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11»tei? dem Einflnfse der Jahreszeiten verändern die Auen, deren Anblick in erster
Linie durch die Vegetation bedingt ist, wesentlich ihren Charakter. Um dem Leser in Kürze
ein Bild vom Typus dieser Gegenden zu geben, trete er in die stillen Gründe während
des Frühjahrserwachens, im Spätsommer und im Winter.
Frühling ist es, lichtblau der Himmel, warm die Sonnenstrahlen, die an der Sandbank
lecken, so daß Tausende von kleinen Muscheln krystallhell glänzen, grünlich schimmert
die Donau und niedrig ist der Wasserstand. Über Schotterbänke hinweg, zwischen leichtem
Weidenanflng, dem großäugige Triele, kleine Sandläufer und Regenpfeifer mit langgedehntem
Rufe entfliegen, gelangen wir an Wasserarmen und Lacken vorbei; hoch ist
schon das Schilf und zwischen breitlaubigen Wasserblumen und saftig grünen Blättern
huschen Fische umher und unzählige Frösche; unter unseren Tritten knirscht der heiße Kies
und gleich daneben versinkt der Fuß im tiefen Lehm. Stockenten, alle gepaart, Plättern
empor, erschreckt ihr Nest verlassend, und eine überraschte Otter gleitet in die klare Flut.
Über ein steil überhängendes Ufer klettern wir hinauf und dringen in die Geheimnisse des
Anwalde? ein. Lwhe Reitgräser, dichte Gebüsche, mit Waldreben und wildem Hopfen
umsponnene Erlen hemmen auf Schritt und Tritt die Wanderung.
Die Pappeln duften so eigenthümlich stark, die letzten Veilchen verblassen und die
ersten Maiglöckchen entsenden ihren Wohlgeruch, der Bärenlauch und andere Zwiebelpflanzen
öffnen ihre Blüten, Alles sproßt und grünt, ein dichtes Lanbdach ist über nnS
ansgespannt, in welchem Grasmücken ihre Lieder schmettern und goldgelbe Pirole pfeifend
nmherhuschen, verliebte kurtet- und Ringeltauben girren in den Kronen der hohen
Silberpappeln und Nebelkrühen sitzen krächzend bei ihren Nestern. Nun gelangen wir in
eine» lichten Bestand. Schlanke weiße Stämme ragen hoch empor, Ranbvögel-Horste stehen
,n ansehnlicher Zahl in den gabelförmigen Äste»; rothe und schwarze Milane, Bussarde,
Blaufuß und kleinere Falken führen da ein herrliches Leben; die Weibchen sitzen auf den
Nestern, während die Männchen hoch in den ätherblauen Lüften ihre Flugkünste ausführen;
hier und da hängt noch ein alter breiter Adlerhorst windschief an einem dicken Aste als
Beweis, daß hier vor Zeiten noch mächtigeres Raubzeug hauste. Ein niederer Hau am
Rande des Hochwaldes, bedeckt mit dornenbewehrten Gebüschen, hohen Gräsern und
einzelnem Röhricht, muß durchschritten werden; Fasane fliegen lärmend auf und tänzelnden
Fluge? flattern allenthalben die am Boden nistenden blauen Wiesen-, weißlichen Korn- und
rostbraunen Rohrweihen empor, ein Reh blickt schüchtern nach den fremden Eindringlingen
und ober dem nahen breiten Schönauer Arm kreist bentesuchend ein weißer Fischadler.
Zwei nicht allzu große Waldpartien, hohe Pappelgehölze, mit dichtem llnterwuchs
zwischen den breiten iLtäminen, von kleinen lehmigen Wasseradern durchzogen, fesseln nun
unsere Aufmerksamkeit durch das eigenthümliche Leben, das sich da vor den Blicken entrollt.