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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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11»tei?  dem  Einflnfse  der  Jahreszeiten  verändern  die  Auen,  deren  Anblick  in  erster
Linie  durch  die  Vegetation  bedingt  ist,  wesentlich  ihren  Charakter.  Um  dem  Leser  in  Kürze
ein  Bild  vom  Typus  dieser  Gegenden  zu  geben,  trete  er  in  die  stillen  Gründe  während
des  Frühjahrserwachens,  im  Spätsommer  und  im  Winter.
Frühling  ist  es,  lichtblau  der  Himmel,  warm  die  Sonnenstrahlen,  die  an  der  Sandbank ­
  lecken,  so  daß  Tausende  von  kleinen  Muscheln  krystallhell  glänzen,  grünlich  schimmert
die  Donau  und  niedrig  ist  der  Wasserstand.  Über  Schotterbänke  hinweg,  zwischen  leichtem
Weidenanflng,  dem  großäugige  Triele,  kleine  Sandläufer  und  Regenpfeifer  mit  langgedehntem ­
  Rufe  entfliegen,  gelangen  wir  an  Wasserarmen  und  Lacken  vorbei;  hoch  ist
schon  das  Schilf  und  zwischen  breitlaubigen  Wasserblumen  und  saftig  grünen  Blättern
huschen  Fische  umher  und  unzählige  Frösche;  unter  unseren  Tritten  knirscht  der  heiße  Kies
und  gleich  daneben  versinkt  der  Fuß  im  tiefen  Lehm.  Stockenten,  alle  gepaart,  Plättern
empor,  erschreckt  ihr  Nest  verlassend,  und  eine  überraschte  Otter  gleitet  in  die  klare  Flut.
Über  ein  steil  überhängendes  Ufer  klettern  wir  hinauf  und  dringen  in  die  Geheimnisse  des
Anwalde?  ein.  Lwhe  Reitgräser,  dichte  Gebüsche,  mit  Waldreben  und  wildem  Hopfen
umsponnene  Erlen  hemmen  auf  Schritt  und  Tritt  die  Wanderung.
Die  Pappeln  duften  so  eigenthümlich  stark,  die  letzten  Veilchen  verblassen  und  die
ersten  Maiglöckchen  entsenden  ihren  Wohlgeruch,  der  Bärenlauch  und  andere  Zwiebelpflanzen ­
  öffnen  ihre  Blüten,  Alles  sproßt  und  grünt,  ein  dichtes  Lanbdach  ist  über  nnS
ansgespannt,  in  welchem  Grasmücken  ihre  Lieder  schmettern  und  goldgelbe  Pirole  pfeifend
nmherhuschen,  verliebte  kurtet-  und  Ringeltauben  girren  in  den  Kronen  der  hohen
Silberpappeln  und  Nebelkrühen  sitzen  krächzend  bei  ihren  Nestern.  Nun  gelangen  wir  in
eine»  lichten  Bestand.  Schlanke  weiße  Stämme  ragen  hoch  empor,  Ranbvögel-Horste  stehen
,n  ansehnlicher  Zahl  in  den  gabelförmigen  Äste»;  rothe  und  schwarze  Milane,  Bussarde,
Blaufuß  und  kleinere  Falken  führen  da  ein  herrliches  Leben;  die  Weibchen  sitzen  auf  den
Nestern,  während  die  Männchen  hoch  in  den  ätherblauen  Lüften  ihre  Flugkünste  ausführen;
hier  und  da  hängt  noch  ein  alter  breiter  Adlerhorst  windschief  an  einem  dicken  Aste  als
Beweis,  daß  hier  vor  Zeiten  noch  mächtigeres  Raubzeug  hauste.  Ein  niederer  Hau  am
Rande  des  Hochwaldes,  bedeckt  mit  dornenbewehrten  Gebüschen,  hohen  Gräsern  und
einzelnem  Röhricht,  muß  durchschritten  werden;  Fasane  fliegen  lärmend  auf  und  tänzelnden
Fluge?  flattern  allenthalben  die  am  Boden  nistenden  blauen  Wiesen-,  weißlichen  Korn-  und
rostbraunen  Rohrweihen  empor,  ein  Reh  blickt  schüchtern  nach  den  fremden  Eindringlingen
und  ober  dem  nahen  breiten  Schönauer  Arm  kreist  bentesuchend  ein  weißer  Fischadler.
Zwei  nicht  allzu  große  Waldpartien,  hohe  Pappelgehölze,  mit  dichtem  llnterwuchs
zwischen  den  breiten  iLtäminen,  von  kleinen  lehmigen  Wasseradern  durchzogen,  fesseln  nun
unsere  Aufmerksamkeit  durch  das  eigenthümliche  Leben,  das  sich  da  vor  den  Blicken  entrollt.
            
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