MAK

Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

42 
Gebäude für Kultuszwecke. 
eremiten Grund zum Baue einer Kirche 
neben der Burg an. 1349 wurde das Lang 
haus geweiht, der Chor war jedoch 1399 
noch immer nicht vollendet. Die Kirche 
erhielt 1525 eine Verbindung mit der Hof 
burg und 1784 wurde eine neue Loretto- 
kapelle neben der Kirche erbaut, nachdem 
die 1627 im Mittelschiffe errichtete nieder-' 
gerissen worden war. Der Aufbau des 
Turmes, der schon im Jahre 1652 eine 
Erhöhung erhalten hatte, stammt von 
1849/50. 
Das Langhaus ist der Wiener Schule 
entsprechend ein Hallenbau, jedoch mit 
drei gleich hohen Schiffen (18'64 m Höhe), 
zählt sechs Joche der Länge nach und er 
reicht bei einer Breite von 9'86m (Mittel 
schiff doppelt so breit wie die Seiten 
schiffe) eine Länge von 45-18 m. Der 
Chor erstreckt sich mit fünf Jochen auf 
eine Länge von 29-53m, ist lO’llm breit 
und 22-75 m hoch. Der Schluß erfolgt mit 
sieben Seiten des Zehnecks. Achteckige 
Pfeilerschäfte mit runden Eckvorlagen 
tragen die Kreuzgewölbe im Langhause; 
Abb. 39. Minoritenkirche (in Restauration begriffen). der Übergang der Rippen wird durch 
zierliche Blumenkapitäle der Eckdienste 
vermittelt. Auch der Chor ist mit Ausnahme des Chorschlusses, der ein Netzgewölbe aufweist, 
mit Kreuzgewölben überdeckt. Die Schlußsteine des Langhauses sind teils mit Pflanzenorna 
ment, teils mit dem Agnus dei, dem Augustinusbild und Evangelistensymbolen geschmückt. 
Nur die Nordlangseite der Kirche steht frei. Ungemein hohe spitzbogige Fenster ohne Maß 
werk beleben die Fläche, die außerdem durch Strebepfeiler mit spitzen Giebeln gegliedert wird. 
Berühmter als die Kirche ist das im Inneren derselben gegenüber dem Haupteingangstor im 
Aufträge des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen von Antonio Canova 1805 errichtete 
Grabmal der Erzherzogin Maria Christine, Tochter der Kaiserin Maria Theresia. In äußerst 
wirkungsvollem Gegensatz zu den starren Linien der Grabpyramide schreiten in weich fließender 
Bewegung die Tugend und die Wohltätig 
keit dem finstergähnenden Grabinneren 
entgegen (siehe Abschnitt: Denkmale). 
Rechts vom Chor, von diesem 
durch einen Kreuzgangflügel getrennt, 
liegt die St. Ge orgs-Kapelle, die als 
Vertreterin einer höchst eigenartigen 
Baugruppe, der zweischiffigen Kirchen 
bauten, baugeschichtlich weit bedeut 
samer ist als die Kirche selbst. Als 
Kapelle der von Otto dem Fröhlichen 
gestifteten Gesellschaft der Tempeloise 
1337 zum ersten Male erwähnt, wurde 
sie erst nach dem Tode Ottos 1341 
geweiht. Drei schlanke Pfeiler auf zylin 
drischen Sockeln teilen den Raum in 
zwei vollkommen gleiche Schiffe, deren 
Abb. 40. Sf. Georgs-Kapelle. Grabmal Kaiser Leopold II. jedes mit einer Apsis aUS fünf Seiten 
des Achtecks schließt. Den bimförmigen 
Rippen entsprechen halbrunde Pfeilervorlagen, kleine, einfache Kapitale kennzeichnen die Kämpfer 
punkte. Das rechte Seitenschiff wird durch vier große, maßwerklose Fenster erleuchtet, wäh 
rend die drei schmalen Fenster des rechten Chores einfaches Maßwerk aufweisen. An den
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.