MAK

Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

472 
Denkmale und Brunnen. 
infolge der strengen und kühlen akademischen Formengebung in seiner antiken Behandlung 
wenig günstig zu seiner Umgebung. Im Kaisergarten ist Kaiser Franz I. noch ein Reiterdenkmal 
errichtet worden, welches nach einem Modelle von Moll in Bronze gegossen ist (Abb. 754). 
Mit dem Namen Fernkorn ist in Wien eine Reihe der schönsten upd populärsten Denkmale 
verknüpft, welche auch hier gegossen werden konnten, da durch Fernkorns Einfluß die 
k. k. Kunst-Erzgießerei in Wien entstand, 
deren erster Leiter er war. So ließ Kaiser 
Franz Josef I. auf dem Äußeren Burg 
platze 1859 dem heldenmütigen Feldherrn 
Erzherzog Karl (Abb. 769), 1860 dem 
ruhmreichen Sieger Prinz Eugen von 
Savoyen (Abb. 768) Reiterstandbilder er 
richten, welche sowohl in künstlerischer 
als technischer Beziehung hervorragende 
Werke des Kunstgusses bilden. Die Ar 
chitektur zu diesen beiden Denkmalen 
schuf van der Nüll. Die Sockel aus 
Untersberger Marmor sind mit Wappen 
schildern. Trophäen und Inschrifttafeln 
reich geziert. Das erste Denkmal ist bis 
zur Fahnenspitze 16'5m hoch, das zweite 
etwa um einen Meter niedriger. 
Im Jahre 1862 folgte, gleichfalls in 
Bronzeguß von Fernkorn, vor der techni 
schen Hochschule das Denkmal für Josef 
Ressel, dem Erfinder der Schiffsschraube, 
in ganzer Figur auf einem Unterbau von 
Karststein. 
Als drittes Reiterdenkmal entstand* 
1867, durch Bildhauer Julius Hähnel aus 
geführt, das Denkmal des Feldmarschalls 
Fürsten Schwarzenberg, welches Kaiser 
Franz Josef I. „dem siegreichen Heer 
führer der Verbündeten in den Kriegen 
1813—1814“ errichten ließ. Zwischen 
dem Palais des Fürsten und der Ring 
straße auf dem gleichnamigen Platze 
stehend, zeigt dieses Denkmal im Gegen 
sätze zu den zwei oben genannten größte 
Ruhe und Einfachheit, ohne künstlerisch 
besonders anzusprechen. Der glatte Sockel 
unterbau und die umschließenden Pfeiler 
sind aus Karstmarmor. 
Nicht der Mangel an geeigneten Plätzen für die Aufstellung von Denkmalen in der 
Innern Stadt und den Bezirken, sondern der mehr malerische als monumentale Zug in der 
Plastik gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte bald zur Wahl des Stadtparkes als beliebtesten 
Aufstellungsort für unsere Denkmale, in welchem 1872 als erstes das Schubert-Denkmal 
(Abb. 758) vom Wiener Männergesangsvereine errichtet wurde. C. Kundmann schuf die 
sitzende Figur aus Carraramarmor, auf mäßig hohem Karstmarmorsockel, dessen vier Seiten 
noch mit Marmorreliefs geschmückt sind; der Stufenunterbau ist aus sächsischem Granit. Ganz 
in der Nähe folgte 1877 vom Bildhauer Franz Pönninger das kleine Denkmal, dem Andenken 
des Bürgermeisters Andreas Zelinka gewidmet, eine Büste auf Porphyrsockel. 
Gleichfalls hier errichtete 1896 eine Anzahl von Künstlern und Verehrern dem hoch- 
geschätzten Landschaftsmaler Emil Schindler (Abb. 759) ein Denkmal, von E. Helmer aus 
Carraramarmor ausgeführt, welches den Künstler auf einem Felsblock ruhend, mit dem 
sinnenden Blick in die Ferne, darstellt. Zwei Jahre später folgte 1898 das Makart-Denkmal 
(Abb. 761) von Viktor Tilgner, den großen Meister Hans Makart im Kostüme seines berühmten 
Festzuges vom Jahre 1879, gewissermaßen als Triumphator seiner populären Schöpfung, in 
Abb. 768. Reiterstandbild des Prinzen Eugen von Savoyen 
(Äußerer Burgplatz).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.