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mit jugendlicher Kraft auftretenden gothischen Stile. Als Baudenkinale dieses Charakters,
abgesehen von der St. Stefanskirche und der St. Michaelskirche in Wien, haben wir
nebst der einschiffigen Kirche zu Schöngrabern, die diesen Übergang gewissermaßen nur
einleitet, zunächst zu gedenken der Liebfrauenkirche zu Wiener-Neustadt. Dieselbe ist uns
nur im Langhause erhalten geblieben, die Fa^ade und der untere Bau der beiden sie
flankirenden Thnrme, die ebenfalls der romanischen Bauperiode angehörten, wurden in
neuerer Zeit so schadhaft, daß deren Demolirung erfolgen mußte.
Das herrlichste Bauwerk des Übergangsstiles ist die Stiftskirche zu Lilienfeld
(1202 bis 1230), die sich in ihrer Ursprünglichkeit fast ganz erhalten hat und mit den
mächtigen Kirchenbauten zu Maulbronn und Bebenhansen in besonderer Übereinstimmung
steht. An beiden Seiten des Hauptschiffes schließt sich ein niedriges Seitenschiff an, dann
folgt das stark vortretende Qnerschiff und der im halben Zehneck geschlossene'Chor,
umgeben von einem zweitheiligen Umgänge, dessen Gewölbe von zwölf schlanken Pfeilern
mit fein gearbeiteten Blatt- und Knospencapitälen (theilweise spätere Arbeit) getragen
werden. Leider ist die Westfale im Jahre 1703 nmgestaltet worden, wobei auch das
reiche Hauptportal verloren ging.
In diese Zeit des Überganges gehören ferner noch die Kirchen zu Laa, das einschiffige
Langhaus zu Ardagger sammt der großen Krypte daselbst, das Schiff der Kirche zu
Zellerndorf, die alte Kirche zu Gars und die zu Margarethen am Moos, das Presbyterium
der Kirche zu Michelstetten und andere.
Zn den kirchlichen Bauten im weiteren Sinne gehören die in den letzten Decennien
des romanischen etiles entstandenen Krenzgänge der Cistereienserklöster Zwettl, Heiligen
kreuz und Lilienfeld. Sie bilden geradezu mit dein noch zu erwähnenden Krenzgänge in
Klosterneuburg eine hervorragende Merkwürdigkeit unserer niederösterreichischen Kloster-
banten. Da der Bau dieser Krenzgänge in langsamer Weise erfolgte, so sind an ihren ein
zelnen Theilen die Bauzeiten recht deutlich erkennbar und werden in der reichen Decoration
an den p>-ensterbogen und Gewandungen, in den Sänlchen mit den mannigfaltigen Capi-
tülen, in den Fenstergestaltnngen selbst, endlich in den Rippenprvfilirnngen die allmäligen
Stilwandlungen in überraschend bestimmter Weise zur Geltung gebracht. Der Krenzgang
zu Zwettl, in welchem sich die Wandlung des Rundbogens bis zu dem schließlich in der
Constrnetion doininirenden Spitzbogen am deutlichsten ansdrückt, entstand zwischen 1180
und 1217, er ist in der Detailbildung der reichste, in der Entwicklung der mannigfaltigste
und in der baulichen Durchführung der lehrreichste. Der Kreuzgang zu Heiligenkreuz
entstand um 1215, das Capitelhans und das untere Dvrmitorium gehören in das erste
Viertel des XIII. Jahrhunderts, endlich der Krenzgang zu Lilienfeld und das Capitelhans
dabei entstammen auch eben dieser Zeit (1208 bis 1230).