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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 2: Hochbau und Architektur, Plastik und Kunstsammlungen

Katholische  Kirchen  des  17.  und  18.  Jahrhunderts.

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kirche  zu  den  vierzehn  Nothelfern  aus  der  Erde  zu  steigen  begannen,  da  hatte  Kaiser  Josef  I.
seinem  Bruder  Karl  VI.  bereits  den  Platz  geräumt.  Die  beiden  stolzen  Dome,  welche  im  Verein
mit  der  Peterskirche  mit  zu  den  mächtigsten  architektonischen  Wahrzeichen  Wiens  gehören,
die  Karlskirche  und  die  oben  bereits  erwähnte  Salesianerinnenkirche,  verewigen  die  Glanzperiode ­
  der  Regierung  dieses  Monarchen.  Sie  sind  das  gewaltige  Monument  der  Epoche  der
pragmatischen  Sanktion,  der  Friedensschlüsse  von  Utrecht  und  Rastatt  und  von  Passarowitz,
der  niemals  vorher  und  nachher  erreichten  Ausdehnung  des  Reiches,  des  in  der  „Neo-aucta
Vienna“  erwachten  stolzen  Bewußtseins,
die  Reichshaupt-  und  Residenzstadt  eines
großen  Völkerreiches  zu  sein.  In  der
Kirche  des  „spanischen  Spitales“  in  der
Alservorstadt,  welche  der  Kaiser  für  seine
italienischen,  spanischen  und  belgischen
Untertanen  hatte  erbauen  lassen  (seit
Josef  II.  Waisenhauskirche),  erzählen  die
vier  Altäre  der  Schutzpatrone  von  Mailand
(St.  Bartholomäus),  Belgien  (St.  Petrus),
Neapel  (St.  Januarius)  und  Sizilien  (St.  Rosalia), ­
  jeder  mit  dem  Wappen  des  betreffenden ­
  Landes  geschmückt,  noch  heute
von  der  großen  Zeit,  da  mit  der  Lombardei ­
  und  mit  den  Niederlanden  auch
Neapel  und  Sizilien  zum  Hause  Österreich ­
  gehörte.  Die  beiden  Kreuzkirchen,
deren  Bau  Kaiser  Karl  VI.  noch  angeordnet, ­
  jene  in  der  Stiftskaserne  und  jene
des  Dreifaltigkeitsspitales,  des  jetzigen
Hauses  der  deutschen  Garde  am  Rennweg ­
  (vollendet  erst  gleichzeitig  mit  dem
Abschluß  des  Hubertsburger  Friedens),
erscheinen  der  retrospektiven  historischen
Betrachtung  schier  wie  das  Kreuz,  aufgepflanzt ­
  auf  dem  Grabe  aller  bezüglich
des  spanischen  Erbes  so  lange  genährten
überschwenglichen  Hoffnungen.
Im  übrigen  zeigen  schon  die  beiden,
zu  Beginn  der  Epoche  Karl  VI.  entstandenen ­
  Baudenkmale  in  bezug  auf  die  Erbauung ­
  von  Gotteshäusern  eine  Veränderung ­
  der  maßgebenden  Gesichtspunkte
an.  Die  letzten  Regierungsjahre  des  Kaisers
sahen  außer  den  beiden  soeben  erwähnten ­
  Spitalskirchen  nur  mehr  Pfarrkirchen
sich  erheben,  desgleichen  die  Zeiten  Maria
Theresias,  zum  deutlichen  Zeichen  für
Abb.  75.  Jesuitenkirche,  i„  Universitätsplatz.  die  Tatsache,  daß  „die  spanischen  Ideen,
mit  denen  man“,  nach  den  Worten  der
großen  Kaiserin,  früher  „allzeit  hervorgekommen“,  und  damit  auch  die  spanischen  Orden
beträchtlich  an  Interesse  verloren  hatten,  daß  fortan  nur  mehr  die  Rücksicht  auf  die  Linderung ­
  der  allgemeinen  Not  und  auf  die  „Ordnung  der  kirchlichen  Verhältnisse“  die  kirchenpolitische ­
  Tätigkeit  der  Regierenden  nach  dieser  Richtung  hin  beherrschte.  Noch  unter  Karl  VI.
ersteht  in  Matzleinsdorf  an  Stelle  einer  der  Vermählung  Mariä  geweihten  Kapelle  die  Pfarrkirche ­
  zum  hl.  Florian  und  wenige  Jahre  später  die  Pfarrkirche  in  Neulerchenfeld;  unter  Maria
Theresia  die  Kirche  des  hl.  Laurenz  in  Simmering,  die  Kirche  der  hl.  Thekla  auf  der  Wieden,
die  Kirche  der  hl.  Gertrud  in  Währing,  die  Pfarrkirche  zum  hl.  Ägidius  in  Gumpendorf,  die
Pfarrkirche  zum  hl.  Josef  in  Margareten,  die  Waisenhauskirche  Mariä  Geburt  am  Rennweg.
In  die  Regierungsjahre  des  letzten  Sprößlings  aus  dem  Hause  Habsburg  und  seiner  großen
Tochter  fallen  auch  jene  Gründungen  glaubenseifrigen  Bürgertums,  wie  die  Kapelle  des

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