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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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Schon ans der Reise nach Wien versprach er den Ungarn die Wiederherstellung ihrer Ver 
fassung. Ebenso bot er den Niederländern die volle Bestätigung ihrer Privilegien an. In 
den Erblanden lebten die ständischen Verfassungen wieder auf. Die Landtage wurden 
allenthalben einberufen. Einige der verhaßtesten Neuerungen, namentlich das als unrichtig 
in der Bemessung erkannte josefinische Steuersystem wurden sofort abgeschafft. Auch dem 
Clerus wurden mancheErleichternngen von dem Staatszwange Josefs gewährt, dieGeneral- 
seminarien verschwanden, einzelne Klöster erhielten ihre Güter zurück. Aus dem Strafrechte 
wurden einige der anstößigsten Bestimmungen des josefinischen Gesetzbuches entfernt; auch 
wurde die Führung der verhaßten Conduitelisten eingestellt. So wurden die aufgeregten 
Länder allmülig wieder beruhigt, zumal sich Leopold in althergebrachter Weise zum König 
von Böhmen und Ungarn krönen ließ und letzterem Lande in seinem viertgeborenen Sohne 
einen Palatin gab. Zugleich wurde die Verbindung der ungarischen und der siebenbürgischen 
Hofkanzlei wieder aufgehoben und die illyrische Hofkanzlei wieder hergestellt, da Leopold 
in der „illyrischen", das ist serbischen Nation eine Stütze gegen die unbotmäßigen Elemente 
des ungarischen Adels zu finden hoffte. Die Bewältigung der belgischen Unruhen endlich 
gelang Leopold im Zusammenhang mit der Herstellung des Friedens nach außen. 
Leopold trat die Regierung in Österreich mit dem festen Vorsatze an, den 
Eroberungsplünen seines Bruders zu entsagen und der Herstellung des Friedens, der im 
Hinblick auf die inneren Verhältnisse so dringend nöthig war, jedes Opfer zu bringen. 
Allerdings wurde seine Friedensliebe durch die auf territoriale Erwerbungen (Danzig und 
Thorn gegen Rückgabe Galiziens an Polen und Entschädigung Österreichs auf Kosten der 
Pforte) gerichtete Politik Hertzbergs, noch mehr durch die Kriegsgelüste des preußischen 
Königs Friedrich Wilhelm II. selbst auf eine harte Probe gestellt. Aber Leopold wußte 
durch die äußerste Nachgiebigkeit die Tauschpläne Hertzbergs zu beseitigen und seine Gegner 
zu entwaffnen. Im Juli 1790 kam der Reichenbacher Vertrag mit Preußen und den See 
mächten zustande, in welchem Preußen die Tauschplüne fallen ließ, Leopold aber mit den 
Türken auf Grundlage des alten Besitzstandes Frieden schließen zu wollen versprach. Durch 
diesen Vertrag gewann zugleich Leopold freie Hand gegenüber Belgien, das sich bald darnach 
den einrückenden österreichischen Truppen wieder unterwerfen mußte. Die Kaiserwahl 
Leopolds vollzog sich jetzt ohne Schwierigkeit. 
Auch in der äußeren Politik bezeichnet Leopolds Regierung einen wichtigen Wende 
punkt. Die Vorgänge in Frankreich und die Absicht, sich von seinem bisherigen Verbündeten, 
Rußland, unabhängiger zu machen, bewogen ihn zum Frieden mit der Pforte und zur 
Annäherung an Preußen. Die Vorgänge in Polen beschäftigten Leopolds Aufmerksamkeit. 
Er hat die neue (Mai-) Verfassung dieses Landes anerkannt; wenn er auch nicht, wie man 
mehrfach behauptet hat. an den Vorbereitungen derselben thätigen Antheil nahm, so
	        
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