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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

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Gebäude für Bildung und Unterricht. 
äuch eine hervorragende Pflegestätte der Musik durch Aufführung großartiger Opern, wobei die Theatral- 
architektur wahre Triumphe feierte. 1 ) 
Kaiser Karl VI., dessen Lieblingsaufenthalt die Favorita war, starb daselbst am 20. Ok 
tober 1740. Seitdem war die Favorita verwaist; Maria Theresia, die dort ihre Jugendzeit ver 
bracht hatte, verließ bereits am 26. Oktober desselben Jahres die Favorita und wählte von nun 
an das Lustschloß Schönbrunn zu ihrem Sommeraufenthalte. 1746 überließ die Kaiserin diesen 
Sommerpalast dem Jesuitenorden zur Errichtung einer Erziehungs- und Unterrichtsanstalt für 
den heranwachsenden 
Adel der österreichisch 
ungarischen Erbländer. 2 ) 
Als die Kaiserin im 
Jahre 1753 eine voll 
ständige Absonderung 
der Zöglinge des niede 
ren Studiums und der 
Philosophen von den 
Juristen anordnete und 
man infolgedessen Raum 
schaffen mußte, wurde 
im oberen und unteren 
Drittel der Fassade nach 
Vergrößerung der Fen 
ster des zweiten Stock 
werkes unter der Lei 
tung des Hofarchitekten 
Nikolaus Pacassi noch 
je ein Halbstock auf 
gesetzt und am unteren 
Ende der Theater- und 
Festsaal erbaut. Das 
mittlere Tor erhielt im 
Sinne des Jesuitenstiles 
eine reichere Ausgestal 
tung und eine dekora 
tive, bis zum entspre 
chenden Fenster des 
zweiten Stockes rei 
chende Bekrönung. In 
dieser Gestalt blieb das 
Gebäude, zu dem der 
(1773—1774) am obe 
ren Ende aufgeführte, 
für das naturhistorische 
und physikalische Kabinett bestimmte Zubau trat, bis zum Jahre 1797, in welchem Jahre die 
Theresianische Akademie, die Kaiser Josef II. 1784 aufgehoben hatte, nach ihrer gesamten ein 
heitlichen Organisation durch Kaiser Franz II. wieder hergestellt und hier untergebracht 
wurde. Um Raum für die vielen eintretenden Zöglinge zu schaffen, wurde durch den Bau 
meister Koch über dem mittleren Teil des Gebäudes das dritte Stockwerk abgeschlossen und 
in der Mitte der Fassade ein mit mächtigen ionischen Flachpilastern versehener Risalit erbaut. 
In ihrem jetzigen Umfange umfaßt die Theresianische Akademie einen Flächenraum von 
866ha, wovon L91 ha auf das Gebäude und 6'75ha auf den Park der Anstalt entfallen. Das 
Gebäude gliedert sich in einen gegen die Favoritenstraße gelegenen Längstrakt von 320'8 m 
Länge, in vier Hofquertrakte, einen Gartenquertrakt und zwei Gartenlängstrakte, durch welche 
fünf große, lichte Hofräume eingeschlossen werden; von diesen sind zwei mit Gartenanlagen 
versehen. Der nördliche Quertrakt wurde in den Jahren 1883—1884 zur Unterbringung der 
k. u. k. Konsularakademie erbaut. Am südlichen Ende des Parkes befindet sich eine große, 
Abb. 299. Theresianische Akademie, IV., Favoritenstraße. 
*) Proszenium des Theaters im Favoritagarten. Johann Schwarz, Favorita. S. 70. 
2 ) Johann Schwarz, Geschichte der Theresianischen Akademie in Wien. Wien 1890.
	        
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