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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

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Gebäude für Kultuszwecke. 
ist. An dem Bau des Turmes, 
der in die Zeit von 1534 
bis 1536 fällt, dürfte Meister 
Benedikt Kölbl beteiligt ge 
wesen sein. Nicht minder 
reizvoll sind die mit weit 
ausladenden Baldachinen ge 
schützten Portale. Im letzten 
Jahrzehnt des 19. Jahrhun 
derts nahm Prof. Luntz eine 
gründliche Wiederherstellung 
der Kirche vor; der Aufbau 
des Turmes oberhalb der 
Galerie mußte abgetragen 
und so gut wie neu hergestellt 
werden, auch die Schäden der 
Westfassade wurden mit kun 
diger Hand gebessert. 1 ) 
St. Elisabeth des Deut 
schen Ritterordens 
(Abb. 20). 2 ) 
Die erste, wahrschein 
lich spätromanische Anlage 
wird 1251 erwähnt. Der 
jetzige Bau, der eine ähn 
liche abwechslungsreiche Ge 
schichte hat wie die Mino 
ritenkirche, wurde 1326 ge 
weiht und 1747 durchgrei 
fend restauriert. An der 
einschiffigen, mit Kreuzge 
wölben überdeckten Kirche 
können nur die zwei mittle 
ren Joche Anspruch auf Alter 
erheben. Die ohne Absatz 
bis an das Dach reichenden 
Strebepfeiler sind nach innen 
gezogen, dazwischen liegen 
nicht wie sonst kapellen 
artige Nischen, sondern eine dicke Wand füllt den Raum aus. Aus der Seitenwand der 
Pfeiler, die zugleich die Fensterleibung bildet, wächst ein Dienst, der oben in freitragende, 
einem Spitzenvorhang vergleichbare, reiche Hängebogen übergeht. An der Nordseite fehlen 
die Fenster, doch ist das Kaffgesimse und die darunterliegende Wand nach außen hin aus 
gebaucht. Diese Abnormalität gehört in die Barockzeit. Ursprünglich war sicher ein gerader 
Chorschluß ohne Apside vorhanden. 
Abb. 42. St. Georgs-Kapelle (Augustinerkirche). 
Karmeliterkirche am Hof (Abb. 21). 3 ) 
Trotz der in virtuoser Weise durchgeführten Barockverkleidung dringt der gotische 
Charakter überall durch. Die Karmeliten wurden von Rudolf IV. nach Wien berufen, bezogen 
zuerst das von den Augustinereremiten aufgegebene Spital vor dem Werdertor, dann das Merten 
spital vor dem Widmertor und gelangten durch Ankauf 1386 in den Besitz der Kapelle im Münzhof 
samt dem Münzhof selbst. Der Bau der Kirche wird die zwei ersten Dezennien des 15. Jahr- 
') Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines. 1893 und 1896. 
-) Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines, XIII, XIV, XXVII, XXIX, und Tschischka, Kunst und Altertum im 
österreichischen Kaiserstaate. Wien 1836. 
3 ) Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines, V (Lind), XVI, und Mitteilungen der k. k. Zentralkommission, 1873.
	        
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