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Humanitätsanstalten.
im Jahre 1874 begonnen, dieselbe im folgenden Jahre mit 23 Krankenbetten eröffnet und
bis 1895 derart vergrößert, daß sie gegenwärtig über 470 Krankenbetten verfügt. Das von
der Antoni-, Vincenz-, Kreuz- und Mitterberggasse begrenzte trapezförmige Grundstück mißt
rund 5960 m 2 , wovon dermalen 178 m' 2 von erdgeschossigen, 1976 m 2 von einstöckigen und
627 m 2 von zweistöckigen Gebäudeteilen eingenommen werden. Die für die Krankenunterkünfte
bestimmten Trakte sind nach dem alten Korridorsystem angelegt und mit Zentralheizung ver
sehen; sie enthalten 22 kleine Abteilungen für Männer, Frauen und Knaben, darunter eine
von allen übrigen gesonderte Abteilung für Krebskranke. Eine wesentliche Förderung erfuhr
die segensreiche Wirksamkeit der Anstalt durch das vom Domdechant Prälat L. Stöger im
Jahre 1892 ins Leben gerufene Landasyl zu Weidlingau, das sowohl Pfleglingen der Anstalt als
auch den durch ihren Beruf in ihrer Gesundheit erschöpften Pflegerinnen während der warmen
Jahreszeit den Aufenthalt in frischer Luft und schöner Gegend gewährt. Im Jahre 1902 endlich
widmete der regierende Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein einen bei Kirchstetten ge
legenen Fiof samt 70 Joch Grundstücken dem Hause der Barmherzigkeit unter dem Namen
„Clementinum“ als Pflegcstätte für 30 unheilbare Krebskranke. Das Clementinum wurde nach
Durchführung einiger Adaptierungen im Jahre 1903 eröffnet. Durch Ankauf von zwei an das
Clementinum anrainenden Gebäuden mit 34 Joch Grundstücken wurde es im Jahre 1904
möglich, auch ein Asyl für Epileptische mit dem Belagraume für 30 Betten zu eröffnen, das
„St. Josef“ genannt wurde. Seit dem Jahre 1874 betrugen die Kosten der Baulichkeiten der
Anstalt 1,512.163 K. Die Gesamtzahl der seit dem Bestände des Hauses der Barmherzigkeit
bis Ende 1903 verpflegten armen, schwerkranken Unheilbaren beträgt 5674 Personen. Im Jahre
1903 wurden 534 Personen weiblichen und 198 Personen männlichen Geschlechtes, also in
Summa 732 Personen, verpflegt.
Das Rudolfiner-Haus (Abb. 362 bis 364). Seit dem Jahre 1875 verfolgte Dr. Theodor Billroth
den Gedanken, zur Hebung des Krankenpflegerinnenstandes ein kleines Krankenhaus mit
, Pflegerinnen-Schule und -Asyl zu
^ ^ schaffen. Seinen zielbewußten
Bemühungen gelang im Jahre
1879 die Konstituierung eines
diesen Zweck verfolgenden Ver
eines, der sich nach seinem Pro
tektor, Kronprinz Erzherzog Ru
dolf, Rudolfiner-Verein nannte,
an dessen Spitze Geheimer Rat
Graf Hans Wilczek trat und der
den Bau des Rudolfiner-Hau-
ses 1 ), XIX., Billrothstraße 78, in
den Jahren 1882—1894 durch
führte. Der Bau begann mit der
Anlage einer für 20 bis 24 aus
dem Kriege in der Krivoscie und
Herzegowina stammende Ver
wundete bestimmten Baracke,
welche aus Eisen und Holz nach
dem Entwürfe konstruiert wurde,
den Architekt F. von Gruber und
Ingenieur Karl Völckner gemein
sam verfaßt hatten und der auf
Erhellung der Krankensäle mittels
Shedlicht basierte. Gleichzeitig
wurden die auf dem Grundstücke
vorhandenen alten Gebäude für
Administrations- und Wirtschafts
zwecke adaptiert. Nach allmäh
licher Vergrößerung der Area auf das Maß von 14.196 m 2 konnte endlich 1884 mit dem Baue
der für die Dauer bestimmten Anlagen begonnen werden, doch kamen diese wegen
Mangels der nötigen Geldmittel nur schrittweise zur Durchführung. Demgemäß hat das von
KR Kronprinz-Pavillon.
BP Billroth-Pavillon.
WO Wirtschaftsgebäude.
VB Verwundetenbaracke.
Abb. 362. Rudolfiner-Haus. Lageplan. 1:1750.
3 ) Jahresberichte des Rudolfiner-Vereines. F. von Gruber, Das Rudolfiner-Haus in Wien. Verlag A. Dorn, Wien 1895.