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ebenso merkwürdigen Uotentillu 6urilioliou zwischen Haidekrautbeständen und in nächster
Nähe von Birken- und Weißföhrenwäldern; im oberen Vintschgan Tirols verblüfft das
Auftreten von östlichen Astragalusarten und anderen Typen der politischen Flora, an den
sonnigen Nagelfluefelsen am Fuße der Solsteinkette bei Innsbruck nicht weniger das
Vorkommen der Hopsenbuche; auf den mit Weißföhrenwäldern und Haidekraut bewachsenen
Höhen bei Hollenbnrg und Göttweig in Niederösterreich wehen auf beschränkten Stellen
die Halme der Goldbartfluren und wuchern Bestünde östlicher niederer Wermutarten,
ja selbst noch im Elbethale in der nordwestlichen Ecke Böhmens finden sich Colonien
politischer Pflanzen dreihundert Kilometer weit getrennt von jenem Landstriche, der jetzt
die Grenze der politischen und baltischen Flora bildet. In mehreren von Süden her in die
Alpen einschneidenden Thülern finden sich im Bereiche der baltischen Flora auch Colonien
mediterraner Pflanzen, und um nur ein Beispiel zu nennen, sei hier des isolirten Vor
kommens mehrerer Moose, Farne, Gräser und anderer Pflanzen auf den warmen Porphyr
felsen bei Bozen gedacht, die man sonst erst einen Breitegrad südlicher wiederfindet.
Auf Grund dieser Erscheinungen ist derSchluß gerechtfertigt, daß es eine Zeit gegeben
haben muß, in welcher die politische und mediterrane Flora viel weiter, als das heute der
Fall ist, nach Westen und Norden vorgeschoben waren. Vor der Eiszeit konnte das freilich
nicht gewesen sein; denn unter dem Einflüsse der klimatischen Verhältnisse der Eiszeit —
wenn diese vielleicht auch weit weniger rauh waren, als man sich häufig vorstellt — hätten
die eine hohe Sommerwärme beanspruchenden politischen und mediterranen Pflanzen selbst
an den relativ günstigsten Punkten zu Grunde gehen müssen. Man ist daher zu der
Annahme gezwungen, daß die schrittweise Masseneinwandernng politischer und mediterraner
Pflanzen bis Tirol und Böhmen erst nach der Eiszeit stattfand, und zwar unter dem
Einflüsse eines Klimas mit viel höherer Sommertemperatur, als sie gegenwärtig in diesen
Gebieten den Pflanzen zugute kommt. — Dieser Periode mit sehr warmen Sommern folgte
dann eine Periode mit kühleren feuchten Sommern, in welcher ein Vordrängen der
baltischen und ein Zurückziehen der politischen und mediterranen Flora nach Osten und
Süden, zugleich auch ein Sinken der oberen Grenze hochstämmiger Bäume und ein Herab
rücken der alpinen Flora in den Hochgebirgen stattfand und in welcher sich überhaupt jene
Grenzen der vier Floren herausbildeten, die gegenwärtig beobachtet werden und vorher
gehend ausführlicher geschildert wurden. Es fehlt nicht an Erscheinungen, welche dafür
sprechen, daß in allerjüngster Zeit wieder ein Vordrüngen östlicher Pflanzenformen gegen
Westen stattfindet. Eine ganze Reihe von Gewächsen ist nämlich seit einigen Decennien
schrittweise von der Balkanhalbinsel her über Ungarn in das Weichbild Wiens und darüber
hinaus in das Gebiet der baltischen Flora eingewandert, vorläufig allerdings nur entlang
der großen Verkehrswege und unter unabsichtlicher Mithilfe von Menschen und Thieren.