mit Baiern rieth. Aber zuletzt trug doch die Herzensneigung Maria Theresias, welche au
ihrer Mutter eine mächtige Fürsprecherin fand, über alle diese Pläne den Sieg davon.
Als Franz Stefan dem Kaiser das schwere Opfer brachte, gegen Toscana auf sein
Stammland Lothringen zu Gunsten des Exkönigs von Polen Stanislaus Leszczynski und
Frankreichs zu verzichten, da zögerte Kaiser Karl VI. nicht länger mit der Zustimmung zu
dessen Vermahlung mit Maria Theresia, welche am 12. Februar 1736 — noch vor jener
Verzichtleistung — stattfand.
Unter den schwierigsten Verhältnissen trat nach dem Tode Karls VI. und auf Grund
der pragmatischen Sancüon Maria Theresia die Regierung der österreichischen Länder an.
Das Reich war durch die vorausgegangenen Kriege erschöpft und die Armee in schlechtem
Zustande, seitdem nicht mehr Eugen von Savoyen dieselbe leitete. Die Stimmung der
Bevölkerung war gedrückt, die junge Fürstin, welche zur Herrschaft kam, bisher in die
öffentlichen Geschäfte nicht eingeführt und von den meist hochbetagten Räthen ihres Vaters
umgeben, denen es zwar nicht an Erfahrung, aber an Entschlossenheit und Thatkraft
gebrach. Wohl mochte man sich anfangs in der Hoffnung wiegen, daß der Thronwechsel
ruhig vor sich gehen werde, war ja die pragmatische Sancüon von den meisten Staaten
Europas anerkannt, aber nur zu bald zeigte es sich, wie wenig in Wirklichkeit diese
Anerkennung bedeutete.
Der Kurfürst von Baiern Karl Albert erhob, gestützt ans das Testament Kaiser
Ferdinands I., welches er mit Unrecht zu Gunsten seines Hauses deutete, Ansprüche auf
Österreich. Unerwarteter noch waren die Ansprüche auf Schlesien, welche plötzlich der
junge König von Preußen Friedrich II. geltend machte. Es dauerte nicht lange und auch
Frankreich, Spanien und Sachsen traten den Gegnern Maria Theresias bei. Während
Friedrich II., da seine Ansprüche zurückgewiesen wurden, den ersten schlesischen Krieg
eröffnete und bei Mollwitz siegte, drangen französisch-baierische Truppen über Österreich
nach Böhmen vor, wo Karl Albert sich huldigen ließ. Auch setzten es die Gegner Maria
Theresias durch, daß nicht ihr Gemal, sondern der Kurfürst von Baiern als Karl VII.
auf den deutschen Thron erhoben wurde.
So mußte die junge Fürstin einen gewaltigen Kampf um ihr Recht und um das
Dasein ihres Reiches bestehen. Aber Maria Theresia, die nach dem Aussprache ihres
Sohnes Joses keinen anderen Schutz in ihrer Bedrängniß fand als die Größe ihrer Seele
und die Treue ihrer Völker, hat diesen Kampf wie eine Heldin ausgekämpft.
Sie war, als sie den Thron bestieg, dreiundzwanzig Jahre alt und in den Regierungs
geschäften noch unerfahren. Aber sie wußte bald Zuneigung und Verehrung im höchsten
Maße zu gewinnen. „Ihr sanftes und doch lebhaftes blaues Auge, das reiche blonde Haar,
die hohe Stirne und das feingeformte Gesicht, die gesunde, kräftige, über mittelgroße,