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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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wie graugrüne Wände umsüumen die Auwälder beide Ufer so weit das Auge reicht, tiefe 
Stille herrscht, nur dann und wann unterbricht ein Dampfschiff die Ruhe des Abends. 
An den schotterigen Gestaden stehen in statuenhafter Unbeweglichkeit Fischer, die 
Pfeife im Munde, in zerlumpten Kleidern, wettergebräunte Leute, das kleine Netz in den 
Händen — Seeräuber nennt sie das Volk in diesen Gegenden. Fischen, ein reines Glück- 
spiel in Anbetracht der mangelhaften Utensilien, bildet den Haupterwerb, etwas Schlingen- 
stellen, Auffinden der hier in reicher Zahl angeschwemmten Leichname, Baumklettern 
und Nesterausnehmen sind ihre Nebenerwerbsquellen, und Rudern in elenden Kähnen bei 
jedem Wetter, den Eisstoß, kaum daß er sich bildet, als Brücke benützen, sind Künste, in 
denen diese halb im Wasser halb auf dem Lande lebenden amphibienartigen Menschen 
Meisterstücke liefern. 
Eine kühle, tief dunkle Spätsommernacht liegt rings gebreitet; in einem Kahne 
gleiten wir rasch über die Donau. Nasse Nebel, wie sie am Strome auf und nieder ziehen, 
durchfrösteln Mark und Bein und das hohe Reitgras am Ufer trieft vom Thau, der 
allnächtlich in reicher Menge Alles überdeckt. 
Allmälig beginnt es im fernen Osten zu dämmern, lichte Streifen überziehen immer 
weiter und weiter sich dehnend die eine Hälfte des Firmamentes, während die andere noch 
in bleischwarzen Tinten schwimmt. Der Ruf des Waldkauzes, der langgezogene Pfiff 
des Triels, das heisere Kreischen des nächtlich fischenden Reihers, sowie der schwirrende 
Flügelschlag der endlosen Eulenzüge, die von den Feldern und kleinen Bächen in die Auen 
zurückkehren, stören die majestätische Ruhe der schönen Septembernacht. Über Sanddüneu, 
durch Weidenanflug, an einem Arme entlang dringen wir vor gegen das Rohrwörth, dessen 
Hochhölzer wie dunkle Mauern uns gegenüberstehen. Plötzlich erschallt ein Ruf, eine tiefe, 
imposante, weithin schallende Stimme; wie Orgelton klingt das Brautlied des hochgeweihten 
Hirsches; dem wackeren Kämpfer antwortet nicht allzuweit ein würdiger Rivale, und bald 
lassen sich von jedem Haufen aus den verschiedensten Richtungen her dröhnende Stimmen 
vernehmen. Jetzt heißt es warten; wir stehen am Ufer eines kleinen Armes, am Rande 
eines Hochholzes. Leise plätschert es im Wasser, bald da, bald dort; fischende Ottern siuds, 
und nun fallen auch sausend Enten dicht neben uns ein, quakend rascheln sie umher und 
nur wie Schatten unterscheidet man sie gegen den leichten Schotter zu. Gespenstisch 
huscht ein Reiher daher, um einen Morgenimbiß einzunehmen, und pfeifendes Wassergeflügel 
schwirrt ununterbrochen durch die Lüfte. 
Je näher dem Sonnenaufgang, desto kälter, desto nasser kleben die Donaunebel 
an den durchweichten Kleidern. Kurze Unterbrechungen ausgenommen orgeln die Hirsche 
unablässig fort. Im Osten wird es immer Heller, noch ist es nicht büchsenlicht, doch vorwärts, 
um lieber nahe zu sein, wenn es vollständig tagt. Ober einem brüchigen hohen Ufer durch
	        
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