Die Entwicklung der Architektur Wiens in den letzten fünfzig Jahren.
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hauses ist für jenen Bautypus, der in knapper Geschlossenheit gefaßt werden muß, wenn er
in seinem eigensten Sinn wirken soll, ganz unverhältnismäßig groß. Die Behandlung der Formen
ist wohl gotisch, aber in der allgemeinen Disposition, in der Anordnung der Stockwerke,
auch in den konstruktiven Lösungen des Innenbaues, dem großen Stiegenhaus, dem Festsaal
u. s. f. gibt sich der im höchsten Maße modern geschulte Architekt durchaus zu erkennen,
der sehr wohl wußte, was sich
hier für das ohnehin stark
modifizierte System seiner
Gotik bei der Renaissance
noch erfragen ließ. Eigentlich
repräsentiert nur der imposant
durchgebildete Mittelbau,
der durch den Hauptturm
und die vier in richtigem Abstand
gestellten Nebentürme
(mit den in wechselreicher
Bildung sich verjüngenden
Aufsätzen) ausgezeichnet erscheint,
symbolisch den historischen
Baugedanken des
Rathauses nach der überlieferten
Bedeutung, indes die
übrigen Teile der weitgedehnten
Anlage mit ihren
sieben Höfen uns über ihren
praktischen Dienst und Zweck
nicht im Zweifel lassen.
Wir können hier im
Anschlüsse gleich des kaiserlichen
Stiftungshauses am
Schottenring, des sogenannten
„Sühnhauses“ gedenken.
Es ist ein Nachklang zur
Baustimmung des Rathauses.
Mit geistreichem Eklektizismus
sind da gotische Motive
von verschiedener Herkunft
überraschend vereinigt. In
den Stockwerken die Säulenloggien
mit dem sich überschlagenden
Bogenwerk der
venezianischen Palastgotik, in
die Mitte gestellt der gegiebelte
Kapelleneinbau mit
großer Fensterrose (dem einzigen
Beispiel reicheren Maßwerkes
bei Schmidt) in echtester
deutscher Gotik, und
die Ecken wieder flankiert
von deutschgotischen Türmen
(siehe Abb. 7).
Bei diesem Anlasse sei
noch des Schuleinflusses von
Schmidt gedacht. Eigentlich
machte er für seine Gotik
nicht direkt Schule, außer in
einzelnen Fällen; man lernte
von ihm immer mit großem
Abb. 7. Mittelteil vom Sühnhaus. Architekt Friedrich von Schmidt.