MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil

163 
früher glaubte, seine Wärme und Trockenheit aus der Sahara entlehnt, geht schon daraus 
hervor, daß es meist auf der Südseite der Alpen heftig regnet und kühl ist, wenn auf der 
Nordseite der trockene heiße Föhn herrscht, und daß es auf der Südseite der Alpen einen 
trockenen warmen Nordföhn gibt. Die Eigenschaften des Föhnwindes entstehen erst im 
Gebirge selbst und sind die einer rasch aus der Höhe herabkommenden Luftmasse. Auf den 
Niederungen fehlen die mechanischen Bedingungen, unter denen ein solches rasches Herab 
sinken allein zustande kommen kann. 
Das Klima der großen Ebenen. 
Das Klima der großen Ebenen, welches bei uns in Nicdernngarn zur Geltung 
kommt, unterscheidet sich in mehrfacher Beziehung von dem der Bcrgländer. Vor allein 
Andern fehlt die große Mannigfaltigkeit der localen Klimagebiete, die wir in Bergländern 
auf kurze Entfernungen zusammengedrängt vorfinden. Während dort in demselben Thalc 
die Exposition der Bergwände nach Nord oder Süd, Ost oder West große Verschiedenheit 
der Erwärmung bewirkt, fällt die Sonnenstrahlung auf die ganze weite Flüche der 
Niederung überall unter demselben Winkel auf und erwärmt dieselbe daher auch gleich 
mäßig. Aber auch die Winde, die auf der Ebene kein Hinderniß finden, bewirken eine 
Ausgleichung der Temperatur-Verhältnisse. Große Gleichförmigkeit der Wärmevertheilnng 
ist demnach ein Charakterzug der großen Ebenen, namentlich im Vergleich zu jener in 
den Bergländern. Wir sehen dies auch im Alföld. Wie wenig unterscheiden sich die Jänner 
temperaturen der ziemlich an der äußersten Peripherie gelegenen Orte: Budapest —1°4, 
Debreczin —1°9, Pancsova — 0°9 und des etwa in der Mitte liegenden Szegedin mit 
—1°1. Der Breitennnterschied von Debreczin und Budapest, beide unter 47°31, gegen 
Pancsova (44°52) betrügt aber 2°5, das ist der Breitenunterschied zwischen München 
und Triest und etwas mehr als jener von Salzburg und Mailand. Ebenso geringfügig 
sind die Unterschiede der Julitemperaturen: Budapest 22°2, Debreczin 22°3, Szegedin 
22°8, Pancsova 22°9 und deßgleichen der mittleren Jahreswärme 10°9, 10°7, 11°3 und 
11° 7 in gleicher Ordnung. In Berglündern finden wir zwischen benachbarten Thälern in 
gleicher Seehöhe oft größere Wärme-Unterschiede. Die Temperaturverhültnisse der großen 
Ebenen neigen im continentalen Klima gern zu extremen Unterschieden zwischen Winter 
und Sommer. Die ungarische Niederung hat sich aber darüber nicht zu beklagen, Dank 
dem Schutze des Bergkranzes, der dieselbe im Westen, Norden und Osten umfängt und 
die kalten Winde aus diesen Himmelsstrichen im Winter abhült. Auch die Sommer- 
temperatnren sind verglichen mit denen von Südtirol und der Po-Ebene in gleicher Breite 
nicht hoch. Die jährliche Temperaturänderung (Unterschied der Jänner- und Julitemperatur) 
11 *
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.