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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 1. Abtheilung: Naturgeschichtlicher Theil

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völlig ausgerottet zu betrachten; wären selbst die Versuche, ihn unter dem Schutze einer 
weisen Wildpflege den Alpen wiederzugewinnen, von bleibendem Erfolge gekrönt gewesen 
oder würden sie dies noch sein, so könnte ihm voin thiergeographischen Standpunkte aus 
doch nie mehr die Bedeutung gezollt werden, die ihm ehedem gebührte, — es könnte 
ihm keine andere Rolle beschieden sein als irgend einem künstlich acclimatisirten, dem 
Boden fremden Eindringlinge, oder dem Bewohner eines größeren Thierparkes! Der 
Steinbock scheint ehedem bei uns weit verbreitet gewesen zu sein und sich speciell in unseren 
Alpen nicht ausschließlich an die Grenze des ewigen Eises und Schnees gehalten zu haben. 
Noch anfangs des vorigen Jahrhunderts (1720 bis 1730) waren die Steinböcke häufig zu 
Spital anr Pyrhn, an der Grenze zwischen Oberösterreich und Steiermark, 1753 wurde 
der letzte Steinbock in Oberösterreich, am Almsee, erlegt und befindet sich angeblich ein 
Horn dieses Exemplars im Stifte Kremsmünster. Über 100 Jahre später war, wie 
verlautet, das seltene Thier noch in einigen transleithanischen Hochgebirgen anzutreffen; 
so wurden im Winter 1829 auf 1830 am Fuße des Arpäs im Fogarascher Bezirke, in der 
sogenannten Capraräcza, einer von steilen Felsspitzen umgebenen Schlucht bei Szombat- 
falva, mehrere Exemplare geschossen und anno 1843 noch zwei Stücke zum Verkaufe nach 
Szeben gebracht. In den Centralkarpathen soll der Steinbock noch in den Dreißiger-Jahren, 
in den siebenbürgischen Karpathen sogar bis zu den Fünfziger-Jahren vorgekommen sein. 
Das Interesse, welches sich an die bisher besprochenen Vertreter der alpinen Säuger 
welt knüpft, ist vorwiegend ein zoologisches oder jagdliches, ja sogar historisches. Für den 
„Älpler", respective für den Gebirgsbewohner überhaupt bilden sie aber nur zum Theile 
eine gerne gesehene Staffage zu seiner Almwirthschaft, zu seiner oft mit unendlicher 
Mühe betriebenen mageren Bodencultur, sie stehen ihn: sogar meistens ferne; für ihn sind 
von ausschließlicher Bedeutung gewisse seit Menschenaltern nur im gezähmten Zustande 
bekannte Säugerarten, deren Zucht und Pflege seine vornehmlichste Lebensaufgabe bildet; 
in zahllosen Racen und Schlägen, häufig das Product sorglicher Auswahl des Besten, 
verbreiten sie sich über das gesammte Alpengebiet: das Hausrind, die Ziege und das Schaf. 
Geringer ist die Bedeutung des Schweines, das sein Fortkommen weitaus besser in den 
Niederungen findet; auch die Pferdezucht florirt im flachen Lande, wenngleich in so 
manchem Hochgebirgsthale ein schöner stämmiger Pferdeschlag zum Dienste in: steilen, 
steinigen Gebirgsterrain rationelle Züchtung findet. Nur als Hausfreunde kommen Hund 
und Katze in Betracht. 
Die Zeit, in welcher unser Vaterland von jenem Wildrinde bevölkert wurde, das wir 
mit als eine der muthmaßlichen Stammformen des heutigen Hausrindes zu betrachten 
haben, liegt weit hinter uns; der Auerochs, der „Ur" der Nibelungen (Los kaurus 
priimAMins) soll zwar noch vor circa 200 Jahren in spärlicher Anzahl Massovien
	        
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