MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil

239 
Tatra bis an den Pilsko und kleinen Kriwan und wird im Süden durch die Spitzen Cserni 
Kamen, Djumbir und Kralowa Hora markirt. Legföhren- und Zwergwachholderbestände, 
ausgedehnte Flechtenmatten, Grasmatten, in welchen die immergrünende Segge, dann jene, 
in welchen die gekrümmte Segge, die dreitheilige Simse und das zweizeilige Berggras 
vorherrschen, aus den Kalkgipfeln auch Matten aus der steifen Segge, sowie kleine 
Weidenteppiche bestimmen die Physiognomie dieser Inselgruppe. Das Alpenrosengebüsch 
fehlt, ebenso fehlen die Gebüsche ans grauhaarigen Weiden und die Azaleenteppiche. In 
der Geröllflur erscheinen der karpathische Steinbrech und die Trabis noAleatn als 
charakteristische Arten. Einen großen Theil der alpinen Gewächse hat diese Inselgruppe 
mit der norischen, einen anderen Theil mit der dacischen und einige Arten auch mit der 
sudetischen Gruppe gemein. Wie in ihrer Lage bildet sie auch in Betreff ihrer Flora ein 
Bindeglied zwischen den norischen Alpen, den siebenbürgischen Hochgebirgen und den 
Sudeten. — Am weitesten nach Norden vorgeschoben erscheint die sndetische Inselgruppe. 
Nur wenige schmale Streifen Landes, welche den Kämmen des Gesenkes und des Riesen 
gebirges entsprechen, tragen eine ausgesprochene alpine Flora. Dieselbe ist aber wenig 
mannigfaltig und es fehlen nicht nur das Edelweiß, die Edelraute, der Speik, die meisten 
Gentianen und Primeln, welche den unvergleichlichen Schmuck der alpinen Vegetation in 
den anderen alpinen Inselgruppen bilden, sondern auch die Alpenrosengebüsche, die Azaleen 
teppiche und jene Grasmatten, in welchen die Seggen das Grnndgewebe bilden. In den 
Grasmatten spielt neben dem Felsenwindhalm das Borstengras eine hervorragende Rolle 
und zwischen den Rasen dieses Grases erscheint neben zwei dnnkelährigen Hainsimsen 
insbesondere eine große Zahl von Habichtskräutern, von welchen mehrere bisher nur in 
diesem Gebiete gefunden wurden. Weite Strecken der steinigen Höhen sind mit Flechten 
matten überkleidet und auch die Felsblöcke sind reichlichst mit Flechtenschorfen überzogen. 
Die aus ?irms ?uriiilio gebildeten Legföhrenbestände bedecken vorzüglich die humusreichen 
und moorigen Gründe, und aus solchem Moorboden finden sich auch die grauen Büsche der 
lappländischen Weide, Teppiche aus Torfmoosen und Widerthonmoosen und jene winzige 
Weide, welche Linne den kleinsten aller Bäume genannt hat. Mehrere hier vorkommende 
alpine Arten, namentlich LaxitruAN nivalis, pockieularis snclotiea und Iludns Oliainas- 
lnorns, welche letztere das Obst des hohen Nordens, die köstliche Moltebeere liefert, fehlen 
allen anderen alpinen Inselgruppen, finden sich aber in der arktischen Flora wieder, und es 
ist überhaupt sehr bemerkenswerth, daß die Flora der sudetischen Gruppe mit der arktischen 
Flora noch die meiste Ähnlichkeit hat. Auf Grund dieser Ähnlichkeit wurde von älteren 
Pflanzengeographen, welche die alpine Flora der Sudeten ganz vorzüglich vor Augen 
hatten, die alpine Flora überhaupt mit der arktischen identificirt, was aber den tatsächlichen 
Verhältnissen durchaus nicht entspricht. Es findet sich zwar im arktischen Gebiete eine
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.