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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Die  Entwicklung  der  Architektur  Wiens  in  den  letzten  fünfzig  Jahren.

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der  Säule;  das  Hinstreben  zum
reinen  Flächenstil.  Bei  diesem  ist
man  bereits  vielfach  angelangt
und  hat  damit  ein  gewisses  primitives ­
  Ideal  erreicht:  ganz  glatte
Fassade  in  leichtem  Verputz  mit
scharf  eingeschnittenen  Fensteröffnungen ­
  ohne  Chambranle;  darüber ­
  hinaus,  um  für  einigen
Schmuck  zu  sorgen,  Belegung  der
Fassade  mit  Fliesen  oder  Kacheln
und  auf  diesen  farbig  eingebrannte
Blumengehänge  oder  auch  nur  in
einer  Farbe  abgetönte  Schachbrettmuster; ­
  obenauf  das  Gesims
bald  sparrenartig,  doch  ohne  Konsolen, ­
  weit  hinausgeschoben,  bald
wieder  ganz  fortgelassen.  Nach
diesen  vorläufig  wahrgenommenen
Phasen  werden  in  kürzester  Zeit
wohl  weitere  folgen,  denn  wir
stehen  inmitten  des  Prozesses.  Hier
mag  es  denn  genügen,  einige  der
Architekten  zu  nennen,  welche  in
besonders  bemerkenswerter  Weise
diesen  Weg  eingeschlagen  haben:
neben  Otto  Wagner  (Häusergruppe
Magdalenenstraße)  zunächst  Olbrich, ­
  der  Erbauer  des  Gebäudes
der  Sezession,  und  Josef  Hoffman ­
  n  (Villen  auf  der  Hohen
Warte),  ferner  Josef  Urban,  Max
Fabian!  (Haus  Portois  &  Fix  in
der  Ungargasse  und  Artaria  am
Kohlmarkt),  Leopold  Bauer,  gelegentlich ­
  auch  Friedrich  Ohmann
mit  J.  Hackhofer  (Villa  Schopp
in  Hietzing),  dann  Albert  Pecha,
Max  Hegele  (Bauten  am  Zentralfricdhof),
  Plecnik  (Haus  Zachcrl
am  Bauernmarkt,  ein  Beispiel,  wohin ­
  die  „Moderne“  führen  kann)
u.  a.  m.  Wir  finden  also  auch
den  vielbegabten  Ohmann  in  dieser
Reihe;  und  dies  beirrt  einiger-Abb.
  11.  Detail  vom  Naturhistorischen  Hofmuseum.  maßen  Uns  Leute  VOH  der  älteren
Architekten  O.  Semper  und  K.  von  Hasenauer.  Gewohnheit  des  Kunsturteils,  die
wir  immer  genau  wissen  wollten,  an  welcher  Stelle  ein  Künstler  zuverlässig  zu  erfragen  sei.  Von
gründlichen  Barockstudien  ist  Ohmann  ausgegangen  und  schien  sich  weiter  nach  allen  Seiten
umzublicken,  immer  von  Fall  zu  Fall  rasch  orientiert;  nun  stellt  er  sich  auch  bei  der  Sezession ­
  „zu  Besuch  und  Versuch“  ein.  Durch  den  schließlich  ihm  gewordenen  Auftrag,  für
die  innere  Durchbildung  des  Semper-Hasenauerschen  Hofburgbaues  Sorge  zu  tragen,  wird  er
wohl  jetzt  vor  den  einheitlichen  Punkt  gestellt,  in  welchen  die  auseinanderfahrenden  Radien
seiner  Bestrebungen  wieder  zurücklaufen.
Doch  um  zu  unserer  allgemeinen  Betrachtung  zurückzukehren,  mögen  noch  folgende
Schlußbemerkungen  folgen.  Die  durch  ihre  entschlossene  Neuheit  teils  interessanten,  teils  problematischen ­
  Bauproben  dieser  ganzen  Gruppe  lebendig  sich  regender  künstlerischer  Kräfte
bieten  wohl  Veranlassung  genug  zur  Besprechung  im  einzelnen,  aber  nicht  genügenden  Anhalt
            
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