Die Entwicklung der Architektur Wiens in den letzten fünfzig Jahren.
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Karl von Borkowsky von Block zu Block um
fassend ausgebaut wurde. Andere Architekten
gesellten sich weiterhin dazu. Diese Anlage weist
einen anmutenden Wechsel halbländlicher Bau
gedanken auf, vom vornehmeren, villenartigcn Bau
bis zu dem hier vorherrschenden Normaltypus des
bescheidenen Familienhauses; in den verschiede
neren, mehr spielenden Stilanklängen — zumeist
an deutsche Renaissance, mit einiger Phantasie
gotik dazu — heben sich die zierlichen, manch
mal auch getürmten Häuser recht malerisch von
dem Gartengrün ab. ln der Einteilung der Innen
räume ist für wohnliches Behagen entsprechend
Sorge getragen.
VII.
Wenn wir uns nun wieder dem durchschnitt
lichen Baubetrieb der letzten Epochen zuwenden,
überrascht uns eine Krise um die andere, auf die
man doch immerhin hätte gefaßt sein sollen.
Das Baugeschäft, das immer mehr zu tun bekam,
war allerdings für jeden Bedarf stilistisch einge
schult, auch mit fertig hcrgestellten Stilschablonen
versorgt, aber darüber erhielt die sogenannte Stili
sierung selbst auch etwas rein Geschäftliches. Es
kam nun weit weniger auf Reinheit, als auf augen
fällige Wirkung der Formen an: früher oder später
mußte dann die Häufung und Steigerung der
Motive zur Abnützung, zum Verbrauch derselben
führen. Die großen Gruppenbauten oder „Höfe“
— für Wien charakteristisch — nötigten z. B. die
Architekten, um der Masse willen im Effekt der
Gliederungen das Äußerste aufzubieten; zudem
mußte der Bau als Ganzes energisch gepackt und
womöglich durch das Zentralmotiv einer Kuppel
— die freilich nur blind gezimmert und ver
kleidet war — nach oben zusammengefaßt wer
den (so im Maria Theresien-Hof von Tischler
und in einer bereits ganz barocken Umbildung
in dem benachbarten Maximilianhof von Emil
von Förster). Die architektonischen Illusions
effekte — die Schauformen ohne Inhalt und
innere Bedeutung — nahmen in bedenklicher
Weise überhand. Ein bezeichnendes Wiener Motiv
bei Eckhäusern waren, wie bekannt, von Anfang
an die ausgerundeten Erkerbauten an der Straßen
wendung, oft von Baikonen umfaßt, mit Klein
kuppeln obenauf, um etwas über der Dachhöhe
des Hauses. Daraus sind schon lange förmliche
Türme geworden mit phantastischen Dach
bildungen, die sich von Straße zu Straße an
Abenteuerlichkeit überbieten. Derartige Beispiele
für Überwucherung der Motive ließen sich noch
weiter anführen. Da trat denn — eigentlich
schon früher in einzelnen, rasch nachrückenden
Versuchen sich ankündigend — eine neue Stil
wendung ein, für die man sich mehrseitig, und
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Abb. 9. Eckrisalit eines Arkadenhauses. Architekt F. von Neumann.