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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil

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In  dem  südostwärts  ziehenden  Flügel  der  Südalpen  und  den  untrennbar  mit  ihm
verbundenen  Gebirgen  des  Balkansystems  finden  wir  in  vielfach  sich  wiederholenden  Zügen,
deren  nordwest-südöstliches  Streichen  allerorts  zu  erkennen  ist,  zunächst  nur  die  Fortsetzung
jener  Gesteine,  die  man  in  den  Südalpen  antrifft.
Bekannt  find  die  schmalen,  langgestreckten  Inseln  des  Quarnero  und  Dalmatiens,
die  durch  mehr  weniger  enge  Kanäle  getrennt  dem  Festlande  vorliegen.  Sie  sind  die  über
das  Meeresniveau  emporragenden  Kämme  des  Faltengebirges,  dessen  Mulden  vom  Wasser
bedeckt  sind.  Sie  bestehen  durchwegs  aus  Hellen,  oft  blendend  Weißen  Kalksteinen,  die  meist
verschiedenen  Stufen  der  Kreideformation  angehören,  aber  fast  überall  durch  Reste  einer
eigenthümlichen,  völlig  ausgestorbenen  Classe  von  Schalthieren  als  Rudistenkalke
bezeichnet  sind;  hin  und  wieder  schließen  sich  diesen  auch  eocene  Nummulitenkalke  an.
Betreten  wir  das  feste  Land,  so  finden  wir  zunächst  dieselben  Kalksteine  theils  in  weitgedehnten ­
  Plateaux,  namentlich  im  eigentlichen  Karst,  theils  wieder  in  parallelen  Bergreihen ­
  angeordnet,  mit  Längsthälern  dazwischen,  deren  vom  Meere  hier  nicht  mehr  bedeckter
Grund  von  Sandsteinen  und  Mergeln  der  Eocenformation  ausgefüllt  ist.  Diese  bilden
fruchtbare,  von  üppigen  Cultnren  bedeckte  Oasen  zwischen  den  trostlosen  Steinwüsten  der
Karstländer.
Diese  Kalkgebirge  zeigen  aber  in  typischester  Entwicklung  jene  merkwürdigen
Phänomene,  welche  man  mit  dem  Namen  Karsterscheinungen  bezeichnet  und  die  durch  die
gebrachten  Abbildungen  (Seite  37,  107  und  109)  veranschaulicht  sind.  Eine  überall
zerrissene  und  zerschrundete  Oberfläche,  durch  die  zersetzende  Wirkung  der  Atmosphärilien
auf  das  nackte  Gestein  ausgefurcht,  zahllose  trichterförmige  Vertiefungen,  die  sogenannten
Dolmen,  sowie  größere  eines  offenen  Abflusses  ermangelnde  Kessel  und  blinde  Thäler,
hin  und  wieder  eine  weitgeöffnete  Pforte  an  einer  Felswand  oder  ein  gähnender  Schlund,
der  zum  Besuche  der  geheimnißvollen  Tiefe  einladet.  In  dieser  selbst  aber  ein  Labyrinth
von  Gängen,  Spalten,  Grotten  und  Höhlen  mit  von  der  Sonne  nie  beschienenen  rauschenden
Gewässern,  tosenden  Cascaden  oder  ruhigeren  Seebecken,  mit  jenen  zauberhaften  Tropfsteingebilden, ­
  welchen  die  erregte  Phantasie  des  kühnen  Forschers  mitunter  die  seltsamsten
Ähnlichkeiten  andichtet,  mit  einer  Fauna  blinder  Land-  und  Wasserthiere,  welche  das
Tageslicht  scheuen.  Endlich  finden  sich  in  dem  Lehm,  der  den  Boden  bedeckt,  zahllose
Knochen  ansgestorbener  Säugethiere,  unter  welchen  der  Höhlenbär  den  ersten  Rang
einnimmt,  oft  aber  auch  Reste  alter  Bewohner  unseres  eigenen  Geschlechtes  ans
prähistorischer  Zeit.
Alles  Wasser  der  sehr  reichen  atmosphärischen  Niederschläge  auf  den  Karstplateaux
verschwindet  sofort  durch  die  Klüfte  und  Spalten  von  der  Oberfläche.  Auf  seinem  unterirdischen ­
  Wege  weitet  es  durch  chemische  wie  durch  mechanische  Actionen  mehr  und  mehr
            
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