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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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Vvn dem großen Orte Alte „markt ans führt eine Straße durch ein breites wiesen 
reiches Thal am Fuße hoher mit Nadelholz bewachsener Berge vorbei über die Wasserscheide 
nach Alland; ein anderer Weg zweigt ab nach dem reizend gelegenen Ort Reisenmarkt, 
in dessen Nähe sich die weite Fernsicht gewährende Burg Arnstein befindet. Das adelige - 
Geschlecht, das sich vvn der Burg nannte und sie auch wahrscheinlich erbaut hat, läßt sich 
von 1170 bis um die Mitte des XIV. Jahrhunderts verfolgen. Die Ruine mit dem um 
liegenden Waldgebiet ist Besitz des Klosters Heiligenkreuz. 
Von Altenmarkt aus ist auch der alte Ort Klein-Mariazell leicht erreichbar; weit 
hinauf reicht dessen Geschichte. Um das Jahr 1134 faßten zwei Brüder Heinrich und 
Rapoto von Schwarzenburg, Söhne eines reichbegüterten edlen Haderich, den Entschluß, 
unweit ihres Wohnsitzes ein Kloster für Benedietiner zu stiften. Sie widmeten zu diesem 
Zweck ihre vom Vater geerbte Stadt Schwarzenburg, vor Zeiten Nesta genannt. Heute 
bestehen noch das Dorf Nöstach an der Straße von Hafnerberg nach Alland und in der 
Nähe die Reste einer großen Kirche, dem heiligen Pancratius geweiht, die nach diesem 
Heiligen zu schließen einmal die Hanskirche eines adeligen Geschlechtes war. 
Die beiden Brüder bestimmten auch für den Fall ihres Todes eine bedeutende Zahl 
vvn Gütern dies- und jenseits der Donau, die ihrer Stiftung zufallen sollten. Der Mark 
graf Leopold aber schenkte dem zu errichtenden Kloster den Grund und Boden, auf welchem 
es gebaut werden sollte, mit Waldungen und Grundstücken in der nächsten Umgebung und 
behielt sich die Schirmvogtei über das Kloster für sich und seine Nachkommen vor. Der 
Stistbrief datirt aus Klosterneuburg am Lichtmeßtag 1136. Das Kloster bestand bis 1782 
und ist jetzt der Wohnort des Besitzers von Klein-Mariazell. 
Zwischen dem Wege von Klein-Mariazell nach Klausen-Leopoldsdorf und St. Corona 
erheben sich einige recht hohe und durch ihre scharf markirten kegelförmigen Formen an das 
nahe Hochgebirge erinnernde Berge. Sowohl der große Hollerberg als auch der Leistberg 
bieten schöne Fernsichten. Von letzterem überblickt man in südlicher Richtung die immer 
höher sich aufthürmenden Bergreihen über der Triesting, dann dahinter jene von Guten 
stein, den Kuhschneeberg und alle überragend die weißen Wände des Schneeberges: nach 
Norden und Osten schweift das Auge über den großen grünen Wienerwald und durch eine 
Thalsenkung erspäht man an einem ganz reinen Morgen, ohne die zu tief liegende Ebene 
sehen zu können, die blaugraue Kette der kleinen Karpathen. Der schönste und zugleich 
höchste Gebirgsstock des südlichen Wienerwaldes ist der Schöpfl: ein großer Waldeomplex 
hochstämmiger Buchen, Tannen und Fichtenforste; blühende Holzschläge, steile Berghänge 
und einzelne steinige und felsige Partien erinnern den Wanderer an manche Gegenden in 
den oberungarischen Karpathen; es ist ein wilder, urwaldähnlicher dunkler Forst, der gewiß 
nicht an die unmittelbare Nähe der Großstadt mahnt.
	        
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