Anstalten für Blinde und Taubstumme.
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Frauenfeld erweitert. Zu der für 70 Kranke (30 männliche und 40 weibliche) Raum bietenden
Anstalt gehört eine Area von 11.790m 2 , von der 1100m 2 überbaut sind. Das Anstaltsgebäude
bildet ein gegen Nordost offenes Viereck. Alle Trakte umfassen über dem Souterrain drei
Geschosse; bemerkenswert ist nur der Südosttrakt, der in jedem Geschosse fünf Isolierzellen
mit Spezialeinrichtungen für unruhige Kranke enthält, die um einen großen Tagraum grup
piert sind.
In Wien besteht noch eine Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke im
XIII. Bezirke, Lainz, Jagdschloßgasse 25.
Außerhalb des Stadtgebietes gelegen, aber fast ausschließlich der Bevölkerung Wiens
dienend, sind noch die Privat-Heilanstalten zu Inzersdorf und Tulln zu erwähnen.
F. von Gruber.
c) Niederösterreichische Landes-Gebär- und Findelanstalt, IX., Alserstraße 21 und 23
(Abb. 380). 1 )
Die Gebär- und Findelanstalt wurde im Jahre 1784 von Kaiser Josef II. als Reichsanstalt
gegründet. Sie ist heute zugleich öffentliches Impf- und Ammeninstitut. Ursprünglich war die
Gebär- und Findelanstalt mit dem Allgemeinen Krankenhaus vereinigt,
später erhielt sie eine eigene Direktion. Im Jahre 1864 ging die Gebär
anstalt und 1868 die Findelanstalt in die Verwaltung des Landes
Niederösterreich über. Der Zweck der Gebäranstalt ist: den daselbst
Aufnahme suchenden Schwangeren und Gebärenden, sie mögen ledig,
verheiratet oder verwitwet sein, ohne Unterschied der Nationalität und
Konfession, als Zufluchtsort zu dienen, denselben und deren Kindern
die entsprechende Hilfe zu gewähren, das Findelhaus mit der nötigen
Zahl Ammen zu versehen, sowie anderseits in der innigsten Verbin
dung mit der Wiener Universität die Ausbildung von Ärzten und
Hebammen möglich zu machen. Der Zweck der Findelanstalt ist: den
daselbst aufgenommenen unehelichen Kindern möglichst die elterliche
Pflege zu ersetzen. Das Gebär- und Findelhaus liegt zwischen der
Alserstraße und der Laudongasse auf einem Areale von 9800 m 2 . In
diesen Baulichkeiten sind untergebracht die Räume für die zahlenden
Gebärenden und das Findelhaus. Die nichtzahlenden Gebärenden be
finden sich heute noch in Trakten des Allgemeinen Krankenhauses,
und zwar auf zwei Universitätskliniken zur Ausbildung der Ärzte und
auf einer dritten, der Hebammenschule, zur Heranbildung von Heb
ammen. Das Gebäude, ursprünglich ein Kloster, enthält: 139 Betten
für Wöchnerinnen und Ammen, 246 Betten für Säuglinge, 13 Betten
für größere Kinder. Für gesunde, nicht infektiös erkrankte Kinder be
stehen drei Abteilungen, außerdem Räume für Infektionsverdächtige, für Infektionskranke und
für Augenkrankc. In der Anstalt befinden sich ständig 200 bis 300 Kinder (Säuglinge und
größere); täglich wachsen 20 bis 25, jährlich durchschnittlich 7000 bis 8000 Kinder zu.
A Findel- und Gebäranstalt.
B Impfstoffgewinnungsanstalt.
C Wohngebäude.
Abb.380. Niederösterreichische
Landes-Findelanstalt.
Lageplan. 1:3000.
III. ANSTALTEN FÜR BLINDE UND TAUBSTUMME.
K. k. Taubstummeninstitut, IV., Favoritenstraße 13.' 2 ) Auf Befehl der Kaiserin Maria
Theresia wurde 1779 in der Stadt im Bürgerspitale eine Wohnung gemietet und der Taub
stummenunterricht an sechs Knaben und sechs Mädchen begonnen. Nach mehrfachen Wande
rungen kam das Institut im Jahre 1822 in die auf der Wieden neuerbaute Anstalt für
70 Zöglinge. An dieser Stätte ist das Institut bis heute verblieben. Eine weitere Vergrößerung
wurde^durch Aufsetzen eines Stockwerkes auf die ganze Realität im Jahre 1864 durchgeführt
und die Anstalt im Laufe der letzten Jahre durch Adaptierungen verbessert. Die gesamte
■) Dr. K. Friedingcr, Denkschrift über die Wiener Oebär- und Findelanstalt. aus Anlaß des hygienischen Kongresses in
Wien 1887. österreichische Wohlfahrtseinrichtungen 1848—1898. Bd. II. .... c, » ai „j ..
M Venus Ober den Wert milder Gaben und frommer Stiftungen für Taubstumme. Wien 1815 bei Anton Strauß. Alexander
Venus "Das k. k. Taubstummeninstitut in Wien. Wien 1854, W. Braumüller. Ministerium für Kultus und Unterricht vom
5. September 1872, Z. 8962, V. Bl. Nr. 273, Statut des Taubstummeninstitutes.
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