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ehedem als Regulative gegolten hatten, hinter der Bedeutung der einzelnen zum Lheile neu
geschaffenen Landesstellen, wie namentlich des wegen der Türkengefahr für Jnnerösterrcich
begründeten besonderen Hoskriegsrathes zurück. Aber gerade die türkische Frage bildete
einen Berathnngsgegenstand, der sich einem österreichischen Vollparlamente passend zu
Grunde legen ließ, wie dies auch wirklich Khlesel auf dem Gcneralconventc zu Linz im
Jahre 1614 versucht hat. Doch auch diesmal blieb die Versammlung ein Tvrso. Der Versuch
scheiterte an dem Mißtrauen der Stände, welche besorgten, daß die bewilligten Truppen
nicht gegen die Türken, sondern wider sie selbst Verwendung finden oder doch etwaige
Erfolge in der Bekämpfung der Türken zur Erhöhung der kaiserlichen Macht beitragen
würden. Anderseits war aber auch Matthias nicht zu bewegen, zu der von den Stünden
angestrcbten wechselseitigen Föderation die Hand zu bieten.
Obgleich Khlesel sich bisher dem Werke der Gegenreformation mit dem größten
Eifer gewidmet hatte, so ist doch seinem Einflüsse die vermittelnde Tendenz zuzuschreiben,
welche der Kaiser zwischen den hadernden Rcichsparteien festhielt. Dieser vermittelnden
Richtung Khlesels aber widerstrebten Spanien, die Liga und Erzherzog Ferdinand von
Steiermark.
Ferdinand von Steiermark, als Kaiser später der zweite dieses Namens, hatte dem
Wunsche seiner Eltern gemäß die in Graz begonnenen Studien in Ingolstadt fortgesetzt,
um sich unter der Aufsicht seines glaubenseifrigen Oheims, Herzogs Wilhelm V. von Baiern,
im Umgänge mit seinen Vettern — namentlich dem hochbegabten Maximilian — und nach
der Unterweisung der dortigen Jesuiten zum künftigen Vorkämpfer des Katholieismns
anszubilden. Mit schwärmerischer Begeisterung erfaßte Ferdinand den ihm zugedachten
Beruf. Nach Vollendung seiner Studien kehrte er nach Graz zurück, wo er, da mittlerweile
sein Vater gestorben war, die Huldigung cntgegennahm. Um sich aber zu seiner Aufgabe
würdig vorznbcreiteu, reiste Ferdinand nach Italien, besuchte den Papst in Ferrara, kniete
an den geweihten Stätten zu Loretto und Rom und legte das Gelübde ab, daß er selbst
mit Gefahr seines Lebens alle Secten und Irrlehren aus den von ihm ererbten Ländern
vertreiben wolle.
Heimgekehrt, begann er sein Gelöbniß zu erfüllen, trotz der vielen Abmahnungen
seiner weltlichen Räthe und des Kaisers, welcher ans die von den Türken drohende Gefahr
und die schwierigen Verhältnisse im Reiche hinwies, trotz des hartnäckigen Widerspruches
des Adels, trotz mehrfacher Empörungen seiner Unterthanen, trotz der zürnenden Fürsprache
evangelischer Reichsstände und trotz der Erbitterung, welche sich bei allen Protestanten in
Deutschland kundgab, angefeuert durch seine Mutter und durch den Papst, sonne ohne
Zweifel auch durch seinen Beichtvater und andere Grazer Jesuiten, aber gewiß auch geleitet
von der politischen Überzeugung, daß die evangelischen Stünde mit dem Ringen um