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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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Mythen, ^>agen, Märchen und Legenden. 
Wir betreten hier ein Gebiet, in welchem der poetische Sinn des Volkes wahre 
Wunderschätze ins Dasein gezaubert hat, und zwar in einer reichen Fülle und Mannig 
faltigkeit. Die folgende Skizze muß sich jedoch auf die Hauptsache beschränken, aus die Vor 
führung der wichtigsten dem Volksglauben zu Grunde liegenden Gestalten und Motive. 
Der mythische Wodan begegnet uns in der wilden Jagd (im V. Ö. M. B. auch das 
„Donnerhundl" genannt). An die Stelle des heidnischen Gottes ist im christlichen Volks 
glauben der Teufel getreten. Das wilde „G'joad" geht nur „kniehoch" über dem Boden, 
so daß man sich davor schützen kann, wenn man sich platt auf die Erde legt. Hunde sollen 
Nachts von der Kette gelassen werden, denn sie müssen, wie andere Thiere, mitjagen. 
Seitenstücke zur wilden Jagd sind: der höllische" oder „schwaari" (schwere) Wagen, 
welcher mit kopflosen schwarzen Pferden bespannt Nachts polternd über die Häuser 
dahinrast (V. U. W. W.), und der gespenstige Donauschiffzug, dessen Gefährte unter 
unheimlichem Schnauben der Rosse und wilden: Geschrei der Schiffsknechte den: Strom 
ufer entlang zieht. Wodan erkennt man auch im „todten Schimmelreiter", sowie 
einzelne mythische Spuren in dem buckeligen, zwerghasten Todtenmann („Todamann"). 
Von Frau Berchtas Rache erzählen einige Sagen im Ibbsthal (die „Berschtl-Ohrseige , 
der geblendete Bauer.) Die Riesen müssen einst arg gehaust haben. So belagerten sie 
z. B. einmal die Stadt Litschan (V. O. M. B.) und der Riese Änother, von welchem 
das Geschlecht der Einöder stammen soll, folgte Karl dem Großen „ans Schwaben in 
den Avarenkrieg. Er durchwatete die tiefsten Flüsse und trug Feinde, gleich Fröschen an die 
Lanze gespießt, vom Kampfplatze. (Ötschergebiet.) In mehrere andere Riesensagen spielt 
die christliche Christophoruslegendehinein. Von den Zwergen, welche „zwischen Licht und 
Dunkel" ihr Versteck verlassen, fürchtet man nur die schwarzen, mehr oder weniger tückisch 
aber sind sie alle. Gleichwohl erweisen sie sich den Menschen auch freundlich (der Zwerg 
könig vom Schneeberge) und dienstbar (der Straßenbau zu Lenftenberg im V. O. AN. B.). 
Von dem oft ruchlosen Treiben der kleinen Wichte erzählt z. B. die Lage von der aus de: 
Mamau-Alm in: Schneeberggebiete versunkenen Zwergenstadt. 
Die Elementargeister sind nach dem einheimischen Volksglauben gefallene Engel, 
welche Gott auf ihr Bitten in die vier Elemente gebannt hat. 
Im Gebirge spielen die erste Rolle die Bergmännchen („Bergmandl. ), kleine, 
elsenartige Wesen mit frischen Knabengesichtern, grüner Kleidung und eben solchen Kappen 
oder spitzen, auch „gupfigen" Hütchen (daher ihre Eigennamen: „Grünhütl , „Spitzhütl , 
„Gupfhütl".) Die Lieblingskost der kleinen Kerle sind Rosinen. (Am Wechsel.) Muthwillig
	        
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