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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil

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Niederwald  gleichzeitig  auch  Weide  und  stellt  so  eine  ganz  eigenthümliche  Culturform  dar,
welche  die  Verhältnisse  des  Klimas  und  Bodens  herausgebildet  haben  und  die  man  nicht
mit  den:  für  ein  anderes  Florengebiet  giltigen  Maßstab  messen  und  auch  nicht  voreilig
verdammen  darf.  Neben  dieser  einen  Culturform,  welcher  gleichzeitig  die  Bedeutung  von
Forst  und  Weide  zukommt,  findet  sich  als  zweite  Culturform  das  Feld.  Beschattung  des
Bodens,  welche  in  nördlicheren  Gegenden  den  Feldbau  beeinträchtigt,  ist  hier  nicht  nur
nicht  nachtheilig,  sondern  vom  größten  Vortheile,  indem  durch  sie  das  Erdreich  vor  dem
Sonnenbrände  und  übermäßiger  Austrocknung  am  besten  geschützt  wird.  Das  Feld  des
mediterranen  Florengebietes  ist  darum  regelmäßig  auch  mit  Bäumen  und  Weinreben
bepflanzt.  Der  Grund  des  Feldes  trägt  Cerealien,  Gemüse  und  Futterkräuter;  die  Ulmen,
Eschen,  Feldahorne  und  Maulbeerbäume,  welche  in  regelmäßigen  Reihen  über  das  Feld
vertheilt  sind,  liefern  ihr  Laub  als  Futter  für  die  Hausthiere  und  für  die  Seidenraupen
und  die  Rebengewinde,  denen  die  Strünke  der  Bäume  als  Stützpfähle  dienen,  liefern
Trauben  und  Wein.  Das  Feld  ist  hier  gleichzeitig  Acker,  Gemüsebeet,  Obstgarten  und
Weinberg,  liefert  zudem  das  Material  für  den  Betrieb  der  Seidenzucht  und  muß  gewissermaßen ­
  auch  noch  die  Wiese  ersetzen,  indem  es  Laubfutter  für  die  Hausthiere  abwirft.
Auch  dieser  eigenthümliche  Wirthschaftsbetrieb  hat  sich  allmälig  als  der  den  klimatischen
Verhältnissen  am  besten  entsprechende  herausgebildet  und  Meliorationen  im  Betriebe
können  sich  naturgemäß  nur  innerhalb  des  Rahmens  dieser  Wirthschastsmethode  bewegen.
Was  die  dem  mediterranen  Gebiete  besonders  zukommendeu  Culturpflanzen  anbelangt,
so  sind  vor  Allem  die  Pinien  und  Cypressen,  die  Feigen-,  Caroben-,  Granatapfel-,  Öl-,
Citronen-  und  Orangenbäume  und  auch  die  Dattelpalme  hervorzuheben.  Die  letztere  wird
wohl  nur  vereinzelt  als  Zierde  und  Rarität  in  Gärten  angetrosfen  und  erreicht  ungeschützt
in  einem  Garten  auf  Lussin  im  Qnarnero  ihren  nördlichsten  Standort.  Die  Citronenund
  Orangenbäume  werden  nur  in  sehr  günstigen  Lagen  mit  Erfolg  cultivirt  und  bedürfen
an  der  Nordgrenze  des  Gebietes  am  Gardasee  besonderer  Schutzvorrichtungen  gegen  die
Frostperioden  des  Winters.  Der  Johannisbrotbaum  oder  die  Carobe  lOrutonia,  8ilic;riu)
wird  im  südlichen  Dalmatien  häufig  gezogen  und  findet  den  nördlichsten  Standort  bei
Lovrana  nächst  Fiume.  Kleine  Piniengruppen  und  Cypressenhaiue  finden  sich  allenthalben
in  den  Gärten  des  südlichen  Dalmatien;  in  vereinzelten  Exemplaren  trifft  man  beide
Coniseren  ebenso  wie  die  Feige,  den  Granatapfel  und  die  aus  Amerika  eingeführte  Agave
und  Opuntie  bis  an  den  Nördrand  des  mediterranen  Gebietes,  ja  selbst  noch  darüber  hinaus
im  Etschthale  bei  Bozen.  Der  wichtigste  der  cultivirten  Bäume  ist  übrigens  der  Ölbaum.
Die  Gelände,  auf  welchen  er  cultivirt  wird,  stimmen  in  ihrer  Anlage  mit  den  oben
beschriebenen  gartenartigen  Feldern  überein;  der  Grund  des  Ölberges  wird  nämlich
geradeso  wie  in  jenen  Feldern  mit  Cerealien  und  dergleichen  bebaut;  doch  fehlen  hier  die
            
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