Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

124

Wasserstand  des  Flusses.  Das  Wiener  Becken,  sowie  das  nördlich  gelegene  Mähren  ist
zum  Theil  mit  jener  eigenthümlich  gleichförmigen,  aus  Sand  und  Lehm  gemengten  Erdschichte ­
  bedeckt,  welche  die  Geologen  Löß  nennen  und  welche  in  mächtigen  Terrassen  die
beiden  Ufer  der  Donau  begrenzt.
Mitten  in  diesen  Löß  eingebettet,  tief  unter  der  jetzigen  Grasnarbe,  finden  sich
ziemlich  häufig  einzelne  zerstreute  Knochen  des  Mammuth  oder  des  Rhinoceros.  An
einzelnen  Stellen,  wo  Keller  in  die  Lößterrasse  eingetieft  wurden,  trafen  sich  aber  schmale,
schwärzliche  Lagerschichten  von  Knochen  dieser  Thiere  mit  Holzkohlenstiickchen  und  Feuersteinsplittern
  gemengt.  Solche  Fundstellen  sind  Zeiselberg,  Sonnberg,  Gösing,  Stillfried
und  am  oberen  Laufe  des  Flusses  Willendorf  bei  Spitz.
Wirr  durcheinander  lagen  in  diesen  knochenführenden  Schichten  nicht  sowohl  Skelete,
sondern  einzelne  Skelettheile  und  Knochenfragmente  zahlreicher  Thiere  verschiedener  Art
beisammen.  Das  größte  Contingent  bilden  die  Mammuthe,  von  denen  in  Zeiselberg  allein
12  Exemplare  nachgewiesen  werden  konnten.  Dann  kommen  vor  Rhinocerosse,  Pferde,  der
Riesen-,  Edel-  und  Damhirsch,  Renthiere,  Bären,  Wölfe  u.  s.  w.
Die  Feuersteinmesser  von  Zeiselberg,  sowie  die  aus  Stillfried  schließen  schon  durch
ihre  Form  jeden  Zweifel  über  die  künstliche  Bearbeitung  derselben  aus,  sie  dürften  ferner
überzeugende  Beweiskraft  besitzen  durch  die  mit  kleinen  Hieben  erzeugte  künstliche  Schärfung
am  Rande  derselben.  Etwas  anders  geformt  sind  die  Feuersteine  aus  Willendorf,  welche
mit  den  in  Frankreich  gefundenen  mehr  Ähnlichkeit  besitzen.
Das  Material  zu  diesen  Feuersteinen  kommt  aus  der  nördlich  der  Donau  gelegenen
Urgebirgssormation.  Sie  wurden  von  den  rohen  Feuersteinknollen  abgeschlagen  und  dann
erst  in  der  Hand  zugeschärft.  Es  ist  bemerkenswert!),  daß  in  Willendorf  auch  Serpentinsteine ­
  mitgefunden  wurden,  welche  Bearbeitungsspuren  zeigen;  denn  gewöhnlich  findet
man  in  jener  Epoche  nur  den  Feuerstein  nebst  roh  zugeformten  Knochen  als  einziges
Werkzeugsmaterial  des  Menschen  vor.  Die  zugeformten  Knochen  zeigen  wohl  deutlich  die
Spuren  der  Bearbeitung,  nicht  aber  die  der  Zusormung  zu  brauchbaren  Werkzeugen.
Bemerkenswerth  ist  ein  großer  Mammuthzahn  und  ein  Rückenwirbel  desselben  Thieres
aus  Zeiselberg,  sowie  ein  Stoßzahn  aus  Stillfried,  welche  ebenfalls  Bearbeitungsspuren
zeigen.  Der  obere  Theil  des  einen  Stoßzahnes  ist  mit  kleinen  Schlägen  abgetrennt
worden,  der  Rückenwirbel  mit  unzähligen  Schnittwunden  bedeckt.  Auch  au  dem  Stoßzahn
aus  Stillfried  find  Hiebe  und  Arbeitsspuren  deutlich  sichtbar.
Nach  Ansicht  der  Forscher  stammen  diese  Knochen  aus  Lagerplätzen  der  Mammuthjäger,
  welche  am  Strande  der  Donau  in  jener  fernsten  Zeit  die  von  Nord  und  Süd  zu
verschiedenen  Jahreszeiten  auf  ihren  periodischen  Wanderungen  begriffenen  Thiere  zu
fangen  und  zu  erlegen  wußten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.