Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Gebäude  für  das  gemeinsame  Heer.

295

sprach  genommen,  der  große,  damals  dreigeschossige
Trakt  an  der  Stiftgasse  erbaut  und  darin  die  Savoysche
Ritterakademie  eingerichtet,  an  deren  Stelle  später,  mit
einigen  Unterbrechungen,  die  Ingenieurakademie  trat.
Zu  dieser  gehörte  das  Akademiehauptgebäude  in  der
Stiftgasse  mit  der  gegen  die  Siebensterngasse  anschließenden ­
  gedeckten  Reitschule  und  einigen  kleinen
Nebenobjekten,  dann  der  zweistöckige  sogenannte
Mosertrakt  an  der  Mariahilferstraße,  in  welchem  sich
früher  die  Chaos-Stiftung  befand,  ferner  der  den
großen  Garten  östlich  begrenzende  Sappeurtrakt  mit
anschließendem  Stalltrakte  und  endlich  die  als  Teil
der  Savoyschen  Stiftung  vom  Architekten  Hcnrici  erbaute ­
  Stiftkirche,  die  mit  ihrem,  durch  besondere
Eleganz  ausgezeichneten,  barocken  Turmhelme  zum
Wahrzeichen  und  zur  besonderen  Zierde  der  Mariahilferstraße ­
  geworden  ist  (siehe  Kirchenbauten).
Als  im  Jahre  1850  die  Ingenieurakademie  unter
dem  Namen  „Genieakademie“  nach  Klosterbruck  bei
Znaim  kam,  wurden  ihre  hiesigen  Gebäude  zu  Kasernzwecken
  als  „Stiftkaserne“  verwendet  und  in  dem
zum  Hofe  gewordenen  Garten  ein  viergeschossiger
Kasernentrakt,  der  sogenannte  Mitteltrakt,  erbaut.
Bei  der  Vereinigung  der  Genieakademie  mit  der
in  Mährisch-Weißkirchen  bestandenen  Artillerieakademie ­
  zur  „Technischen  Militärakademie“  (1869)  wurde
dieser  das  alte  Hauptgebäude  in  der  Stiftgasse  zugewiesen ­
  und  demselben  ein  viertes  Stockwerk  aufgesetzt. ­
  Bald  darauf  wurde  ein  Vorschlag  des  Baurates
Karl  Freiherrn  von  Schwarz,  den  Mosertrakt  durch
Umbau  rentabler  zu  machen,  von  der  Heeresverwaltung ­
  angenommen  und  dieses  Projekt  in  den  Jahren
1873—1875  ins  Werk  gesetzt.  Hiernach  blieben  die
Mietzinse  der  Räume  im  Tiefparterre,  Erdgeschoß  und
Mezzanin  (exklusive  der  Brennmaterialdepots  für  die
Wohnungen  und  Kanzleien  der  oberen  Stockwerke)
dem  Unternehmer  auf  30  Jahre  zur  Verzinsung  und
Amortisation  des  Baukapitals  überlassen.  Der  Umbau
wurde  nach  den  Plänen  des  Architekten  Eugen  Schweigel
und  unter  seiner  Leitung  ausgeführt  und  kostete
2,200.000  K.  An  der  kräftig  betonten  Hauptfassadc  in  ■  ^  ,  u  n
der  Mariahilferstraße  war  das  Zusammenziehen  je  dreier  Fensterachsen  zu  einer,  Erdgeschoß
und  Mezzanin  umfassenden  großen  Arkade  ein  glücklicher  Griff,  durch  den  im  Verein  mit
wirksamen  Risalitanordnungen  sowie  Hervorhebung  der  beiden  großen  Toreinfahrten  mittels
freistehender  Säulenpaare  jede  Monotonie  in  der  145'6ni  langen  Fassade  vermieden  winde.
Der  Sappeurtrakt  und  der  Mitteltrakt  verblieben  als  Infanteriekaserne  bis  zur  Errichtung
der  Infanterie-Kadettenschule,  die,  im  Jahre  1875  hierher  verlegt,  bis  zur  Vollendung  des  für
sie  bestimmten  Neubaues  hier  verblieb.  Die  oberen  Geschosse  des  neuen  Mosertraktes  wurden
für  Kanzleien  des  General-Bauingenieurs  und  von  Truppenstäben  sowie  für  Wohnungen  von
Offizieren  und  Beamten  bestimmt.  .
An  den  von  der  Technischen  Militärakademie  belegten  Räumlichkeiten  wurden  im
Laufe  der  Jahre  fortwährend  Verbesserungen  vorgenommen,  um  sie  pädagogischen  wie
hygienischen  Anforderungen  entsprechender  zu  machen;  da  es  aber  nicht  möglich  war,  auf
diesem  Wege  einen  Zustand  zu  erreichen,  bei  dem  allen  modernen  Erfordernissen  einer
militärischen  Hochschule  genüge  geleistet  worden  wäre,  entschloß  sich  die  Heeresverwaltung,
für  die  Akademie  auf  einem  großen  Baugrunde  bei  Mödling  mit  einem  Kostenaufwande
von  5,000.000  K  einen  weitläufigen  Neubau  aufzuführen,  der  im  Jahre  1904  fertiggestellt  und
bezogen  wurde.

Abb.  428.  Tor  der  Stiftkaserne  im  VIl.  Bezirke.

a  Sappeurtrakt,  c  Mosertrakt.  f  Haupttrakt,
b  Mitteltrakt.  d  Stallgebäude,  n  Kirche.
Abb  429.  Lageplan  der  Stiftkaserne  im  VII.  Bezirke.
1:5000.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.