H. GEBÄUDE FÜR VERGNÜGUNGEN UND SPORT
1. THEATERGEBÄUDE.
Erst nach dem Anfänge des 17. Jahrhunderts begegnen wir deutschen Theaterunternehmungen in
Wien, welche zeitweilig mit ihren Truppen in hölzernen Buden oder auch in den Höfen größerer Häuser
spielten. Um 1650 wurden bereits die Ballhäuser benützt. Um das Jahr 1712 räumte der Stadtrat auch
einigen deutschen Komödianten das Recht ein, gleich den bisher begünstigten italienischen Komödianten in
dem von ihm 1708 erbauten Theater nächst dem Kärntnertor spielen zu können. Außer dem Kärntnertortheater
entstand 1741 das
Schauspielhaus in der Burg, das
1756 erweitert wurde. Im Jahre
1761 brannte das Kärntnertortheater
ab und seit dieser Zeit
spielten deutsche und französische
Schauspieler abwechselnd
im Burgtheater bis zum raschen
Wiederaufbau des Kärntnertortheaters.
Im Jahre 1776 bestimmte
Kaiser Josef II. das Burgtheater
zum Hof- und Nationaltheater
und hob, als Chr. R. von Gluck
der deutschen Oper die Bahn
gebrochen hatte, im Jahre 1776
die italienische Oper, das französische
Schauspiel und das Ballett
auf. Nach manchen Wechselverhältnissen
wurden 1802 beide
Theater unter einer Direktion
vereinigt und das Kärntnertortheater
nur der Oper und dem
Ballett gewidmet.
Die Vorstadt Leopoldstadt
war schon zeitig der Schauplatz
vieler Spektakel. Hier nahmen
auch die Tierhetzen ihren Anfang.
Im Jahre 1710 wurde das
älteste Hetztheater eröffnet (auf
der Heide) und 1755 ein Amphitheater
für Tierhetzen unter den
Weißgerbern erbaut. Erst als
dasselbe 1796 niederbrannte,
nahmen die Tierhetzen ein Ende.
Die ersten förmlichen Theatervorstellungen
in der Leopoldstadt
fanden von 1771 an statt,
und C. Marinelli faßte den Mut,
ein eigenes Theatergebäude für
Schauspiele und Pantomimen
aufzuführen. Es wurde 1781 eröffnet
und bestand bis 1847 an
derselben Stelle, wo dann das
heutige Carl-Theater aufgeführt
wurde Außer mehreren Schauspielhäusern, welche um diese Zeit und später eröffnet wurden (Landstraße-Rochusgasse
im Jahre 1787: Roßau-Porzellangasse im Jahre 1792; Josefstadt-Trautsohngasse: Neustiftgasse
im |ahre 1776- Laimgrube etc.), entstand im Jahre 1776 im Starhembergschen Freihause auf der Wieden ein
Komödienhaus An der Stelle desselben wurde im Jahre 1787 von Roßbach ein neues Theater eröffnet,