Katholische Kirchen des Mittelalters.
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St. Michael (Abb. 15, 34 und 35).')
Gegründet als Pfarrkirche für das Hofgesinde.
Aus dem Jahre 1221 datiert die erste Kunde ihres Be
standes. Durch Brand 1276 zerstört, wurde sie 1288
wieder hergestellt. Das Langhaus ist basilikal mit sehr
hohem Mittelschiff und zählt fünf, im Seitenschiff qua
dratische, im Mittelschiff oblonge Gewölbsjoche; drei
quadratische Wölbfelder bilden das Querschiff. Der
Turm erhebt sich an der Westfront über dem ersten
Joche des südlichen Seitenschiffes. Über den Pfeilern
mit spätromanischem, kreuzförmigem Querschnitt und
reich mit phantastischer Pflanzen- und Tierornamentik
gezierten Kapitalen entwickelt sich das den Charakter
des Übergangsstiles tragende, aus spitzbogigen Kreuz
gewölben bestehende Gewölbe. Am Äußeren erscheinen
neben spätrcmanischen Rundbogenfriesen mit Ballen
schon der frühen Gotik ungehörige, jedoch wenig her
vortretende Strebepfeiler. Nach einem Brand im Jahre
1327 wurde östlich an das Vierungsquadrat anschließend
Abb. 33. inneres der Ruprechtskirche. eine 1340 (gleichzeitig mit dem Chore von St. Stephan)
fertiggestellte Erweiterung vorgenommen, die bis zu
dem jetzigen Gitter reichte; bei einem weiteren Ausbau kam 1416 der übrige Teil des Chor
schlusses hinzu. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 63'84 m, davon entfallen auf das Langhaus
2812 m, das Querhaus 8'21 m und den Chor 27'50 m. Vor dem Chore stand ein gotischer Lett
ner. An der südlichen Langhausaußenwand ist der Ölberg von Meister Hueber, ein interessantes
Holzschnitzwcrk aus dem Jahre 1498, zu sehen (siehe Abb. 34). Die Folgezeit (die Barocke und
spätere Jahrhunderte) hat manches
Alte zerstört, aber auch manches Abb. 34. Reliefbild am Äußeren der Michaelerkirche.
vollwertig künstlerisches Neues ge
schaffen, wie den 1780 nach einem
Entwürfe von d’Avrange in Alabaster
ausgeführten Hauptaltar (Tafel II).
Aus dem Ende des 18. Jahrhunderts
stammt auch die Fassade, die 1792
nach einer Zeichnung des Ferdinand
von Hohenberg nach der alten
niederländischen Type ausgestaltet
wurde; Lorenzo Mattielli ist der
Meister der Portalgruppe (1725).
Der Turm erhielt seine jetzige Be
krönung im Jahre 1594.
Hofburgkapelle (Abb. 16). 2 )
Der heute bestehende einschif
fige Bau wurde 1449 geweiht; aber
schon 1265 bestand hier eine ein
fache romanische Kapelle. Die Ge
wölbe werden von reichen, fein
gegliederten Wanddiensten getragen,
die in ähnlicher Weise wie bei der
Herzogen- und Sankt Katharinen-
*) Lind, Die St. Michaels-Kirche, in Be
richten und Mitteilungen des Altertumsvereines,
III, V, XVI, XXII, und Mitteilungen der k. k.
Zentralkonimission, XIX, alte Folge und 1879.
*) M o n to ye r und Karajan, Die Wiener
Hofburg. Hormayr, Geschichte Wiens, Bd. II.
Berichte und Mitteilungen des Altertumsver
eines, VI und XXVII.