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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

II.  KATHOLISCHE  KIRCHEN  DES  17.  UND  18.  JAHRHUNDERTS.

Die  Kuppeln  von  St.  Karl  und  von  St.  Peter,  der  Salesianerinnen-  und  der  Maria-Treu-Kirche
sind  für  das  Wiener  Städtehild  ebenso  charakteristisch  wie  der  Stephansturm.  Sie  gehören  mit
noch  einigen  anderen  ihnen  ähnlichen  zu  der  jüngeren  Generation  der  Barockkirchen  unserer
Stadt.  Die  älteren  sind  im  Typus  von  letzteren  wesentlich  verschieden.  Ihre  Entstehungszeit  ist
die  Epoche  der  beginnenden  Gegenreformation,  die  Regierungszeit  Kaiser  Ferdinands  II.
(1619—1637).  Unter  diesem  Monarchen  sehen  wir  Wien  auf  dem  besten  Wege,  den  Städten
Spaniens  unter  Philipp  III.  in  bezug  auf  Klostergründungen  es  gleichzutun.  Die  Verpflanzung  der
Barnabiten  nach  St.  Michael  mitgerechnet  (1626),  entsteht  1622—1627  fast  in  jedem  Jahre  ein
neues  Kloster;  im  Jahre  1624  und  1627  wurden  deren  sogar  je  zwei  gegründet  (Kapuziner
mit  der  kaiserlichen  Gruft,  Karmeliter-Barfüßer  in  der  Sperlgasse,  Barmherzige  Brüder  in
der  Taborstraße,  Jesuiten  an  der  Universität,  Paulaner  auf  der  Wieden).  Früher  als  alle  diese
Klöster,  noch  unter  Kaiser  Matthias  (1612—1619),  entstand  die  jetzige  Franziskanerkirche.  Sie
ward  mit  Benützung  der  Reste,  die  nach  dem  Brande  von  1525  übrig  geblieben,  neu  gebaut.
In  der  Regierungszeit  Ferdinands  III.  (1637—1657)  erhebt  sich,  ebenfalls  aus  den  Resten
eines  älteren  Denkmals,  die  zweite  Jesuitenkirche  Wiens,  St.  Anna  mitsamt  ihrem  Kloster,  das
schon  Kaiser  Rudolf  II.  dem  Orden  überlassen.  Derselben  Epoche  gehören  hinsichtlich  ihrer
Entstehungszeit  der  Neubau  der  Dominikanerkirche  und  das  Augustinerkloster  zu  St.  Rochus
und  Sebastian  auf  der  Landstraße  an.  Dasselbe  gilt  von  dem  Neubau  der  Schottenkirche,
welcher  nicht  der  Initiative  des  Landesherrn,  sondern  dem  Kloster  selbst  zu  verdanken  ist,
und  von  dem  Hernalser  Kreuzweg,  geschaffen  durch  das  Zusammenwirken  des  Kaisers,  des
Magistrates  der  Stadt  Wien  und  der  Corpus  Christi-Brüderschaft.  Fast  alle  die  bisher  genannten
Klöster  gehören  spanischen  oder  in  den  Provinzen  der  spanischen  Weltmonarchie  entstandenen
Orden  an.  Wie  man  sieht,  erfreuten  sich  die  Jesuiten  in  erster  Linie  der  Gunst  der  Mächtigen,
nächst  ihnen  dann  die  zu  jener  Zeit  in  Spanien  selbst  bekanntlich  sehr  einflußreichen  Dominikaner. ­
  Die  Gegenreformation  hatte  in  den  Ländern  von  Innerösterreich  bereits  ihr  Werk  getan,
war  in  der  Schlacht  am  Weißen  Berge  über  die  böhmischen  Ketzer  Sieger  geblieben  und
bemühte  sich  eifrigst,  in  der  Hauptstadt  der  Donaulande  ihre  Erfolge  sicherzustellen.
Es  kam  die  Zeit  des  Dreißigjährigen  Krieges,  und  drei  Denkmale  gibt  es  im  Weichbilde
der  Stadt  Wien,  welche  heute  noch  an  seine  Drangsale  und  seine  Helden  gemahnen.  Das
eine  ist  die  Kapelle  der  in  Schweden  geborenen  heiligen  Brigitta,  erbaut  an  der  Stelle  in
den  Donauauen,  wo  Erzherzog  Leopold  Wilhelm  der  Gefahr,  von  einer  Schwedenkugel  getroffen ­
  zu  werden,  glücklich  entgangen  war;  das  zweite  die  Kirche  der  in  der  Roßau  angesiedelten ­
  Serviten,  zu  deren  Erbauung  Graf  Oktavio  Piccolomini  die  Mittel  zur  Verfügung  gestellt;
das  dritte  die  Kirche  der  Benediktiner  von  Monserrato,  welche  Ferdinand  III.  in  der  schlimmsten
Zeit  des  Glaubenskrieges  angelobt  und  nach  der  Schlacht  bei  Lützen  (1623)  zu  bauen  begonnen ­
  hatte.  Die  heutige  „Schwarzspanierkirche“  ersetzte  in  der  Zeit  Kaiser  Leopolds  I.  diesen
Bau,  den  die  zweite  Türkenbelagerung  zerstört  hatte.
Von  den  Kirchen,  die  nach  dem  Westfälischen  Frieden  entstanden,  der  den  österreichischen ­
  Landen  die  Glaubenseinheit  gesichert  hatte,  sind  jene  von  St.  Ulrich  und  die  Mariahilfer ­
  Kirche  Ableger  respektive  Gründungen  der  Schotten  und  der  Barnabiten.  Erstere  bezeichnet
den  Beginn,  letztere  steht  schon  so  ziemlich  nahe  dem  Ende  der  kirchlichen  Baubewegung
in  der  ereignisreichen  Epoche  Kaiser  Leopolds  I.  (1657—1705),  deren  endgültigen  Abschluß
die  Petrus-  und  Pauluskirche  in  der  Apostelgasse  (III.  Bezirk)  markiert,  während  die  Pfarr-
            
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