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Wohngebäude.
Döbling und Heiligenstadt schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts gerne Landhäuser errichtet
und zu Ende des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich hier eine lebhafte Bau
tätigkeit entwickelt. So wie in Hietzing hat sich auch hier der Adel und der reiche Kaufmanns
stand seine Sommerhäuser gebaut. Die säulengetragenen Giebel, akroteriengeschmückten Fenster,
antikisierenden Gartenhäuschen, Chinoiserien und Vasen, vielfach noch aus dem 18. Jahrhundert,
geben diesen meist nur einstöckigen Döblinger Landhäusern ihr eigenartiges Gepräge.
Auch in neuerer Zeit sind in Döbling hübsche Land- und Familienhäuser erstanden. So hat
sich um das Restaurant Hohe Warte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine vornehme Villen-
ansiedlung gebildet. Der erste Bau war die Villa Kratzer (später Andrassy, jetzt Waisenhaus),
eine charakteristische Arbeit des Architekten Teophil Hansen. Später folgte die opulente Villa
Rittershausen der Architekten Fellner und Helmer (Abb. 679), eine vornehme Anlage in den
reichen Formen der Spätrenaissance mit einem der Straße zugekehrten Gartensalon und
schöner Treppe, sowie die Adaptierung der Villa Schauta durch dieselben Architekten
(Abb. 682). Weiter hinauf liegen mitten in großen Gärten eine Anzahl Villen versteckt, welche
aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen; so die Villa Kattus des Architekten Julius Mayreder
und daneben die Villa Matsch des Architekten Otto Hofer, welche am Ende eines ansteigenden
Gartens, von großen Bäumen eingefaßt, mit hübschen Brunnen geziert und mit einem Atelier
bau des Künstlers verbunden ist. In der Nähe stehen: die stattliche Villa Schenker der Archi
tekten Karl und Julius Mayreder (Abb. 680, 683), sowie die Villa Kellner des Architekten
M. Fabiani mit interessanter Dachlösung und schlichten, weißgestrichenen Holzveranden, an die
Empirezeit anklingend. Auf dem höchsten Punkte der HohenWarte hat Baron Nathaniel Roth
schild einen großen Komplex mit prächtigen Gartenanlagen versehen, großartige Glashäuser
erbaut und sich selbst ein Schlößchen mit hübschen Wirtschaftsgebäuden im Stile der franzö
sischen Frührenaissance errichtet. Die prächtigen Gartenanlagen mit den üppigen Glashäusern
sind alljährlich im Frühjahre das Ziel vieler Gartenfreunde. Hier hat sich auch in neuester Zeit
(in der Steinfeldgasse) eine Villenkolonie gebildet, welche der Architekt Josef Hoffmann für einige
Künstler und Kunstfreunde erbaute. So die Villa Moll (Abb. 684, 686), ein origineller Bau, ln
schlichtem Verputz und mit bunten Hölzern teilweise in Riegelbau ausgeführt; die Villa Moser,
mit hübscher Silhouette unter starker Betonung des Riegelbaues; die Villa Spitzer (Abb. 685,’
687), ein Putzbau mit charakteristischen Fenstern und originellen Fensterteilungen, und schließlich
die Villa Henneberg (Abb. 688 bis 690), in gleicher Technik wie die drei genannten Häuser,
mit großer Pergola, Rundbalkon an der Ecke, mit Anklängen an die Architektur des Südens.
Cottage Währing-Döbling.
Um die Bevölkerung Wiens an das Familien
haus zu gewöhnen und um für die nach und nach
verschwindenden Gartengründe der alten Bezirke
an der Peripherie der Stadt Ersatz zu schaffen,
trat der Architekt Heinrich Freiherr von Ferstel im
Jahre 1872 mit einer Anzahl gleichgesinnter Män
ner mit dem Gedanken hervor, auf den noch un
verbauten Terrains nördlich von Währing zwi
schen der sogenannten Türkenschanze und Döb
ling eine Villenanlage zu schaffen (Abb. 691). Es
sollten hier in der Art des englischen Wohn
hauses, das auf einer kleinen verbauten Fläche die
Wohnräume übereinander angeordnet hat, und
in schlichter Architektur, von allen Seiten frei,
von einem Garten umgeben, Einzelwohnhäuser
geschaffen werden, deren Bau nur ein Sechstel
der Grundfläche einnehmen durfte. Ferstels Idee
drang durch und es bildete sich ein Verein mit
dem Architekten von Borkowsky an der Spitze,
der binnen einigen Jahren mehrere Objekte in
ganz schlichten gotisierenden Formen in Putzbau,
ab und zu mit Giebeln von sichtbaren Holzsparren
gebildet, aufführte und deren Verkauf vermittelte.