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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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Eugcn selbst, so daß er die »berste Heeresverwaltung und Heeresleitung in seinen Händen 
vereinigte, seiner neuen Stellung entfaltete Eugen eine rastlose Thätigkeit. Vermochte 
er auch nicht sosort allen Übelständen abzuhelfen, so machte sich doch in der Kriegführung 
ein frischerer Geist und ein planmäßigeres Zusammenwirken der Kräfte bemerklich. Während 
Eugen Wien gegen einen plötzlichen Überfall von Seite der ungarischen Malevntentcn durch 
die Errichtung des Linienwalles schützte, war sein Hauptaugenmerk auf die Vernichtung 
des Kurfürsten von Baiern gerichtet, da erst, wenn dieser „stets schmerzende und lästige 
Dorn" aus der L-eite des Kaisers gezogen war, der Krieg gegen den Hauptfeind Frankreich 
mit Nachdruck und Erfolg geführt werden konnte. Eugen erreichte dies Ziel im Vereine 
mit Marlborvugh, mit dem er sich in die Lorbeern des Tages von Höchstädt (1704) theilte. 
Es war die erste größere Niederlage, welche seit den Anfängen Ludwigs XI V. ein 
französisches Heer im Felde erlitt, der erste durchschlagende Erfolg der Coalitivn. Während 
die Franzosen das rechte Rheinufer räumten, lag Knrbaiern als Siegesbente den kaiserlichen 
Waffen offen. Der Kurfürst war ein heimatloser Flüchtling, der sein Land erst nach dem 
Friedensschlüsse wieder betreten sollte. 
Mit diesem Lichtblicke schloß der Lebensabend Kaiser Leopolds 1. Er starb am 
5. April 1705. Der Thronerbe Josef 1. stand in der ersten Blüte männlicher Kraft, noch 
hatte er das 27. Lebensjahr nicht vollendet. Die Hoffnungen aller strebsamen Geister in 
Österreich ruhten auf ihm, denn schon seit einigen Jahren war die tiefe Kluft bemerkbar 
geworden, welche von dem hergebrachten System der väterlichen Regierung die stolzen 
Entwürfe und Bestrebungen des Kronprinzen schied. Dein Einflüsse der Jesuiten entrückt 
war der Prinz, dessen anmuthige äußere Erscheinung zugleich Geist und Leben verrieth, 
von welterfahrenen Männern, wie dem Fürsten Salm und dem Wcltpriester Rummel, 
erzogen worden, welche die Lernbegierde des Knaben eher dämpfen als spornen mußten. 
Fast ungestüm in allen Bewegungen, ein verwegener Reiter, ein feuriger Jäger, ein leiden 
schaftlicher Tänzer, stand er in merkwürdigem Contraste zu der feierlich gemessenen Haltung 
des Vaters. Früh genug regte sich in ihm das Gefühl seiner Stellung und Zukunft. Ein 
entschiedener Gegner der alten Räthe des Vaters, lebte er nur in Kriegsgedanken; mit 
unnachsichtiger Strenge gedachte er dereinst verrostete Mißbräuche abznstellcn, namentlich 
aber zeigte er sofort die größte Entschiedenheit in der Einforderung kaiserlicher Rechte, die 
er in der Folge selbst dem franzvsenfrenndlichen Papste gegenüber nachdrücklich geltend 
machte. Doch bei aller aufwallenden Leidenschaftlichkeit des Temperamentes hatte sich auch 
Josef die angeborene Güte seines Geschlechtes bewahrt, ^iriora at tiraorv war der Wahl 
spruch dieses Fürsten. 
Freilich hat Josef I. während eines leider kurzbemessenen Lebens die Erwartungen 
nicht ganz erfüllt, die sich an seine Thronbesteigung knüpften. Sein lebhafter Geist blieb
	        
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