das  gewerbliche  Unterrichtswesen  in  Österreich.  Wien,  A.  Holder,  1885,  Bd.  IV.
Das  österreichische  Museum  für  Kunst  und  Industrie.  Ein  Rückblick  auf  seine  Geschichte.  Zur  Erinnerung  an  den  25.  Jahrestag
seiner  Gründung.  Herausgegeben  von  der  Direktion.  Wien,  Verlag  des  k.  k.  österreichischen  Museums,  1889.
Jos.  Folnesics.

II.  HOCHSCHULEN  UND  WISSENSCHAFTLICHE  INSTITUTE.

Akademie  der  Wissenschaften  (Alte  Aula),  I.,  Universitätsplatz  (Abb.  269,  270).
Das  heutige  Gebäude  der  Akademie  der  Wissenschaften  war  seiner  ursprünglichen  Bestimmung  nach
Universitätsgebäude  und  diente  bis  zum  Jahre  1857  als  Aula  der  von  Herzog  Rudolf  IV.  dem  Stifter  1348
gegründeten  Wiener  Universität.  Eine  kurze  Zeit,
in  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts,  war  hier  auch
die  Akademie  der  bildenden  Künste  untergebracht.
Die  Zeit  ihrer  höchsten  Blüte  erreichte  die  Wiener
Universität  1502,  in  welchem  Jahre  sie  8000  Studierende ­
  zählte.  Infolge  der  religiösen  und  politischen
Wirren,  welche  bald  darauf  ausbrachen,  sank  sie
von  ihrer  bisherigen  Höhe  herab,  erholte  sich  jedoch
allmählich  wieder  und  wurde  im  Jahre  1623  den
Jesuiten  übergeben;  1772  nach  Aufhebung  des
Ordens  iaisiert,  gelangte  sie  neuerlich  zu  höchstem
Ansehen.  Bis  zum  Jahre  1857  blieb  dann  die  Universität ­
  im  Alleinbesitze  dieses  Gebäudes.  Seit  diesem
Jahre  ist  jedoch  die  kaiserliche  Akademie  der
Wissenschaften  eigentlich  die  ausschließliche  Benutzerin ­
  dieses  Palastes,  welche  jeweilig  einigen
wissenschaftlichen  Vereinen  Unterkunft  gewährt.
Der  Bau  der  Aula  wurde  im  Jahre  1753
begonnen  und  im  Jahre  1755  unter  der  Regierung ­
  der  Kaiserin  Maria  Theresia  vollendet.
Dietrich  und  Enzenhofer  sind  die  Erbauer  derselben. ­
  Das  nach  allen  Seiten  freistehende
Gebäude  bildet  ein  oblonges  Viereck  und
enthält  ein  Parterre,  ersten  und  zweiten  Stock
und  einen  Aufbau,  welcher  bis  zur  Erbauung
der  neuen  Sternwarte  auf  der  Türkenschanze
zu  astronomischen  Beobachtungen  diente.
Die  gegen  den  Universitätsplatz  zu  gelegene

Ebenerd.

Erster  Stock.

Abb.  269.  Akademie  der  Wissenschaften  (Alte  Aula).  1:800.
            
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