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Zugleich mit ihm trat noch ein anderer Mann von der Weltbühne ab. Es ist zwar
nicht richtig, wenn behauptet wird, daß Eggenberg in Wallenstcins Sturz verflochten worden
sei. Thatsache aber ist, daß er eben damals schwer erkrankt den Hof verließ und noch in
demselben Jahre starb. Und nicht minder gewiß ist, daß der Abgang dieser beiden Männer
in mehr als einer Hinsicht einen Systcmwechsel bedeutete. Zunächst gelangte die Kriegspartei
ans Ruder, an deren Spitze der Kronprinz Ferdinand — nunmehr auch Oberfeldherr der
kaiserlichen Truppen — stand. Auch der spanische Einfluß machte sich noch einmal geltend.
Zugleich änderte sich die Stellung der Armee. Die Parole der Bntler'schen Dragoner:
„Wer ist gut kaiserlich?" theilte wie ein schneidiges Schwert die Parteien. Indem der
Kaiser die Ansprüche der Obersten aus den confiscirtcn Gütern Wallensteins befriedigte,
knüpfte er ihre von ihm losgelöste Macht von neuem an seine Fahne. Es war im eigentlichen
Sinne eine kaiserliche Armee, welche bald darnach unter der Führung des Kronprinzen
den Sieg bei Nördlingen errang, und in der Theilnahme der Spanier unter dem Cardinal-
infanten Ferdinand an dieser Schlacht trat das wiederhergestellte Einvernehmen der beiden
habsburgischen Linien hervor.
Die Schlacht bei Nördlingen brach das Übergewicht der Schweden in Süddcntsch-
land. Zugleich sagte sich von ihnen der Kurfürst von Sachsen los, indem er (30. Mai 1635)
zu Prag mit dem Kaiser Frieden und ein Bündniß schloß. Der Prager Frieden bildet in
der Geschichte des dreißigjährigen Krieges insoferne einen wichtigen Wendepunkt, als derselbe
nicht nur das Vcrhältniß des Kaisers zu Kursachsen, an welches damals die Lausitz abge
treten wurde, sondern auch durch die Aufhebung des Restitntionsedictes die kirchliche Frage
in einer Weise regelte, welche dem fortgesetzten Kampfe seinen religiösen Charakter voll
ständig benahm. Auch traten allmälig die meisten Protestantischen Fürsten dem Prager-
Frieden bei und ebenso löste sich die Liga, die ihren Zweck erfüllt hatte, auf. Eine der
wichtigsten Früchte des Prager Friedens war es endlich, daß ans dem Kurfürstentage zu
Regensburg (1636) trotz dem Widerstreben des Papstes und trotz den Umtrieben
Frankreichs Ferdinands gleichnamiger Sohn zum römischen Könige erwählt wurde. Es
war der letzte Sonnenblick des launenhaften Glückes, dessen schroffen Wechsel Ferdinand
in seinem vielgeprüften Leben so oft empfunden hatte. „Nun, o Herr, lässest Du Deinen
Diener in Frieden fahren", rief der Kaiser bei dieser Freudenbotschaft aus. Bald darnach
— am 15. Februar 1637 — schied Ferdinand II. ans dem Leben. Er hatte 1625 seinem
Bruder Leopold Tirol, Vorarlberg und einen Theil der Vorlande überlassen müssen.
Dennoch wiederholte er kurz vor seinem Tode in einem Codicill (1635) den in seinem
bereits 1621 verfaßten, von dem ungarischen Primas mitnnterfertigten Testamente aus
gesprochenen Wunsch, es möchten alle von ihm besessenen Erbkönigreiche und Länder
fürderhin eine untheilbare Erbmonarchie bilden.