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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Akademien, Lehrerbildungsanstalten etc. 
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Abb. 298. Akademie der bildenden Künste. Front gegen den Schillerplatz. 
sonstige figurale Schmuck ist von Terrakotta. Die Freskenbilder an den Fensternischen der 
rückwärtigen Front sind von Schülern Eisenmengers gemalt. Die Gesamtkosten des Baues und 
der inneren Einrichtung belaufen sich auf 3,700.000 K. 1 ) K - 
K. k. Theresianum, IV., Favoritenstraße (Abb. 299). 
Unter dem kunstsinnigen Kaiser Matthias, der Wien zu einer glanzvollen Metropole dés deutschen 
Reiches zu erheben beabsichtigte, entwickelte sich in der Zeit von 1616 1620 eine staunenswerte Bau 
tätigkeit, der auch die Favorita auf der Wieden ihre Entstehung verdankt. Er kaufte nämlich von Wolf 
Sinnich in Ungarisch-Altenburg den ehemaligen Schaumburgerhof auf der Wieden und ließ nun im Zentrum 
der dazugehörigen Rieden in der Zeit von 1616—1620 eine Villegiatur erbauen, die den Namen »Favorita« 
erhielt. 2 ) Als im Juli 1683 das Türkenheer unter Kara Mustapha gegen Wien heranrückte und der Komman 
dant Graf Rüdiger von Starhemberg die Vororte niederbrennen ließ, ging die »Favorita« wie auch die in 
der Wolfsau (Augarten) von Kaiser Ferdinand 111. erbaute sogenannte »Neue Favorita« zugrunde. 3 ) Nach 
den in Ungarn erfochtenen glorreichen Siegen dachte Kaiser Leopold I. daran, die Favorita wieder auf- 
zubauen, üfe Durchführung der Aufgabe übertrug er dem Theatralingenieur Ludovico Burnacini, der aber 
für die Aufführung eines Monumentalbaues, wie ihn Leopold I. plante, nicht die notwendigen Kenntnisse 
besaß. Die Aufführung des Palastes fällt in die Zeit von 1687—1690, mit Einschluß des Gartens und der 
Nebenbauten bis 1693. Burnacini suchte durch Längen-^ und Höhenausdehnung sowie durch reichere 
Fassadendekoration zu wirken. Der Höhe nach erhob sich über dem für untergeordnete Zwecke bestimmten 
Erdgeschosse die Nobleetage und das Obergeschoß. Die der Straße zugekehrte Fassade enthielt drei Portale 
ein jedes von zwei Trommelsäulen flankiert. Der steinerne, mit der Initiale L versehene kaiserliche Adler 
weist auf den Wiedererbauer der Favorita, Kaiser Leopold L, hin. 4 ) Das Altargemälde der Kirche sowie die 
Deckenmedaillons stammen von dem berühmten Hof- und Kammermaler Leopolds I., Peter Strudel Frei 
herrn von Strudendorf, dem Besitzer des nach ihm benannten »Strudelhofes« in der Alservorstadt, her. 
Der Garten wurde nach französischem Stile von dem aus Frankreich vertriebenen Garteningenieur 
Jean Trehet im Jahre 1690 angelegt. Im Garten stand das Theater, in dem die großen Opern aufgeführt 
wurden, unterhalb desselben lag der Turnierplatz, auf dem später unter Karl VI. die Schießstätte erbaut 
wurde. Auf der Ostseite war das perspektivisch konstruierte Eisentor, ein jetzt noch erhaltenes Kunstwerk, 
angebracht. Die wieder hergestellte Favorita hieß von nun an die »neue«*'), im Gegensätze zu der im Au 
garten befindlichen »alten Favorita«. Die neue Favorita auf der Wieden war seit dem Wiederaufbau die 
Sommerresidenz der Kaiser Leopold I., Josef I., Karl VI. und der Schauplatz vieler und glänzender Feste, wie 
rFolbert von Alten-Allen. 
Augsburg 
J ) Allgemeine Bauzeitung. 1876, 1879. . ,orvo -r , 
2 ) Johann Schwarz, Die kaiserliche Sommerresidenz Favorita auf der Wieden in Wien. 1898, Tempsky. 
3) Ansicht in: Wien, aufgenommen zwischen den Jahren 1680-1682 durch den kaiserlichen Kammermaler Fol 
*) Die alte Portalform ist heute noch bei dem oberen und unteren Tore der Theresianischen Akademie erhalten 
Ansicht bei Salomon Kleiner: Wahrhafte und genaue Abbildung aller Kirchen und Klöster in Wien und Vorstädten, 
rg 1724—1734. II. Teil. Ebenso die „Favorita“. Alter französischer Stich, koloriert. Theresianische Bibliothek.
	        
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