Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

A.  DENKMALE  UND  BRUNNEN.

I.  ÖFFENTLICHE  DENKMALE.

Von  den  seit  frühester  Zeit  beliebten  Wegsäulen,  Licht-  und  Bildstöcken,  den  ältesten
Formen  unserer  öffentlichen  Denkmale,  hat  sich  in  der  großen  Stadt  nicht  mehr  viel  erhalten.
Die  ältesten  Werke  dieser  Art  dürften  die  gotische  Wegsäule  in  Gersthof,  Hauptstraße,  sein,
welche,  arg  entstellt,  zur  Hälfte  in  das  Haus  Nr.  152  eingemauert,  aus  dem  Ende  des  15.  Jahrhunderts ­
  stammen  dürfte,  und  die  sogenannte  Spinnerin  am  Kreuz,  an  der  Triesterstraße  gelegen,
welche  der  Stadtrat  im  Jahre  1451  durch  Dombaumeister  Hanns  Puchsbaum  errichten  ließ.
Einst  an  einsamer,  etwas  erhöhter  Stelle,  an  der  ehemaligen  Grenze  des  Wiener  Burgfriedens
gelegen,  ist  die  Spinnerin  am  Kreuz  (Abb.  752)  heute  fast  in  dem  Häusermeer  des  X.  Bezirkes
verschwunden.  Sagen  und  Legenden  knüpfen  sich  an  dieses  Denkmal,  hervorgerufen  durch  den
Umstand,  daß  hier  bis  zur  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  die  Richtstätte  war.  Diese  gotische
Denksäule  hat  eine  Höhe  von  etwasHiber  16  m,  ist  achteckig,  mit  kreuzförmigem  Grundriß
und  endigt  mit  einer  quadratischen  TMale,  welche  von  acht  kleinen  TdMalen  umgeben  ist.
Aus  dem  16.  und  dem  Beginne  des  17.  Jahrhunderts  ist
in  Wien  auf  öffentlichen  Plätzen  nichts  erhalten  geblieben,  da
es  sowohl  an  dem  Verständnis  des
Publikums  als  auch  an  der  planmäßigen ­
  Kunstpflege  fehlte.  Oftmals
als  herrenloses  Gut  angesehen,  wurden ­
  sie  nach-  und  nach  von  den
Menschen  vernichtet,  wenn  sie  durch
die  Unbilden  der  Witterung  bereits
stark  gelitten  hatten.  Aus  dem  Ende
des  17.  Jahrhunderts  besitzen  wir
noch  die  Mariensäule  am  Hof
(Abb.  753),  der  Maria  Immaculata
gewidmet,  welche  einem  Gelübde
Kaiser  Ferdinands  III.  ihre  Entstehung
verdanken  soll.  Als  die  befürchtete
Belagerung  Wiens  durch  die  Schweden ­
  1645  glücklich  abgewendet  war,
wurde  1647  eine  Mariensäule  Am
Hof  eingeweiht.  Ihre  heutige  Gestalt
verdankt  sie  einem  Nürnberger  Erzgießer, ­
  welcher  nach  einem  Entwürfe ­
  Burnacinis  1668  die  figuralen
und  ornamentalen  Teile  des  Denkmales ­
  goß,  und  ist  eine  Type  für
Säulendenkmale  jener  Epoche.
Burnacini  war  durch  Entwürfe
an  manchem  öffentlichen  Denkmal
jener  Zeit,  besonders  unter  Kaiser
Leopold  I.  beteiligt  und  schuf  1693
für  die  Dreifaltigkeits-  oder  Pestsäule ­
  am  Graben  (Abb.  755,  756)

Abb.  752.  Spinnerin  am  Kreuz
(X.  Bezirk).

Abb.  753.  Mariensäule  Am  Hof
(I.  Bezirk).

3(T
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.