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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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Unmittelbar  unter  Starhemberg  hat  in  alter  Zeit  ein  Saumweg  über  die  Thallehne
—  er  ist  heute  zu  einer  Fahrstraße  erweitert  —  den  Übergang  in  eines  der  merkwürdigsten
Thäler  vermittelt,  die  das  Land  aufzuweisen  hat;  der  Volksmund  nennt  es  die  Neue
Welt,  der  Geologe  weiß  diesen  Ausdruck  nach  seinem  Sinne  zu  würdigen  und  der  Historiker
führt  zahlreiche  Denkzeichen  für  die  Behauptung  ins  Feld,  das  Thal  müsse  zur  Zeit  der
Römer  von  diesen  und  auch  vor  ihnen  von  einem  kunstsinnigen  Volksstamm  besiedelt
gewesen  sein.  Die  Neue  Welt  enthalt,  wenn  man  ihre  bewohnten  südlichen  Ränder  ausschließt, ­
  zwei  größere  geschlossene  Dörfer  neben  einer  nicht  geringen  Zahl  von  einzelnen
Wohnstätten.  Sie  bildet  eine  von  Nordost  nach  Südwest  ziehende  ziemlich  breite  Thalbucht,
die  ihr  fließendes  Wasser  —  heute  nur  mehr  ein  dünnes  Bächlein,  wenn  es  nicht  vom
Wildwasser  geschwellt  wird  —  durch  eine  enge  Klause  in  die  Neustädter  Ebene  sendet.  Hoch
über  der  Klause  ragt  auf  steiler,  spärlich  bewaldeter  Höhe  die  Burgruine  Emmerberg,
einst  Sitz  der  Truchsessen  von  Steiermark.  Ihr  gegenüber,  die  ganze  Flucht  des  Thales
entlang,  zieht  in  kahlen,  zum  Theil  senkrecht  abstürzenden  Felsen  die  hohe  oder  lange
Wand  (höchster  Punkt  1.045  Meter)  und  über  den  in  Südwest  vorgelagerten  Hügeln
öffnet  sich  ein  höchst  malerischer  Ausblick  auf  den  Schneeberg  mit  seinen  Vorbergen.
Die  Schwarza  und  die  Pütten,  deren  Vereinigung  als  Leitha  berufen  ist,  eine
internationale  Grenze  des  Reiches  zu  bilden,  zeigen  sowohl  in  ihrer  eigenen,  als  auch  in
der  Natur  und  Entwicklung  der  sie  umgebenden  Landschaft  merkbare  Unterschiede.  Die
erstere  mit  all  ihrem  Zufluß  auf  beiden  Seiten  ist  ein  Kind  der  Kalkzone  und  bewegt
sich  auf  ihrem  ganzen  vielfach  gewundenen  Laufe  inner  den  Grenzen  dieser  Zone.  Die
Pütten  —  oder  vielmehr  ihr  Quellgebiet,  denn  sie  heißt  erst  Pütten,  nachdem  sie  ihre
Quellbäche  empfangen  und  ihre  Richtung  nach  Nord  genommen  hat  —  ist  ein  Kind  der
Schiefer-  und  Granwackenzone  und  empfängt  ihre  Zuflüsse  aus  derselben  Zone.
Demnach  spiegeln  sich  die  Unterschiede  in  der  Grundbeschaffenheit  des  Bodens  bei  beiden
Flüssen  in  Allem,  was  ihnen  eigen  ist,  in  der  Färbung  des  Wassers  wie  in  der  Beweglichkeit
des  Laufes,  in  der  Gestaltung  und  dem  Schmuck  ihrer  Thalwege  wie  im  Ausdrucke  ihrer
Landschaft.
Das  obere  Thal  der  Schwarza,  das  mit  einer  westlichen  Ausbiegung  von  Nord  nach
Süd  zieht,  ist  von  mäßig  hohen  Rändern  gesäumt,  die,  theils  bewaldet,  theils  zum  Feldbau
benützt,  außer  dem  anmuthenden  Eindrücke  der  Landschaft  überhaupt  dem  Beschauer
wenig  Bemerkenswerthes  bieten.  Nur  an  zwei  Stellen  hat  die  Erweiterung  der  Thalsohle
größere  Ansiedlungeu  zugelassen;  sie  sind  durch  das  alte  Psarrdorf  Rohr  im  obersten
Theile  und  durch  den  noch  älteren  Markt  Schwarzau  im  untersten  Theile  bezeichnet.
Dazwischen  finden  sich  nur  einzelne  Wohnstätten,  allerdings  nicht  wenige  und  zum  Theile
mit  angebauten  Nachbarhäusern.
            
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